Im Zuge der vergangenen Jahrzehnte hat sich die Art und Weise wie wir einkaufen und uns über das günstigste Angebot informieren, massiv gewandelt. Während es früher praktisch normal war, für den Kauf eines bestimmten Produktes in die Stadt zu fahren und den dort verlangten Preis zu akzeptieren, hat heutzutage jeder sein Smartphone in der Tasche und kann im Handumdrehen online die Preise vergleichen.
Zu einem existenzbedrohenden Problem wird das Ganze allerdings dann, wenn Geschäfte ausschließlich mit der Intention besucht werden, sich das Objekt der Begierde anzuschauen und sich umfassend beraten zu lassen, nur um anschließend im World Wide Web zu bestellen.
Da diese Vorgehensweise immer weiter zunimmt, denken nun stationäre Läden vermehrt darüber nach, Gebühren für die Beratung einzuführen. Bisher sind diese nur ganz vereinzelt anzutreffen und bewegen sich im Bereich von etwa zehn bis 50 Euro. Häufig werden die geforderten Gelder zudem beim Kauf verrechnet. Dadurch soll die Beratung und der damit verbundene Kauf wieder wie früher zusammengeführt werden.
Auch die Anbieter der Reisebranche haben mit Beratungsklau zu kämpfen
Neben den vielen Einzelhändlern ist der Beratungsdiebstahl bzw. -klau auch in der Reisebranche ein hitzig diskutiertes Thema. In den letzten Jahren sind Online-Reisebüros und Suchmaschinen für das günstigste Hotel oder die preiswerteste Ferienwohnung wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Die entsprechenden Seiten sind zwar einfach bedienbar, allerdings kann die Buchung eines umfassenden Urlaubs mit mehreren Transfers, Ausflügen und unterschiedlichen Unterkünften dennoch zur großen Herausforderung werden.
Deshalb suchen etliche Menschen das Reisebüro vor Ort auf, lassen sich alles durchplanen und buchen nachher die gesamte Reise günstig im Netz. Vereinzelt wurden deshalb hier ebenso schon Beratungsgebühren mit Verrechnungsoption eingeführt – mit mäßigem Erfolg.
„Wir sind es gewohnt, unsere Kunden genauso gut und umfassend zu beraten, wie das in einem herkömmlichen Reisebüro der Fall ist. Daher können wir den hinter der Einführung von Gebühren stehenden Ansatz zwar nachvollziehen, halten ihn aber nicht für zielführend“, so der Geschäftsführer Tobias Pellny von ferienhelden.de.
Experten sehen die Einführung von Beratungsgebühren in Läden kritisch
In diesen Tenor stimmen ebenfalls zahlreiche Experten ein. Wie nw.de berichtet, sagte Martin Bockler, seines Zeichens IHKN-Sprecher, kürzlich: „Der Kunde ist heutzutage auf allen Vertriebskanälen unterwegs und wechselt gerne zwischen ihnen hin und her.“ Gleichfalls betonte Bockler, dass sich der Beratungsklau inzwischen ohnehin relativiert habe, da der stationäre Handel immer mehr mit dem im Web verschmelze.
Die Gefahr bei der Einführung von Beratungsgebühren in Geschäften liege demnach vor allem darin, dass der Händler wertvolle Sympathiepunkte beim Kunden verspiele und dauerhaft seine Kaufkraft verliert.
Ein anderer Ansatz könnte indes sein, den Kunden tatsächlich da abzuholen, wo er gerade steht. Viele Personen sind selbst in der heutigen Zeit durchaus noch bereit, gute Beratung mit einem anschließenden Kauf zu honorieren. Allerdings – und auch das ist ein zu beobachtender Trend – nimmt in vielen Geschäften mangels geschultem Personal die Beratungsqualität immer weiter ab.