Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte in den vergangenen Jahren erhebliche Auswirkungen auf den Immobilienmarkt in Deutschland. Nach einer Phase der Nullzinspolitik wurden die Leitzinsen zunächst erhöht und zuletzt wieder gesenkt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich die Immobilienpreise entwickeln werden und worauf Käufer und Verkäufer besonders achten sollten.
Frau Katerina Rogers, die Inhaberin von Rogers Immobilien in München, teilt in diesem Interview ihre Einschätzungen und gibt wertvolle Ratschläge für die Auswahl eines kompetenten Immobilienmaklers.
Wie hat die Nullzinspolitik die Immobilienpreise in den letzten 10–15 Jahren beeinflusst, und was erwarten Sie für die Zukunft?
Rogers: Die Nullzinspolitik der EZB führte zu historisch niedrigen Bauzinsen, was die Nachfrage nach Immobilien erheblich steigerte und somit die Preise in die Höhe trieb. Wir konnten in München zwischen 2011 und 2021 nahezu eine Verdreifachung der Preise beobachten. Wer damals eine Immobilie kaufen wollte, musste ca. 3.200 bis 3.500 EUR pro Quadratmeter bezahlen. Im Jahr 2022 lag der durchschnittliche Preis pro Quadratmeter hingegen bei über 9.000 EUR.
Und wie ging es nach 2022 weiter?
Rogers: 2022 war für alle Menschen ein turbulentes Jahr. Die bekannten Krisen wie der Ukraine-Krieg, die extrem hohen Energiepreise, die allgemeine Inflation und auch die Nachwehen der Corona-Pandemie haben natürlich auf dem Immobilienmarkt ihre Spuren hinterlassen. In München sorgte dies für eine Trendwende: Die Immobilienpreise sanken teilweise um bis zu 20 Prozent. Wohnraum wurde also wieder deutlich erschwinglicher.
Mit den jüngsten Zinssenkungen der EZB (Anmerkung der Redaktion: Die EZB hat den Refinanzierungssatz seit Juni 2024 von 4,5 auf zuletzt 2,5 Prozent gesenkt) beobachten wir eine Marktanpassung. Ich erwarte allerdings, dass die Preissteigerungen moderater ausfallen werden und sich der Markt in den kommenden Jahren stabilisiert.
Sehen Sie regionale Unterschiede in der Entwicklung der Immobilienpreise? Falls ja, welche Regionen sind besonders betroffen?
Rogers: Ja, es gibt deutliche regionale Unterschiede. Die Immobilienpreise in Metropolregionen wie München, Hamburg oder Berlin verzeichneten in der Vergangenheit stärkere Steigerungen als ländliche Gebiete. Sie finden heute Preisspannen in Deutschland zwischen deutlich unter 2.000 EUR pro m² und über 6.000 EUR pro m².
Wie beeinflusst die Leitzinspolitik den Immobilienmarkt?
Rogers: Wer eine Immobilie kaufen oder bauen möchte, muss dafür in der Regel einen Kredit aufnehmen. Hierbei gilt: Je geringer die Zinsen, desto mehr Menschen können sich eine Immobilie auf Kredit leisten. Die Leitzinsen beeinflussen indirekt auch immer die Bauzinsen.
Der Zusammenhang funktioniert dabei folgendermaßen: Wenn eine Bank einen Baukredit ausgibt, refinanziert sie diesen über sogenannte Pfandbriefe und zahlt den Anlegern dafür entsprechende Zinsen. Die Zinsen für Pfandbriefe sind wiederum über die Zinsen für Staatsanleihen an die Leitzinsen gekoppelt. Sinken also die Leitzinsen, wandern Anleger gerne in Staatsanleihen ab. Dies hat eine Senkung der Zinsen für Staatsanleihen zur Folge – gleichzeitig sinken so auch die Zinsen für Pfandbriefe.
Wenn eine Bank somit für die Refinanzierung einer Baufinanzierung weniger bezahlen muss, hat sie auch mehr Spielraum bei der Zinsgestaltung für eine Baufinanzierung. Durch niedrigere Bauzinsen steigt die Nachfrage nach Immobilienkrediten, was wiederum die Preise für Immobilien in die Höhe treibt. Genau das konnten wir während der Nullzinspolitik seit 2012 beobachten.
Welche Auswirkungen hat das veränderte Zinsniveau auf Käufer und Verkäufer?
Rogers: Für Käufer bedeuten niedrigere Zinsen, wie zuvor erwähnt, geringere Finanzierungskosten, was die Erschwinglichkeit von Immobilien deutlich verbessert. Plötzlich können auch Haushalte über einen Immobilienkauf nachdenken, denen dieser Traum vorher verwehrt blieb. Trotzdem gilt es, genau zu rechnen. Die Immobilie sollte schließlich auch abbezahlt werden können.
Verkäufer profitieren von einer erhöhten Nachfrage, sollten jedoch realistische Preisvorstellungen und auch etwas Zeit mitbringen. Grundsätzlich gilt aber: Die aktuelle Entwicklung dürfte potenziellen Verkäufern deutlich entgegenkommen, da wieder mehr Nachfrage zu beobachten ist. Wie überall gilt auch hier: Je mehr Leute ein bestimmtes Gut haben wollen, desto höher der mögliche Verkaufspreis.
Welche Rolle spielt die Inflation bei der Entwicklung der Immobilienpreise, insbesondere nach der Nullzinspolitik?
Rogers: Inflation kann die Bau- und Materialkosten erhöhen. Es wird also schlicht teurer, Immobilien zu modernisieren und zu bauen. Dies schlägt sich natürlich auch in den Preisen für Häuser und Wohnungen nieder. Potenzielle Käufer müssen also tiefer in die Tasche greifen, um eine Immobilie zu erwerben. Dies treibt also eigentlich die Preise nach oben. Da jedoch die Kaufkraft der Menschen nachlässt, lassen sich die gewünschten Preise nicht immer abrufen. Deshalb werden bei steigenden Baukosten im Normalfall einfach weniger neue Immobilien errichtet.
Wir sehen dies aktuell in der Diskrepanz zwischen der Entwicklung der Mieten und der Kaufpreise für Immobilien. Da wenig neuer Wohnraum errichtet wird, verharren gerade in den Metropolregionen die Mieten auf einem sehr hohen Niveau. Die Kaufpreise sind hingegen aufgrund der deutlich gefallenen Nachfrage gesunken.
Welche langfristigen Trends erkennen Sie auf dem Immobilienmarkt, die unabhängig von Zinsentwicklungen bestehen?
Rogers: Unabhängig von den Schwankungen der Zinspolitik zeichnen sich auf dem Immobilienmarkt mehrere nachhaltige Trends ab, die das Geschehen prägen und auch in Zukunft relevant bleiben werden:
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1. Urbanisierung
Der Zuzug in städtische Gebiete hält weltweit und auch in Deutschland an, da Metropolen zahlreiche Arbeitsplätze, kulturelle Angebote und eine ausgezeichnete Infrastruktur bieten. Dies führt zu einer steigenden Nachfrage nach Wohnraum in Ballungsgebieten. In Städten wie München oder Berlin sehen wir, dass selbst kleinere Wohnungen in zentraler Lage heiß begehrt sind. Gleichzeitig wächst der Druck, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, was Kommunen dazu bewegt, neue Bauprojekte zu fördern oder bestehende Quartiere zu verdichten. Es bleibt abzuwarten, ob die Bemühungen mittelfristig von Erfolg gekrönt sind.
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2. Nachhaltiges Bauen und Wohnen
Klimafreundliches Bauen und energieeffiziente Immobilien sind ein Megatrend, der immer mehr Käufer und Investoren anspricht. Ferner macht der Staat auch immer strengere Vorgaben in diesem Bereich. Gebäude mit geringem Energieverbrauch, die erneuerbare Energiequellen nutzen oder nachhaltige Baustoffe verwenden, sind deshalb besonders gefragt.
Ein herausragendes Beispiel dafür ist der Prinz-Eugen-Park in München. Hierbei handelt es sich um Europas größte Holzbausiedlung, die auf einer Fläche von rund 30 Hektar nachhaltiges Wohnen ermöglicht. In diesem Viertel wurden 570 Wohnungen aus Holz gebaut, was langfristig etwa 13.000 Tonnen CO₂ speichert. Neben der Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen setzt das Projekt auch auf energieeffiziente Bauweisen und bietet den Bewohnern moderne, umweltfreundliche Lebensbedingungen.
Solche Vorhaben zeigen, wie Nachhaltigkeit auf städtebaulicher Ebene umgesetzt werden kann und gleichzeitig einen hohen Wohnkomfort bietet. Käufer achten zunehmend auf solche Merkmale, da sie nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch langfristig Energiekosten senken und eine hohe Wohnqualität gewährleisten.
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3. Flexible Wohnkonzepte
Die Anforderungen an Wohnraum ändern sich. Während Homeoffice und Remote-Work das Arbeiten von zu Hause aus zur Norm gemacht haben, wächst die Nachfrage nach flexiblen Raumlösungen. Immobilien, die Mehrzweckräume oder Gemeinschaftsbereiche bieten, gewinnen an Attraktivität. In modernen Quartieren entstehen häufig Gebäude mit Co-Living- und Co-Working-Bereichen, die vorwiegend junge Berufstätige und Studierende ansprechen.
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4. Demografischer Wandel
Die Gesellschaft wird älter und das wirkt sich natürlich auch auf die Immobiliennachfrage aus. Barrierefreie Wohnungen und altersgerechte Wohnkonzepte werden immer wichtiger. Gleichzeitig gibt es einen wachsenden Bedarf an Pflegeimmobilien und generationenübergreifenden Wohnmodellen.
In München und dem Landkreis wird auf diese demografischen Veränderungen mit der Initiative „Gemeinsam bauen und wohnen“ reagiert. Dieses Projekt fördert gemeinschaftsorientierte Wohnanlagen, in denen Menschen aller Altersgruppen zusammenleben und einander unterstützen. Solche Wohnformen ermöglichen älteren Menschen, in einer aktiven Hausgemeinschaft zu leben und bei Bedarf auf nachbarschaftliche Hilfe zurückzugreifen.
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5. Digitalisierung
Smarte Technologien verändern die Art und Weise, wie wir wohnen. Smart-Home-Systeme, die Komfort und Sicherheit erhöhen, sind inzwischen kein Luxus mehr, sondern zunehmend Standard. Außerdem macht die Digitalisierung den Immobilienhandel effizienter – von der virtuellen Besichtigung bis hin zur Nutzung von Blockchain für transparente Transaktionen.
Was sollten Kunden bei der Auswahl eines Immobilienmaklers beachten?
Rogers: Wer einen Immobilienmakler sucht, sollte immer auf Fachleute setzen, die sich auf eine bestimmte Region spezialisiert haben. Nur durch jahrelange Erfahrung und Ortskenntnisse lernen Makler, wie der regionale Markt tickt und können so wertvolle Kontakte knüpfen. So haben potenzielle Kunden mitunter exklusiven Zugriff auf besonders begehrte Immobilien oder können bei den Preisverhandlungen von guten Maklerkontakten profitieren.
Ferner spielen natürlich noch viele weitere Faktoren eine Rolle bei der Maklerwahl. Dazu gehören Qualifikationen und Zertifizierungen ebenso wie ein transparentes Vorgehen und positive Kundenbewertungen. Ein guter Makler nimmt sich Zeit für die individuellen Bedürfnisse seiner Kunden und bietet einen möglichst umfassenden Service. Gute Makler helfen Verkäufern zum Beispiel von der Immobilienbewertung über die Erstellung eines Exposés und die Vermarktung der Immobilie bis hin zur Koordination von Besichtigungsterminen, Preisverhandlungen und der Schlüsselübergabe.
Für potenzielle Käufer sollten Makler in einem Erstgespräch den Bedarf ermitteln. Auf Basis der Wünsche des Kunden sucht der Makler passende Objekte heraus, begleitet den Kunden zu Besichtigungsterminen und steht ihm bei allen Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Wir gehen hier noch einen Schritt weiter und stellen unseren Kunden auch eine detaillierte Beratung rund um die Baufinanzierung zur Verfügung. So erhalten potenzielle Immobilienkäufer alle wichtigen Leistungen aus einer Hand.
Welche Qualifikationen oder Zertifizierungen sind ein Hinweis auf einen kompetenten Makler?
Rogers: Zertifizierungen wie die Mitgliedschaft im Bundesverband für die Immobilienwirtschaft (BVFI), Immobilienverband Deutschland (IVD) oder Weiterbildungen im Immobilienbereich sind gute Indikatoren. Auch Auszeichnungen und langjährige Erfahrung sprechen für die Kompetenz eines Maklers.
Sie haben es bereits angesprochen. Aber jetzt noch einmal Hand aufs Herz: Wie wichtig sind regionale Marktkenntnisse für einen Immobilienmakler?
Rogers: Regionale Marktkenntnisse sind essenziell, da das berühmte „Netzwerken“ im Immobilienbereich vorwiegend lokal begrenzt funktioniert. Hat ein Immobilienmakler erst einmal ein Netzwerk aus relevanten Personen in der Region aufgebaut, können Kunden von vielen Vorteilen profitieren: Exklusive Immobilien, eine exakte Preisgestaltung unter Einbeziehung regionaler Besonderheiten und eine besondere Kenntnis der jeweiligen Mikrolagen, um Kundenbedürfnisse optimal adressieren zu können.
Welche Fragen sollten Kunden einem potenziellen Makler stellen, bevor sie ihn beauftragen?
Rogers: Potenzielle Verkäufer sollten nach der Erfahrung des Maklers, der geplanten Vermarktungsstrategie und den anfallenden Kosten fragen. Auch die Frage nach Referenzen kann hilfreich sein, um die Arbeitsweise besser einschätzen zu können. Potenzielle Käufer können sich hingegen durch Referenzen ein gutes Bild machen und in einem Erstgespräch prüfen, wie gut die eigenen Bedürfnisse tatsächlich erfasst werden. Letztlich sollten Kunden jedoch auch teilweise ihrem Bauchgefühl vertrauen. Das bedeutet: Die Chemie muss stimmen.
Welche Rolle spielen Online-Bewertungen und Referenzen bei der Wahl eines Maklers?
Rogers: Online-Bewertungen und Referenzen bieten einen Einblick in die Erfahrungen anderer Kunden und können bei der Entscheidungsfindung helfen. Es ist jedoch wichtig, diese kritisch zu betrachten: Einzelne Ausreißer bieten im Normalfall keine ausreichende Aussagekraft. Ein allgemeines Meinungsbild aus einer Vielzahl von Bewertungen kann hingegen erste Anhaltspunkte liefern. Grundsätzlich gilt jedoch: Im Zweifel sollten Interessenten das persönliche Gespräch mit der Fachperson suchen.
Wie wichtig ist moderne Technik heute im Maklergeschäft?
Rogers: Moderne Technik hat das Maklergeschäft revolutioniert und bietet sowohl Maklern als auch Kunden enorme Vorteile. Virtuelle Besichtigungen ermöglichen es potenziellen Käufern oder Mietern, Immobilien bequem von zu Hause aus zu erkunden. Mithilfe moderner 3D-Kameras können detailgetreue Aufnahmen erstellt werden, die einen realistischen Eindruck der Immobilie vermitteln. Dies spart Zeit und erleichtert die Entscheidungsfindung, insbesondere für Kunden, die aus einer anderen Stadt oder sogar aus dem Ausland kommen.
Plattformen wie Immobilienportale, Social Media und professionelle Websites sind essenziell, um Immobilien einer breiten Zielgruppe zugänglich zu machen. Mit präzisem Targeting können wir potenzielle Käufer oder Mieter gezielt ansprechen und den Erfolg unserer Marketingmaßnahmen steigern.
Mithilfe von Big Data und KI-gestützten Tools können Makler fundierte Marktanalysen durchführen. Diese Technologien helfen dabei, den optimalen Verkaufspreis zu ermitteln, Zielgruppen besser zu verstehen und Trends frühzeitig zu erkennen.
Moderne Technik ist damit heute im Maklergeschäft nicht nur ein Wettbewerbsvorteil, sondern eine Notwendigkeit. Sie optimiert Abläufe, erhöht die Effizienz und bietet Kunden einen Mehrwert, indem sie den gesamten Prozess transparenter und zugänglicher macht. Wir nutzen diese Technologien ebenfalls, um unseren Kunden ein modernes und bequemes Erlebnis zu bieten.
Frau Rogers, wir danken Ihnen für das Gespräch!