Die dunkle Jahreszeit kommt
Nun ist es wieder soweit: Man verlässt vor Sonnenaufgang das Haus und kehrt nach Sonnenuntergang wieder zurück. Was bei manchen Menschen ein deprimierendes Gefühl auslöst, lässt Einbrecherherzen höher schlagen. Die frühe Dunkelheit ist eine perfekte Ausgangssituation, um in ein Haus einzusteigen, denn die Bewohner arbeiten größtenteils bis in den späten Nachmittag, erledigen danach noch Einkäufe oder gehen ins Fitnessstudio. Sie sind spät zurück und das Haus steht eine lange Zeit unbeaufsichtigt im Dunklen.
Ein bei Dunkelheit sogar unbeleuchtetes Haus ist dann nicht nur eine Möglichkeit auf schnelle Beute, sondern eine verbindliche Einladung für kriminelle Shoppingtouren. Der Einbrecher hat im Dunkeln die Möglichkeit, sich leicht Zutritt zum Haus zu verschaffen. Dabei werden laut Kölner Studie der Polizei NRW Fenster und Fenstertüren gegenüber Hauseingangstüren bevorzugt. Das Öffnen gelingt häufig bei allen Typen mit einem Schraubenzieher. Ein gezieltes Ansetzen des Werkzeugs, dann ein Ruck und das Haus steht offen.
Im Inneren des Hauses wird mit einer Taschenlampe gezielt gesucht. Schränke, Kommoden, Schubladen, die Einbrecher kennen die Orte, an denen die Schätze des Hauses zu finden sind. Kleine, wertvolle Objekte, wie Schmuck und Bargeld, stehen besonders im Fokus, denn sie lassen sich leicht und unauffällig tragen. Nach einer viertel Stunde verlässt der Einbrecher wieder das Haus – unentdeckt und mit fetter Beute. Die Bewohner hingegen kommen in ihre vier vermeintlichen sicheren Wände, die nun Angst und Hilflosigkeit auslösen.
So einfach muss es nicht sein
Meistens nutzen Einbrecher einfach nur Gelegenheiten. Ein gekipptes Fenster und eine zugezogene Haustür bieten keinen Schutz vor Einbruch – ganz im Gegenteil. werden jedoch alle Fenster geschlossen und Haustüren nach dem Verlassen zusätzlich verriegelt, ist schon viel für mehr Sicherheit zu Hause getan. Selbst beim kurzen Verlassen des Hauses sollte man nicht nachlässig werden, denn auch nur eine zehnminütige Abwesenheit reicht geübten Einbrechern für einen lohnenden Beutezug aus.
Video: So einfach verschafft sich ein Einbrecher in wenigen Sekunden Zugang durch die Haustür.
Stehen nun Erneuerungen von Fenster und Türen an, sind diese die perfekte Gelegenheit, um hinsichtlich höherer Einbruchssicherheit aufzurüsten. Hausbesitzer sollten sich bei der Auswahl neuer Türen und Fenster vorab Informationen von Profis einholen.
Die führende Europäische Norm DIN EN 1627 bewertet unter anderem für Türen die Widerstandsklasse (WK), auch Resistance Class (RC) genannt. „Die Widerstandsklasse ist ein guter Anhaltspunkt, wenn Hausbesitzer umrüsten wollen“, sagt Robert Jacob, Geschäftsführer von deinetuer.de. Die Beratungsstellen der Polizei empfehlen, für Privathaushalte Türen der Widerstandsklasse 2 einzubauen.
Vor dem Umbau sollte man sich aber sehr ausführlich von Fachpersonal beraten lassen. Experten für Einbruchssicherheit erkennen die Schwachstellen jedes Gebäudes und können geeignete Schutzmaßnahmen empfehlen. Denn nicht nur die Türen und Fenster sind ausschlaggebend, auch die Einbauweise bietet unterschiedlichen Schutz vor kriminellen Eindringlingen.
Weitere Sicherheit bringen innovative technische Systeme für Wohnräume. In einem Smart Home lässt sich mit wenig Aufwand abschreckendes Licht in die dunklen Wohnräume bringen. Mehr Informationen hierzu sind in unserem Ratgeber: „6 aktuelle Smart- Home- Trends, die uns den Alltag erleichtern“ zu finden. Für Einbrecher wirkt Licht besonders abschreckend, denn in den meisten Fällen ist Licht gleichbedeutend mit anwesenden Personen im Haushalt.
Ein Umbau mit positiven Folgen
Bei einer geringen Aufklärungsquote von Wohnungseinbrüchen mit 18,1 Prozent ist es umso wichtiger, selbst richtig zu handeln und geeignete Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen. Alle Fenster zu schließen und Türen abzuschließen lässt sich schnell und ohne Kosten umsetzen. Der Einbau neuer Türen und Fenster sowie die Umrüstung zu einem Smart Home verursachen allerdings schon einige Kosten. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt Eigentümer mit zinsgünstigen Krediten oder staatlichen Zuschüssen.
Umfragen zufolge planen 1,71 Millionen Personen der deutschsprachigen Bevölkerung, 2020 oder 2021 Geld in Renovierungsarbeiten zu investieren, die mehr Einbruchssicherheit bei der eigenen Immobilie gewährleisten. Die Präventionskampagnen und die bereits getätigten Investitionen zeigen sogar schon Wirkung. Seit 2010 sind die gescheiterten Einbruchsversuche gestiegen. Es wird immer schwieriger für Einbrecher, Häuser zu öffnen. Seit 2015 ist die Zahl der Wohnungseinbrüche stetig gesunken. So gab es 2015 noch 180.000 registrierte Einbrüche, im Jahr 2018 waren es nur 110.000.
Doch nicht nur Wohnungseigner helfen mit eigenem Engagement, die Situation zu verbessern. Erfahrungen aus der städtebaulichen Kriminalprävention liefern Erkenntnisse zur Gestaltung der Wohnumgebung. Es ist zu einer wichtigen Aufgabe der Kommunen geworden, stark besiedelte Stadtteile durch Umbauten dahin gehend zu verändern, dass sich zum einen die Bewohner sicherer fühlen, zum anderen die Anonymität und die baulichen Gegebenheiten verschwinden, welche Einbrüche erleichtern.
Die Förderung sozialer Kontakte in der Nachbarschaft hilft zudem, die soziale Kontrolle durch benachbarter Anwohner zu verstärken. Eine Territorialität entwickelt sich, ein Gefühl der Verbundenheit zu der Wohngegend. Aber auch die bauliche Gestaltung des Wohnbereichs ist eine präventive Maßnahme. Einsehbare Immobilien, die nicht durch Garagen, Zäune oder zu hohe Hecken verdeckt werden, lassen die Anzahl der Einbruchsversuche sinken.
Wenn es sich so weiterentwickelt, wird die dunkle Jahreszeit auch für Einbrecher zur trostlosen Zeit, und das macht diese Zeit doch wieder etwas schöner.