Medizinbranche im Umbruch-Telemedizin – Entwicklung und Möglichkeiten

Die Digitalisierung birgt auch für das Gesundheitswesen ein großes Potenzial. Die sogenannte Telemedizin ist seit der Corona-Krise im Aufschwung. Sie bringt Patienten und Ärzte mithilfe moderner Technik zusammen und spart dadurch Zeit auf beiden Seiten.

Diese Vorteile bietet die Telemedizin

Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit dem Thema Telemedizin und tragen dazu bei, Anfahrtswege zu verringern und zugleich die Schwelle des Arztbesuches niedriger ausfallen zu lassen. Auch Menschen, die gerade keinen festen Hausarzt haben und sich schwertun, einen passenden in ihrer Gegend zu finden, können von dem Angebot profitieren und Zugang zu einer wichtigen medizinischen Beratung erlangen. Die Unternehmen bieten dafür die notwendigen Videoplattformen. Denn diese müssen besondere Datenschutzanforderungen erfüllen.

Online-Sprechstunden kommen nicht nur dem Patienten zugute. Sie sind zugleich ein Weg, das überlastete Gesundheitssystem zu unterstützen. Denn die Telemedizin erlaubt es, dass auch alte oder in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen ein erstes Gespräch mit dem Facharzt wahrnehmen können, auch wenn es in ihrer eigenen Stadt oder in ihrem Dorf keinen gibt. Das spart lange Wege und gleicht die Probleme in der Infrastruktur zumindest ein wenig aus. Gerade auf dem Land gibt es einen großen Mangel an Ärzten. Da anzunehmen ist, dass die Zahl der niedergelassenen Mediziner weiter sinken wird, sind neue Wege der Kommunikation zwischen Arzt und Patient von großer Bedeutung.

Mehr Flexibilität und kaum Wartezeiten

Steht die technische Infrastruktur einmal, kann die Sprechstunde zu nahezu jedem Zeitpunkt stattfinden. Das bietet eine enorme Flexibilität für Patient und Arzt. Zugleich entfallen in der Regel die oft sehr langen Wartezeiten. Wird ein Termin vereinbart und dieser verschiebt sich, weil der Arzt noch anderweitig beschäftigt ist, kann sich der Patient in der Zwischenzeit um andere Dinge kümmern. Denn er befindet sich in seinen eigenen vier Wänden.

Welche Arten der Telemedizin gibt es?

Beim Thema Telemedizin denken die meisten Menschen wahrscheinlich an die Online-Sprechstunde zwischen Arzt und Patient. Erfahrene Ärzte, Mediziner und medizinische Beiräte bieten in digitalen Sprechstunden ärztliche Beratung. Unter den Begriff der Telemedizin fallen aber noch weitere Angebote wie zum Beispiel sogenannte Zweitmeinungsportale. Hier geht es einzig und allein darum, eine zweite Meinung von einem Mediziner einzuholen. Wenn beispielsweise ein Problem mit dem Gebiss vorliegt, können Patienten dort mit einem anderen Zahnarzt, Kieferorthopäden oder Kieferchirurg sprechen, bevor sie eine langwierige Behandlung auf sich nehmen.

Darüber hinaus nutzen auch Ärzte untereinander die moderne Technik, um sich auszutauschen. Solche Videokonferenzen gehören also ebenfalls zur Telemedizin.

Unter dem sogenannten Telemonitoring versteht man die digitale Überwachung von chronisch kranken Patienten. Dabei geht es nicht primär um die Übertragung eines Videobildes, sondern eher um digitale Messgeräte, die beispielsweise Veränderungen in der Herzfrequenz melden.

Die Entwicklung der Telemedizin

Tatsächlich sind Angebote wie die Videosprechstunde erst seit Juni 2018 erlaubt. Das galt zumindest für Patienten, die sich dem Arzt noch nie persönlich vorgestellt hatten. Doch gerade bei Fachärzten ist das häufig der Fall und Termine sind je nach Fachbereich schwer zu bekommen. Dabei soll die Telemedizin nach wie vor nicht die persönliche Behandlung ersetzen, sondern sie sinnvoll ergänzen. So eignet sie sich die Online-Sprechstunde beispielsweise für eine erste Beratung oder um ein Rezept zu verschreiben.

Ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung der Telemedizin ist mit Sicherheit die elektronische Patientenakte. Diese muss von den Krankenkassen seit Januar 2021 angeboten werden. Darin können medizinische Befunde abgespeichert und somit leichter ausgetauscht werden. Infolgedessen soll das zeitraubende Hin- und Herschicken von Akten bald der Vergangenheit angehören.

Corona-Pandemie hat Telemedizin vorangetrieben

Im Zuge der Corona-Pandemie boten auch immer mehr Hausärzte und Fachärzte eine Videosprechstunde an. Dadurch ließ sich das Infektionsrisiko enorm senken, was gerade bei Patienten aus der Risikogruppe wichtig war. Doch auch andere Patienten waren froh über die Alternative und nahmen das Angebot rege an. Tatsächlich sprachen Millionen von Deutschen auf digitalem Weg mit einem Arzt. Auch wenn sich die Situation mittlerweile ein bisschen entspannt hat, scheint sich die Online-Sprechstunde etabliert zu haben und in vielen Arztpraxen zum festen Bestandteil geworden zu sein.

Wie Fake-Testseiten die Stiftung Warentest kopieren

Die Stiftung Warentest existiert schon seit 1964. Sie wird aus Steuermitteln gefördert und besitzt den staatlichen Auftrag vom Bundesministerium für Wirtschaft, Waren und Dienstleistungen verschiedener Anbieter unabhängig und neutral zu vergleichen. Gute Bewertungen eines Produktes treiben den Umsatz in die Höhe, schlechte dagegen können zu Absatzeinbrüchen führen.

Mit dem Aufkommen des Online-Shoppings sind Produktbewertungen in den Fokus gerückt. Kundenrezensionen und Tests beeinflussen das Kaufverhalten entscheidend. Daher kommt es dazu, dass sich immer mehr Anbieter von Warentests auf dem Markt etablieren möchten. Viele davon arbeiten nicht unabhängig, nehmen propagandistische Züge an und gleichen einer Produktwerbung. Die Tests ähneln denen der Stiftung, ohne dass ein aufwendiges Testprogramm durchgeführt wird. Wie lassen sich solche gefakten Tests erkennen?

Wie arbeitet die Stiftung Warentest?

Laut den Experten von testbericht.de informiert die Stiftung Verbraucher über Produkte und fördert deren wirtschaftliche Haushaltsführung sowie ein gesundheits- und umweltbewusstes Verhalten. 80 % der Verbraucher geben an, der staatlichen Stiftung zu vertrauen. Um die Testberichte anzufertigen, wurde ein aufwendiges Prozedere entwickelt, das sich aus fünf Schritten zusammensetzt:

Testidee

Um eine Testidee zu entwickeln, werden den Lesern der Publikationen der Stiftung regelmäßig Fragebögen zugeschickt, um die für die Verbraucher interessanten Untersuchungen zu ermitteln. Zudem beobachten unabhängige Marktforscher aktuelle Innovationen und Produkteinführungen. Projektleiter haben aktuelle Trends und Gesetzesänderungen auf dem Schirm. Ein unabhängiges Kuratorium beschließt, welche Produkte in die Testphase gelangen. Hersteller und Anbieter sind von der Themenfindung ausgeschlossen.

Testplanung

Nun werden die vom Kuratorium zugelassenen Tests von unabhängigen Wissenschaftlern, Marktanalytikern und Redakteuren geplant. Es wird ein sogenanntes Testdesign angelegt, das transparent auf der jeweiligen Testseite erklärt wird.

Einkauf der Produkte

Für den Einkauf der Produkte werden in der ganzen Republik anonyme Einkäufer losgeschickt, die die Produkte wie gewöhnliche Verbraucher erwerben. Auf kostenlose Prüfmuster wird dabei verzichtet. Die Produkte werden bar oder mit Kreditkarten bezahlt, die sich nicht zur Stiftung zurückverfolgen lassen.

Unabhängige Prüfinstitute

Die Produkte werden nun in unabhängigen und geheimen Prüfinstituten getestet. So können die Institute arbeiten, ohne dass die Anbieter oder Hersteller Einfluss nehmen. Die Ergebnisse unterliegen dann der Bewertung von Wissenschaftlern der Stiftung, die die Produkte von „sehr gut? bis „mangelhaft? einordnen.

Veröffentlichung

Die Ergebnisse werden von etwa 50 Redakteuren mit Texten versehen und in den Heften test und finanztest veröffentlicht. Außerdem werden die Resultate auf test.de publiziert.

So werden Fake-Tests verfasst

Das Internet strotzt nur so von gefakten Tests. Das ergab eine Untersuchung von testbericht.de. Dabei wurden 100 Suchanfragen auf Google verfasst, von denen auf 94 der angezeigten ersten Suchergebnisseiten mindestens ein Fake-Test gelistet wurde. Knapp 35 % aller Suchergebnisse auf der ersten Google-Seite führten zu Fake-Testseiten.
Als Fakes wurden Seiten eingeordnet, die die Produkte nicht selbst einer Prüfung unterzogen hatten und darauf nur im Kleingedruckten verweisen. Viele Anbieter veröffentlichen Tests auf dem ausschließlichen Fundament einer Internet-Recherche oder den technischen Angaben der Produkte. Andere wiederum machen falsche Angaben über die Redakteure oder erfinden einfach welche. Am einfachsten machen es sich die Anbieter, deren Testergebnis sich ausschließlich auf die Auswertung von Kundenrezensionen stützt.

So sind Fake-Tests zu erkennen

Ärgerlich wird es, wenn Produkte angepriesen werden, die sich im Alltagsgebrauch als untauglich erweisen. Wenn dann noch die Gefahr für Unfälle besteht, nimmt ein solches Vorgehen bei Produkten wie Fritteusen, Motorrädern oder Kinderstühlen fahrlässige bis kriminelle Züge an. Folgende Indizien weisen auf einen Fake-Test hin:

  • Alle getesteten Produkte erhalten sehr gute bis gute Bewertungen.
  • Ein deutlich markierter Link führt zu einem Online-Shop. Kauft der Kunde bei diesem ein Produkt, erhält der Anbieter der Testseite eine Provision.
  • Die verwendeten Fotos des Tests sind von der Webseite des Anbieters kopiert.
  • Der Begriff „Testsieger? ist rechtlich geschützt. Daher verwenden Anbieter dubioser Seiten umschreibende Bezeichnungen wie „Vergleichssieger“ oder ähnliche Redewendungen.
  • Wenn die Testbeschreibung fehlt, kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Betreiber der verantwortlichen Testseite das Produkt nie in der Hand gehalten haben.
  • Fehlt das Impressum, sollte der Seite mit Argwohn begegnet werden. Auch bei solchen Seiten, auf denen das Impressum auf entfernte Regionen wie die Karibik oder Südostasien verweist, ist Misstrauen angebracht.

Fake-Bewertungen – mit diesen Tricks werden Rezensionen beeinflusst

In engem Zusammenhang mit Fake-Testseiten stehen gefälschte oder manipulierte Kundenrezensionen. Auch diese versuchen, auf nebulöse Art und Weise, die Kunden zu beeinflussen und zu einem Kauf zu bewegen.
Stiftung Warentest trat als Kunde oder Vertreter eines Online-Shops mit verdächtigen Webseiten in Verbindung. Es stellte sich heraus, dass auf den folgenden Wegen gefakte Bewertungen entstehen:

5 Sterne gekauft

Besonders offensiv gehen dabei Webseiten und -portale vor, deren Geschäftsidee darin besteht, Web-Kritiken zu verkaufen. Sie bieten Rezensionen mit 4 oder 5 Sternen an, deren Inhalt sich von einer echten Rezension kaum unterscheiden lässt.
In der Regel muss der Kunde etwa 10 Euro pro Bewertung berappen. Die Portale geben den Käufern den Ratschlag mit auf den Weg, höchstens drei Bewertungen pro Woche einzupflegen, damit der für fingierte Rezensionen verantwortliche Google-Algorithmus nicht aufmerksam wird.

Sterne erzwingen

Ein anderer Test der Stiftung bestand darin, Produkte von verschiedenen Anbietern ausschließlich mit 3 Sternen zu bewerten. Etwa ein Viertel der Online-Shops war mit einer solchen Rezension nicht einverstanden und meldeten sich umgehend. Dabei wurde zum einen angedroht, alle Bewertungen, die schlechter als 4 Sterne ausfallen, einfach zu entfernen.
Andere verfielen in einen bittenden Tonfall, da die Rezension das „Produkt ? extrem schädigen“ würde, weshalb nur eine 5-Sterne-Bewertung berücksichtigt werden würde. Wiederum andere Anbieter boten an, das gekaufte Produkt kostenlos abzugeben, wenn sich die Bewertung auf 4 oder 5 Sterne erhöhen würde. Alle Reaktionen hatten das Ziel, den Kunden so zu beeinflussen, dass er die Bewertung verbessert.

Gute Rezensionen erfinden

Viele Bewertungsagenturen arbeiten ausschließlich mit Fotos. So wird den Kunden einige oder mehrere Abbildungen beispielsweise eines Schuhes hochgeladen. Der Kunde sollte anhand dieser Bilder positive Aussagen über Polsterung, den Tragekomfort oder die Verarbeitungsqualität des Produktes treffen.

Druck aufbauen

Andere Agenturen lassen bei einer Rezension, die weniger als 4 Sterne enthält, automatisch eine Nachricht in roter Schrift auf dem Bildschirm blinken. Diese fragt nach, ob diese Bewertung tatsächlich der Wahrheit entspreche. Rezensenten, die einen Gegenwert für ihre Bewertung erhalten, schönen die Kritik in der Regel, um die „Bezahlung“ nicht zu riskieren.

Hochjubeln

Hauptsächlich bei Amazon kann eine Rezension damit verbunden sein, dass der Rezensent gebeten wird, eine vorhandene Bewertung für andere Produkte als „nützlich“ zu markieren. Diese Bewertungen lässt der Großanbieter in seine Sterneberechnung mit einfließen.

Für diesen Dienst werden zusätzliche Bonuspunkte angeboten, sodass sich der Rezensierende in den meisten Fällen den Wünschen beugt und andere Produkte, ohne sie zu kennen, geschweige denn angefasst zu haben, zu einer besseren Bewertung verhilft.

Wie funktioniert das E-Rezept?

Im Gesundheitswesen kommt die Digitalisierung langsam an. Den ersten Schritt machte die Online-Terminvereinbarung, die oft über Doctolib funktioniert. Vermehrt bieten Ärzte heute auch Videosprechstunden an. Zum 01. September startete nun das E-Rezept, wenngleich mit Einschränkungen. Es läuft weiterhin ein Pilotprojekt, dem sich nur einige Krankenkassenbezirke angeschlossen haben. Aber was steckt hinter dem E-Rezept und wie funktioniert das? Müssen Patienten diesbezüglich etwas beachten? Dieser Artikel zeigt die wichtigsten Regelungen genauer auf.

Was ist das E-Rezept?

Grundsätzlich soll das E-Rezept das Papierrezept auf Sicht ersetzen. »E« steht dabei für »elektronisch«. Gesetzlich Versicherte sollen die Möglichkeit erhalten, Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente auf dem elektronischen Weg abzurufen. Es gilt:

  • Erstellung – das Rezept wird nicht länger ausgedruckt, sondern rein in elektronischer Form erstellt.
  • Signatur – auch sie wird elektronisch durchgeführt.
  • Rezeptcode – der Patient erhält einen speziellen Code, den er der Apotheke direkt via Smartphone oder notfalls ausgedruckt vorlegen kann.

Der Zugang ist datenschutzkonform und sicher. Ganz so einfach ist der Erhalt des Rezeptes in elektronischer Form ohnehin nicht, denn Patienten benötigen eine E-Rezept-App, die auf dem Smartphone installiert werden muss. Dafür kann das neue Rezept auch bequem in Online-Apotheken eingelöst werden, denn auch diese arbeiten mit dem Code.

Ab kommendem Jahr soll der Umweg über die spezielle App entfallen. Die elektronische Gesundheitskarte, wohl eher bekannt als Krankenkassenkarte, dient dann als Brücke zwischen Arzt und Apotheke. Ärzte hinterlegen das Rezept also künftig direkt auf der Gesundheitskarte, die der Apotheke nur noch vorgelegt werden muss.

Wie funktioniert das E-Rezept?

Grundsätzlich ist die Funktionsweise des E-Rezeptes recht simpel. Der Arzt stellt das Rezept nicht mehr in Papierform aus, sondern er nutzt ein spezielles Programm, um es virtuell anzufertigen. Statt des rosafarbenen Zettels erhält der Patient nun einen Code, der in einen QR-Code eingebettet ist. Diesen liest die Apotheke aus, weiß, welche Medikamente verschrieben wurden und händigt sie dem Patienten aus.

Das ist jedoch nur eine grobe Erklärung. Gesundheitliche Belange unterliegen einem strengen Datenschutz, da sichergestellt werden muss, dass Medikamentenverschreibungen nicht in die falschen Hände geraten. Würde dies geschehen, ließe sich anhand der Medikamente leicht feststellen, unter welchen Krankheiten ein Bürger leidet. Aber wie funktioniert das Rezept nun tatsächlich?

Hier ein Überblick über die wichtigsten Schritte und die dazugehörigen Regelungen:

  • Bestellung – Patienten bestellen ihre Medikamente wie gewöhnlich bei ihrem Arzt. Das kann über eine Videosprechstunde, während der gewöhnlichen Sprechstunde oder bei Dauermedikationen via Telefon, E-Mail oder den von der Praxis angebotenen Möglichkeiten geschehen.
  • Erstellung – der Arzt fertigt das Rezept nun an. Statt des üblichen Papierrezepts, auf dem gut leserlich Adressdaten, Praxis und natürlich die Medikamente stehen, erhält der Patient nur noch einen bloßen Code in QR-Form. In diesem Code sind all die Details hinterlegt, die üblicherweise auch auf dem Papierrezept stehen: Medikament oder Wirkstoff, Stärke, Packungsgröße, Zusatzinformationen.
  • Abholung – das Rezept kann in der Praxis abgeholt werden, der Code lässt sich auch ausdrucken. Die Idee hinter dem E-Rezept ist jedoch, mit der E-Rezept-App zu arbeiten, sich dort zu registrieren und das Rezept direkt in die App einzulesen. Ab dem kommenden Jahr soll dieser Schritt auf Patientenwunsch entfallen. Wer es möchte, kann sich Rezepte als E-Rezept direkt auf seiner Krankenkassenkarte speichern lassen.
  • Einlösen – in der örtlichen Apotheke wird nur noch das Rezept in der App oder der Ausdruck vorgezeigt. Alle weiteren Schritte sind identisch mit der Medikamentenabholung mit Papierrezepten. Liefermöglichkeiten oder Online-Apotheken werden ähnlich behandelt. Sie erhalten einen Scan des E-Rezeptes (auch Screenshot aus der App) und dürfen nun die verschreibungspflichtigen Medikamente ausliefern.

Aktuell befindet sich das E-Rezept noch in der ersten Auslieferungsphase. Nur einige Krankenkassenbezirke, beispielsweise Westfalen-Lippe, nehmen an dieser Phase teil. Nach und nach werden die Bezirke vergrößert, bis ganz Deutschland abgedeckt ist.

Allerdings heißt es für Bewohner des Westfalen-Lippe-Kreises nicht, dass sie überall ein E-Rezept erhalten. Arztpraxen benötigen eine spezielle Software und müssen digitalisiert sein. Haben diese ihre Praxis noch nicht modernisiert, darf natürlich weiterhin das Papierrezept ausgestellt werden. Eine ähnliche Vorgehensweise gilt für Apotheken, denn auch sie sind noch nicht flächendeckend auf das neue Rezept umgestellt. Die meisten Apotheken informieren über ein Hinweisschild, ob sie an der Rezeptform teilnehmen.

Sind E-Rezepte rechtlich zulässig?

Gesundheit und Digitalisierung – das ist eine besondere Streitfrage, denn die Digitalisierung birgt stets gewisse Gefahren. Insbesondere der Datenschutz steht im Zentrum, denn es besteht die Gefahr von Datenlecks. Versicherte könnten sich fragen, wen es interessiert, wenn ein Fremder erfährt, dass sie zum Arzt gehen. Datenlecks können aber für den Patienten von Nachteil sein, wenn empfindliche Daten in die falschen Hände geraten.

Einige Beispiele:

  • Versicherer – die Autoversicherung wird teurer oder gekündigt, weil der Versicherer über die geleckten Daten die Information erhält, dass der Versicherungsnehmer Medikamente gegen Nervenschäden einnimmt.
  • Arbeitgeber – es gibt gesundheitliche Themen, die Arbeitgeber eher nicht erfahren sollten. Beispiel psychische Krankheiten. Arbeitet der Arbeitnehmer seit Jahren beständig und ohne Komplikationen, weil er Psychopharmaka einnimmt, sollte dieser Punkt den Arbeitgeber nicht interessieren. Doch was ist, wenn er die geleakten Daten erhält und diesem Arbeitnehmer nun die Beförderung verweigert? Auch bei Bewerbungen könnten sich Arbeitgeber durchaus an den Daten bedienen.

Aus diesem Grund wurde lange überlegt und geprüft, wie ein E-Rezept rechtlich auf sicheren Standbeinen stehen kann. Bereits im Oktober 2020 ging das »Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in der Telematikinfrastruktur« an den Start. Seitdem wurde überlegt, getestet und geprüft. Doch erst im Mai 2022 konnte auf Grundlage der vorhandenen Testergebnisse eine Entscheidung erfolgen. Das Rollout wird stufenweise stattfinden, die erste Stufe hat im September begonnen.

Aber auf welche Faktoren musste beim E-Rezept gezielt geachtet werden?

  • Sicherheit – die Datensicherheit steht immer an oberster Stelle. Aus diesem Grund ist der Erhalt und die Nutzung der rein digitalen Version auch an Hürden geknüpft, die im nächsten Absatz erklärt werden.
  • Patientensicherheit – über das E-Rezept soll es möglich sein, Wechselwirkungen zwischen verschriebenen Medikamenten besser zu erkennen. Da alle Rezepte und Medikamente in der App oder auf der Gesundheitskarte hinterlegt sind, dürften Fälle, dass ein Facharzt unwissentlich ein Medikament verschreibt, welches eine Wechselwirkung mit einem weiteren Medikament hervorruft, seltener werden.
  • Fälschungssicher – das E-Rezept kann, zumindest nach aktuellem Stand, nicht gefälscht werden. Dies ist insbesondere bei speziellen Medikamenten, die auf dem Schwarzmarkt oder in der Drogenszene genutzt werden, sehr wichtig.

Natürlich soll das E-Rezept auch die zeitlichen Abläufe in einer Praxis und beim Patienten verbessern. Ist es nicht mehr notwendig, persönlich den Zettel abzuholen, wendet der Patient weniger Zeit auf und die Praxis kann sich um Patienten kümmern, die eine Behandlung benötigen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Aktuell sieht es noch so aus, dass nicht in ganz Deutschland ein elektronisches Rezept herausgegeben wird. Die erste Voraussetzung ist also, überhaupt in einem der Bezirke zu leben, die in die erste Rollout-Phase fallen. Weitere Voraussetzungen:

  • Praxen – sie müssen dementsprechend digitalisiert sein und die notwendigen Programme besitzen. Moderne Arztpraxen sind oft schon ausreichend ausgestattet. Ein Indiz kann sein, dass der Arzt auch Doctolib nutzt oder eine eigene Online-Terminvereinbarung aufgestellt hat. Anderenfalls hilft eine kurze Nachfrage.
  • Apotheken – um den Code zu lesen, benötigen Apotheken Lesegeräte und natürlich die notwendige Software. In den Regionen, die jetzt ans Netz gingen, ist das stets der Fall, aber auch deutschlandweit haben sich längst Apotheken vorbereitet. Die meisten Apotheken werben gezielt mit dem Hinweis, dass sie E-Rezepte annehmen. Bei Online-Apotheken gilt dasselbe.

Wer mit dem ausgedruckten Code arbeiten möchte, braucht als Patient keine besonderen Voraussetzungen zu erfüllen. Anders verhält es sich, wenn die App genutzt werden soll:

  • Herunterladen – die App »Das E-Rezept« muss auf dem Smartphone oder Tablet installiert werden. Das Smartphone muss NFC-fähig sein. Lässt sich mit dem Gerät selbst an der Supermarktkasse bezahlen, so erfüllt es die Voraussetzung. Alle modernen Smartphones sind NFC-fähig.
  • Verifizieren – damit das Rezept in die App kommt, muss sich der Patient anmelden und verifizieren. Das funktioniert ausschließlich über die neue, digitale Gesundheitskarte. Ob die eigene funktionsfähig ist, lässt sich an dem Wellenaufdruck (WLAN-Zeichen) erkennen. Zusätzlich muss der Patient bei der Krankenkasse eine PIN anfordern. Stellt die Krankenkasse selbst eine ePA-App zur Verfügung, so kann sich über diesen Zugang in der Rezept-App angemeldet werden.

Ist die Anmeldung erfolgt, lässt sich nun auf einen Blick sehen, welche Rezepte wann, von wem und über welche Medikamente ausgestellt wurden. Der notwendige Code zur Einlösung des Rezepts steht gleich in der App, sodass sie der Apotheke nur vorgezeigt werden muss. Einmal eingelöste Rezepte werden als »erledigt« markiert.

Wie steht es um die Sicherheit beim E-Rezept?

Das E-Rezept ist nach den heutigen Maßstäben sicher. Gerade über die App findet eine weitere Verifizierung des Patienten statt, denn das E-Rezept kann nur ein- und ausgelesen werden, wenn sich der Patient mit dem PIN seiner Gesundheitskarte identifiziert.

Natürlich sind Sicherheitslücken niemals vollkommen ausschließbar. Das gilt auch für die Umlegung auf die Gesundheitskarte, die schließlich als Rezeptbuch geführt werden soll. Aktuell ist das E-Rezept sicher und entspricht den Datenschutzrichtlinien, doch ob in zwei oder drei Jahren Hacker das System geknackt haben werden und nachgebessert werden muss, kann niemand ausschließen. Dies ist aber bei allen Lösungen der Fall.

Bringt das E-Rezept zusätzliche Kosten mit sich?

Nein. Das E-Rezept ist vollkommen kostenlos für den Patienten und ebenfalls nicht verpflichtend. Wer lieber das Papierrezept haben möchte, der kann dieses auch künftig weiter anfordern. Letztendlich spart das E-Rezept sogar Geld:

  • Zeit – muss ein Patient sein Rezept nicht mehr in der Praxis persönlich abholen, spart er zumindest Lebenszeit ein. Auch die Praxen sparen Arbeitszeit, denn die abholenden Patienten entfallen.
  • Geld – die wenigsten Menschen leben direkt neben ihrer Arztpraxis. Fahrtkosten fallen also im Regelfall an, teils gar Parkgebühren. Diese entfallen.

Zusammengefasst kann das E-Rezept also sogar dabei helfen, Geld zu sparen. Da es auch online einlösbar ist und sich für die Lieferdienste der Apotheken empfiehlt, ist die Zeitersparnis nicht zu vernachlässigen.

E-Rezept: Vor- und Nachteile im Überblick

Welche Vorteile und welche Nachteile bietet das E-Rezept in der Zusammenfassung?

Vorteile:

  • Simpel
  • Zeitersparnis auf allen Seiten
  • Kostenvorteil (entfallende Fahrwege)
  • Leicht und überall via Smartphone einlösbar.

Nachteile:

  • App erforderlich, sonst nur via Ausdruck
  • Aktuell noch nicht überall verfügbar
  • Für App: Neue Gesundheitskarte samt PIN notwendig

Welche Digitalisierungsschritte gibt es noch im Gesundheitswesen?

Mit der Termin-App Doctolib ist schon ein großer Schritt erfolgt. Teilnehmende Praxen erlauben es, die Termine gleich via Smartphone zu buchen. Ein anderes Thema hängt tatsächlich mit der elektronischen Gesundheitskarte zusammen, die auch nach Jahren noch nicht das bietet, was sie eigentlich bieten soll:

  • Patientendaten – eigentlich sollte die Gesundheitsdaten alle Patientendaten, unabhängig von den besuchten Ärzten, für alle Ärzte bieten. Das ist nicht der Fall.
  • Nachteil – da noch immer nicht alle Daten hinterlegt sind, müssen Patienten bei Arztwechseln oder Facharztbesuchen weiterhin mühsam alle Akten und Unterlagen zusammensuchen und mitnehmen. Die Gesundheitskarte sollte dies eigentlich verhindern.

Aber was ist das Problem? Ein Thema ist der Datenschutz, denn damit alle relevanten Gesundheitsdetails gespeichert und von fremden Ärzten abrufbar sind, müssen die Daten vollständig und sicher verschlüsselt werden. Es muss ausgeschlossen werden, dass Dritte diese Daten einsehen können.

Doch auch die Praxen stehen vor der Problematik, dass eine solche Lösung natürlich Software und die Digitalisierung voraussetzt. Gewiss sind viele Arztpraxen bereits hochmodern und digitalisieren sich, es gibt aber auch das genaue Gegenteil. Die Software ist jedoch die Voraussetzung, damit die Daten eingelesen und wieder abgerufen werden können.

Andere Digitalisierungsschritte sind fast schon normal: Krankenakten im Krankenhaus via Tablet, digitale Röntgenbilder und Unterlagen. Leider sind die Softwares nicht unbedingt kompatibel. Wer einmal bei einem CT war, weiß, dass die dem Patienten übergebene CD nicht unbedingt vom Haus- oder Facharzt gelesen werden kann.

Fazit – demnächst überall verfügbar

Aktuell ist das E-Rezept nur in einigen Kreisen verfügbar, doch wird es natürlich deutschlandweit ausgeweitet. Für viele Patienten wird das elektronische Rezept eine Erleichterung sein, denn gerade die Rezeptabholung bei Fachärzten ist häufig nicht mit den Arbeitszeiten vereinbar. Dennoch stellt das Rezept aktuell auch noch Anforderungen an den Patienten. Wird es schließlich mit der Gesundheitskarte kombiniert, wird die App-Anbindung wohl entfallen, dafür ist die PIN natürlich absolut notwendig.

Fachkräftemangel: Diese Branchen sind auf Arbeitnehmer aus dem Ausland angewiesen

„Deutschland gehen die Fachkräfte aus!“ „Arbeiterlosigkeit statt Arbeitslosigkeit!“ – solche und ähnliche Schlagzeilen lassen sich heute in den Medien immer wieder finden. Sie zeigen einen Trend auf, der aktuell dramatisch ist: 2021 gaben laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ca. zwei Drittel aller Unternehmen an, dass bei ihnen ein Mangel an Fachkräften besteht. Und es kommt noch schlimmer: In den nächsten Jahren gehen die Baby-Boomer in Rente, so dass dem Arbeitsmarkt noch deutlich weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen. Genau deshalb sind immer mehr Branchen heute auf Arbeitnehmer aus dem Ausland angewiesen. Doch wo ist diese Abhängigkeit besonders stark? Wir stellen einige Branchen mit ihren Fachkräfte-Problemen etwas genauer vor.

Gastronomie: Restaurants werden auch beim Personal international

Einer der Bereiche mit dem höchsten Anteil an ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist die Gastronomie. Ein Blick in die Küchen hiesiger Restaurants zeigt: Hier wird es international. So zeigen Statistiken, dass mehr als die Hälfte aller Köchinnen und Köche in Deutschland keinen deutschen Pass hat. Hier ist der Arbeitsmarkt also schon lange auf Hilfe von ausländischen Fachkräften angewiesen.

Pflege: Ausländische Fachkräfte sind nicht wegzudenken

Auch in der Pflege sind ausländische Fachkräfte fast schon obligatorisch. Dies gilt besonders für die 24 Stunden Pflege. „Auf entsprechende Stellen bewerben sich im Normalfall kaum heimische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dafür werden sie bei Fachkräften aus Osteuropa stark nachgefragt.“, erklärt Dennis Küffel, Gründer und Geschäftsführer von Pflegezuhause.info.

In Bezug auf die Gesamtbranche Altenpflege liegt der Anteil der ausländischen Mitarbeiter übrigens nicht so hoch wie gedacht. Laut Bundeagentur für Arbeit haben hier nur ca. 16% aller Beschäftigten keinen deutschen Pass. Mit zunehmenden Fachkräftemangel dürften sich die Gewichtungen in diesem Bereich jedoch weiter verschieben.

Exkurs: Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Seit März 2020 ist es für ausländische Fachkräfte (außerhalb der EU) einfacher, in Deutschland Fuß zu fassen und einer Beschäftigung nachzugehen. Somit werden nicht mehr nur Studienabschlüsse, sondern auch Berufsqualifikationen anerkannt werden. Wichtig ist dabei allerdings, dass die Qualifikation im Vergleich zu einer qualifizierten deutschen Berufsausbildung ist. Dies wird vor der Einreise geprüft. Darüber hinaus sind jedoch noch weitere Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Gute Deutschkenntnisse (mindestens B1)
  • Lebensunterhalt muss während der Jobsuche selbst verdient werden
  • Nachweis einer Unterkunft und einer Krankenversicherung
  • Der Job muss später mindestens 35 Wochenstunden umfassen, sozialversicherungspflichtig sein und die Liebenshaltung abdecken

Deutsche Unternehmen haben zudem die Möglichkeit, geeignete Kandidaten im Zuge des beschleunigten Fachkräfteverfahrens schneller anerkennen zu lassen. Dabei werden Visa sowie auch die berufliche Qualifikation zügiger geprüft.

Fleischindustrie: Ohne Hilfe aus dem Ausland steht alles still

Die Fleischindustrie musste in den letzten Jahren mit einigen Skandalen und negativer Presse kämpfen. Dies lag nicht zuletzt an den schlechten Arbeitsbedingungen in einigen Großbetrieben, die vor allem während der Corona-Krise zutage traten.

Dabei wurde jedoch auch klar: Ohne ausländische Arbeitskräfte stünde die Fleischindustrie still. Von den 31.500 Beschäftigten in diesem Bereich kamen 47% aus dem Ausland.

Die Gründe dafür sind sicherlich vielschichtig. Hier zwei Erklärungsansätze:

  • Löhne: Der Konkurrenzkampf in der Branche ist sehr hoch. Aus diesem Grund zahlen die Betriebe oft nur den Mindestlohn oder knapp darüber.
  • Arbeitsbedingungen: Die Arbeit in einer Fleischfabrik (schwere Körperliche Arbeit, Schichtbetrieb) gilt als sehr hart. In Verbindung mit den eher niedrigen Löhnen sind Job in diesem Bereich nicht sonderlich attraktiv. Für Arbeitnehmer aus Ländern mit niedrigeren Lebenshaltungskosten oder hoher Arbeitslosigkeit lohnt sich dies unter Umständen eher.

Durch die künftige Verknappung an Arbeitskräften in Deutschland dürfte sich der Arbeitsmarkt in dieser Branche weiter wandeln. Das bedeutet: Der Anteil ausländischer Mitarbeiter in der Fleischindustrie wird weiter ansteigen.

Reinigungskräfte: Fast 40% aller Fachkräften kommen aus dem Ausland

Auch die Reinigungsbranche ist in hohem Maße von Fachkräften aus dem Ausland abhängig. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit haben 37,4% der Beschäftigten in diesem Bereich keinen deutschen Pass. Auch hier lässt sich festhalten, dass es regelmäßig zu wenige Bewerber für die offenen Stellen gibt. Dabei bietet die Branche durchaus interessante Verdienstmöglichkeiten. Zuletzt ist der Branchenmindestlohn auf 13 Euro pro Stunde gestiegen – spürbar über den gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde.

Darüber hinaus haben sich die IG Bau sowie der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) auf folgende Regelungen geeinigt:

  • Weitere Erhöhung des Branchenmindestlohns zum 1. Januar 2024 auf 13,50 Euro pro Stunde
  • Erhöhung des Branchenmindestlohns für Fachkräfte sowie die Glas- und Fassadenreinigung zum 1. Oktober 2022 von aktuell 14,81 Euro auf 16,20 Euro und zum 1. Januar 2024 auf 16,70 Euro pro Stunde
  • Steigerung der Ausbildungsvergütung auf 900 Euro, 1.035 Euro und 1.100 Euro (je nach Lehrjahr) pro Monat

Baubranche: Subunternehmer stellen viele ausländische Beschäftigte ein

In der Baubranche liegt die Quote der Beschäftigten ohne deutschen Pass ebenfalls recht hoch. Hier ist allerdings zwischen den einzelnen Sektoren zu unterscheiden, wie die folgenden Zahlen zum Anteil ausländischer Beschäftigter an der Gesamtbelegschaft zeigen:

  • Hochbau: 49%
  • Aus- und Trockenbau: 48%
  • Fassadenbau: 47%
  • Und Stahlbetonbau: 43%

Die Branche hat in Bezug auf die Beschäftigung immer wieder mir Problemen zu kämpfen. Dazu gehören:

1. Schwarzarbeit

Schwarzarbeit ist ein großes Problem in der Baubranche. Allein im Jahr 2019 wurden in Deutschland über 10.500 Verfahren wegen Schwarzarbeit eingeleitet – ein Plus von 20% gegenüber dem Vorjahr. Dadurch entstand ein Schaden von insgesamt 364 Millionen Euro. Das Problem: Dem Staat entgehen dadurch Steuern und Sozialabgaben, die in den öffentlichen Haushalten fehlen.

Die Dunkelziffer dürfte jedoch noch viel höher liegen. Die Methoden der Verschleierung von Schwarzarbeit werden immer raffinierter. So existiert mittlerweile eine geschäftliche Infrastruktur für sogenannte „Abdeckrechnungen“. Entsprechende Service-Dienstleister stellen solche Rechnungen aus und zahlen den Rechnungsbetrag anschließend abzüglich einer Provision in bar an den Bauunternehmer zurück, der Arbeiter schwarz beschäftigt.

2. Ausbeutung

Eine weitere problematische Praxis liegt in der Ausbeutung von Flüchtlingen, die auf dem Bau für Hilfsarbeiten angeworben werden. Hier berichtet das Berliner Beratungszentrum für Migration und gute Arbeit von systematischem Lohnbetrug gegenüber Flüchtlingen. Das Vorgehen sieht folgendermaßen aus:

  1. Es werden Subunternehmen angeworben, die günstige Arbeitskräfte für Hilfsarbeiten suchen
  2. Die Arbeiter sind oft Flüchtlinge und werden nur für kurze Zeit angeworben
  3. Sie erhalten nur Teile ihres Lohns oder sogar gar keinen
  4. Nach kurzer werden die Mitarbeiter entlassen oder gehen von allein

Ein großes Problem liegt hier in der Tatsache, dass Flüchtlinge entweder ihre Rechte nicht kennen oder sich nicht trauen, diese durchzusetzen. Wer die Beratungsstelle kontaktiert, kann dabei jedoch mit Hilfe rechnen. Die dortigen Mitarbeiter:innen kontaktieren die Arbeitgeber, die daraufhin meist bereitwillig zahlen.

Berufskraftfahrer:innen: Immer mehr ausländische Beschäftigte

Mit 23,4% liegt der Anteil ausländischer Arbeitnehmer im Bereich der Berufskraftfahrer:innen ebenfalls recht hoch. Und die Tendenz dürfte hier stark steigend ausfallen. Der Grund dafür: Die Branche leidet unter eklatantem Personalmangel. So können jährlich nur ca. 27.000 neue Beschäftigte gewonnen werden. Da jedoch im Durchschnitt 67.000 Berufskraftfahrer:innen das Rentenalter erreichen und ausscheiden, bleibt eine jährliche Lücke von 40.000.

Die Branche versucht, entsprechend gegenzusteuern. So schlagen die Spitzenverbände der deutschen Bus- und Straßengütertransportbranchen, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) e.V. und der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. vor, die Ausbildung zu vereinfachen, um dem Mangel entgegenzuwirken. Dabei stehen folgende Ideen im Raum:

  • Verkürzung der Ausbildung: Integration der Berufskraftfahrerqualifikation in die Fahrausbildung
  • unkomplizierte Prüfungen: Abnahme der erforderlichen Prüfungen durch zertifizierte Fahrschulen
  • Sprachbarrieren abbauen: Anerkennung relevanter Sprachen in der Ausbildung und Prüfung sowie Bereitstellung von Dolmetschern

Die Idee dahinter ist klar: Eine unkomplizierte Ausbildung und eine Abnahme der Prüfung in der jeweiligen Muttersprache der Auszubildenden könnte mehr ausländischen Fachkräfte anlocken. So ließe sich eventuell ein Teil der Personallücke schließen. Auch hier zeigt sich ganz klar: Die Branche wird sich weiter wandeln und mehr Arbeitnehmer ohne deutschen Pass beschäftigen als bisher.

Wo liegen grundsätzlich Hürden für ausländische Fachkräfte?

Der Blick in die Branchen zeigt sehr klar: Deutschland ist auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Trotz der Bemühungen um Talente klafft in vielen Branchen jedoch eine Lücke, die nicht leicht zu füllen ist. Doch worin liegen eigentlich die Hürden für Fachkräfte aus dem Ausland?

Hier die wichtigsten beiden Aspekte im Überblick:

  • Abschlüsse: Trotz des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes gibt es immer noch Probleme bei der Anerkennung von fachlichen Berufsabschlüssen. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass die duale Ausbildung in Deutschland in dieser Form weltweit einzigartig ist. Ausländische Fachkräfte haben somit gar nicht die Möglichkeit, einen gleichwertigen Abschluss vorzulegen. Da jedoch eine Novellierung des Gesetzes geplant ist, könnte diese Hürde bald fallen.
  • Bürokratie: Aktuell dauern die Verfahren für die Einwanderung und Anerkennung von Abschlüssen noch zu lang. Dies liegt auch an der mangelnden Zusammenarbeit der einzelnen Behörden. Auch hieran möchte die Bundesregierung arbeiten und beispielsweise die Anerkennung von Abschlüssen nach der Einreise vornehmen. Währenddessen könnten die Fachkräfte schon arbeiten und gleichzeitig eventuelle Qualifikationen nachholen.

Ausländische Arbeitskräfte dürften künftig noch gefragter werden

Deutschland spürt mittlerweile den demografischen Wandel auch ganz deutlich auf dem Arbeitsmarkt. Durch den Renteneintritt geburtenstarker Jahrgänge dürfte sich der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren zudem noch verschärfen. Somit sind Fachkräfte aus dem Ausland eine der wenigen Möglichkeiten, mit denen sich die Lücken auf dem Arbeitsmarkt schließen lassen. Schon heute gibt es Branchen, die ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland nicht mehr funktionieren. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen und sollte von der Politik mitgestaltet werden. So lassen sich Wohlstandsverluste vermeiden und die wirtschaftliche Zukunft gestalten.