Achtsamkeitsmagazine und Ratgeber zur Selbstoptimierung erleben zur Zeit einen Boom. Wir wollen immer besser, schneller, gesünder und effizienter werden – in allen Lebensbereichen. Doch ist das sinnvoll? Und funktioniert es überhaupt?
… ist im Kern eine Übertragung des kapitalistischen Effizienzdenkens auf das Ich, auf den Körper, die Persönlichkeit, das Privatleben. Sie zielt darauf, jegliche Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, perfekt zu nutzen und alles zu verbannen, was uns als „fehlerhaft“ erscheinen mag.
Inzwischen gibt es unzählige Ratgeber und Schulungen, die einem beibringen wollen, wie man so perfekt wie möglich schläft – um am Tag maximal ausgeruht, fit und leistungsbereit zu sein. Die Vielzahl an Tipps, Tricks und Empfehlungen ist dabei kaum noch zu durchschauen…
Ähnlich ist es bei Entspannungsmomenten am Tag: Ob Yoga, Entspannungsübungen, autogenes Training, Power Napping: Vor der eigentlichen Entspannung kommt die Aneignung mal mehr, mal weniger sinnvoller Techniken, die darauf ausgerichtet sind, Entspannung zu optimieren – damit man hinterher leistungsfähiger ist.
Die freie Zeit einfach auf dem Sofa verpennen, ein gutes Buch lesen, einen langen Spaziergang machen? All sowas gilt vielen Selbstoptimierern als Zeitverschwendung – stattdessen wird die Freizeit zum Event-Parcours, bei dem man etwas erleben und gleichzeitig die Selbstoptimierung vorantreiben soll, etwa mit Sport oder mit anspruchsvollen Aufgaben, die man sich stellt. Und auch das zielt, man ahnt es schon, auf höhere Effizienz und Leistungsfähigkeit in allen Lebenslagen.
… ließe sich ewig fortsetzen. Die sich teils widersprechenden Regeln für gesunde Ernährung zum Beispiel sind ein Thema für jeden Selbstoptimierer, und sogar das Beziehungs- und Liebesleben lässt sich vermeintlich mit Ratgebern und Coachings perfektionieren.
… dass die meisten Selbstoptimierungs-Techniken nicht wissenschaftlich fundiert sind, das heißt: Es ist oft gar nicht klar, was und ob sie überhaupt etwas bringen. Ratgeber kann jeder schreiben. Zum anderen gibt es inzwischen so viele Tipps und Ratgeber zu diesen Themen, dass viele davon einander widersprechen, am Ende also vor allem Verwirrung stiften.
… ist, dass die Fixierung auf die Selbstoptimierung kontraproduktiv ist. Denn sie erzeugt einen enormen Erwartungsdruck, und dieser wiederum sorgt für Stress. Gerade wenn es um Entspannung oder guten Schlaf geht, führt das also genau zum Gegenteil: Wer sich selbst stresst schläft schlecht und kann kaum entspannen.
… kann es sinnvoll sein, etwas zu ändern, wenn man merkt, man ist unausgeglichen und Dinge funktionieren nicht so, wie sie sollten. Und natürlich darf man sich dabei auch Hilfe, zum Beispiel in Form von Coachings holen. Doch eine Fixierung darauf, ein Zwang, sich selbst immer weiter zu verbessern, führt in der Regel dazu, dass man sich stresst und hinterher alles noch schlechter funktioniert.