Die Stiftung Warentest existiert schon seit 1964. Sie wird aus Steuermitteln gefördert und besitzt den staatlichen Auftrag vom Bundesministerium für Wirtschaft, Waren und Dienstleistungen verschiedener Anbieter unabhängig und neutral zu vergleichen. Gute Bewertungen eines Produktes treiben den Umsatz in die Höhe, schlechte dagegen können zu Absatzeinbrüchen führen.
Mit dem Aufkommen des Online-Shoppings sind Produktbewertungen in den Fokus gerückt. Kundenrezensionen und Tests beeinflussen das Kaufverhalten entscheidend. Daher kommt es dazu, dass sich immer mehr Anbieter von Warentests auf dem Markt etablieren möchten. Viele davon arbeiten nicht unabhängig, nehmen propagandistische Züge an und gleichen einer Produktwerbung. Die Tests ähneln denen der Stiftung, ohne dass ein aufwendiges Testprogramm durchgeführt wird. Wie lassen sich solche gefakten Tests erkennen?
Wie arbeitet die Stiftung Warentest?
Laut den Experten von testbericht.de informiert die Stiftung Verbraucher über Produkte und fördert deren wirtschaftliche Haushaltsführung sowie ein gesundheits- und umweltbewusstes Verhalten. 80 % der Verbraucher geben an, der staatlichen Stiftung zu vertrauen. Um die Testberichte anzufertigen, wurde ein aufwendiges Prozedere entwickelt, das sich aus fünf Schritten zusammensetzt:
Testidee
Um eine Testidee zu entwickeln, werden den Lesern der Publikationen der Stiftung regelmäßig Fragebögen zugeschickt, um die für die Verbraucher interessanten Untersuchungen zu ermitteln. Zudem beobachten unabhängige Marktforscher aktuelle Innovationen und Produkteinführungen. Projektleiter haben aktuelle Trends und Gesetzesänderungen auf dem Schirm. Ein unabhängiges Kuratorium beschließt, welche Produkte in die Testphase gelangen. Hersteller und Anbieter sind von der Themenfindung ausgeschlossen.
Testplanung
Nun werden die vom Kuratorium zugelassenen Tests von unabhängigen Wissenschaftlern, Marktanalytikern und Redakteuren geplant. Es wird ein sogenanntes Testdesign angelegt, das transparent auf der jeweiligen Testseite erklärt wird.
Einkauf der Produkte
Für den Einkauf der Produkte werden in der ganzen Republik anonyme Einkäufer losgeschickt, die die Produkte wie gewöhnliche Verbraucher erwerben. Auf kostenlose Prüfmuster wird dabei verzichtet. Die Produkte werden bar oder mit Kreditkarten bezahlt, die sich nicht zur Stiftung zurückverfolgen lassen.
Unabhängige Prüfinstitute
Die Produkte werden nun in unabhängigen und geheimen Prüfinstituten getestet. So können die Institute arbeiten, ohne dass die Anbieter oder Hersteller Einfluss nehmen. Die Ergebnisse unterliegen dann der Bewertung von Wissenschaftlern der Stiftung, die die Produkte von „sehr gut? bis „mangelhaft? einordnen.
Veröffentlichung
Die Ergebnisse werden von etwa 50 Redakteuren mit Texten versehen und in den Heften test und finanztest veröffentlicht. Außerdem werden die Resultate auf test.de publiziert.
So werden Fake-Tests verfasst
Das Internet strotzt nur so von gefakten Tests. Das ergab eine Untersuchung von testbericht.de. Dabei wurden 100 Suchanfragen auf Google verfasst, von denen auf 94 der angezeigten ersten Suchergebnisseiten mindestens ein Fake-Test gelistet wurde. Knapp 35 % aller Suchergebnisse auf der ersten Google-Seite führten zu Fake-Testseiten.
Als Fakes wurden Seiten eingeordnet, die die Produkte nicht selbst einer Prüfung unterzogen hatten und darauf nur im Kleingedruckten verweisen. Viele Anbieter veröffentlichen Tests auf dem ausschließlichen Fundament einer Internet-Recherche oder den technischen Angaben der Produkte. Andere wiederum machen falsche Angaben über die Redakteure oder erfinden einfach welche. Am einfachsten machen es sich die Anbieter, deren Testergebnis sich ausschließlich auf die Auswertung von Kundenrezensionen stützt.
So sind Fake-Tests zu erkennen
Ärgerlich wird es, wenn Produkte angepriesen werden, die sich im Alltagsgebrauch als untauglich erweisen. Wenn dann noch die Gefahr für Unfälle besteht, nimmt ein solches Vorgehen bei Produkten wie Fritteusen, Motorrädern oder Kinderstühlen fahrlässige bis kriminelle Züge an. Folgende Indizien weisen auf einen Fake-Test hin:
- Alle getesteten Produkte erhalten sehr gute bis gute Bewertungen.
- Ein deutlich markierter Link führt zu einem Online-Shop. Kauft der Kunde bei diesem ein Produkt, erhält der Anbieter der Testseite eine Provision.
- Die verwendeten Fotos des Tests sind von der Webseite des Anbieters kopiert.
- Der Begriff „Testsieger? ist rechtlich geschützt. Daher verwenden Anbieter dubioser Seiten umschreibende Bezeichnungen wie „Vergleichssieger“ oder ähnliche Redewendungen.
- Wenn die Testbeschreibung fehlt, kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Betreiber der verantwortlichen Testseite das Produkt nie in der Hand gehalten haben.
- Fehlt das Impressum, sollte der Seite mit Argwohn begegnet werden. Auch bei solchen Seiten, auf denen das Impressum auf entfernte Regionen wie die Karibik oder Südostasien verweist, ist Misstrauen angebracht.
Fake-Bewertungen – mit diesen Tricks werden Rezensionen beeinflusst
In engem Zusammenhang mit Fake-Testseiten stehen gefälschte oder manipulierte Kundenrezensionen. Auch diese versuchen, auf nebulöse Art und Weise, die Kunden zu beeinflussen und zu einem Kauf zu bewegen.
Stiftung Warentest trat als Kunde oder Vertreter eines Online-Shops mit verdächtigen Webseiten in Verbindung. Es stellte sich heraus, dass auf den folgenden Wegen gefakte Bewertungen entstehen:
5 Sterne gekauft
Besonders offensiv gehen dabei Webseiten und -portale vor, deren Geschäftsidee darin besteht, Web-Kritiken zu verkaufen. Sie bieten Rezensionen mit 4 oder 5 Sternen an, deren Inhalt sich von einer echten Rezension kaum unterscheiden lässt.
In der Regel muss der Kunde etwa 10 Euro pro Bewertung berappen. Die Portale geben den Käufern den Ratschlag mit auf den Weg, höchstens drei Bewertungen pro Woche einzupflegen, damit der für fingierte Rezensionen verantwortliche Google-Algorithmus nicht aufmerksam wird.
Sterne erzwingen
Ein anderer Test der Stiftung bestand darin, Produkte von verschiedenen Anbietern ausschließlich mit 3 Sternen zu bewerten. Etwa ein Viertel der Online-Shops war mit einer solchen Rezension nicht einverstanden und meldeten sich umgehend. Dabei wurde zum einen angedroht, alle Bewertungen, die schlechter als 4 Sterne ausfallen, einfach zu entfernen.
Andere verfielen in einen bittenden Tonfall, da die Rezension das „Produkt ? extrem schädigen“ würde, weshalb nur eine 5-Sterne-Bewertung berücksichtigt werden würde. Wiederum andere Anbieter boten an, das gekaufte Produkt kostenlos abzugeben, wenn sich die Bewertung auf 4 oder 5 Sterne erhöhen würde. Alle Reaktionen hatten das Ziel, den Kunden so zu beeinflussen, dass er die Bewertung verbessert.
Gute Rezensionen erfinden
Viele Bewertungsagenturen arbeiten ausschließlich mit Fotos. So wird den Kunden einige oder mehrere Abbildungen beispielsweise eines Schuhes hochgeladen. Der Kunde sollte anhand dieser Bilder positive Aussagen über Polsterung, den Tragekomfort oder die Verarbeitungsqualität des Produktes treffen.
Druck aufbauen
Andere Agenturen lassen bei einer Rezension, die weniger als 4 Sterne enthält, automatisch eine Nachricht in roter Schrift auf dem Bildschirm blinken. Diese fragt nach, ob diese Bewertung tatsächlich der Wahrheit entspreche. Rezensenten, die einen Gegenwert für ihre Bewertung erhalten, schönen die Kritik in der Regel, um die „Bezahlung“ nicht zu riskieren.
Hochjubeln
Hauptsächlich bei Amazon kann eine Rezension damit verbunden sein, dass der Rezensent gebeten wird, eine vorhandene Bewertung für andere Produkte als „nützlich“ zu markieren. Diese Bewertungen lässt der Großanbieter in seine Sterneberechnung mit einfließen.
Für diesen Dienst werden zusätzliche Bonuspunkte angeboten, sodass sich der Rezensierende in den meisten Fällen den Wünschen beugt und andere Produkte, ohne sie zu kennen, geschweige denn angefasst zu haben, zu einer besseren Bewertung verhilft.