Sind Verbraucherkredite sinnvoll?

Wie sinnvoll sind Verbraucher-Kredite?

Fast 1300 Milliarden Euro an Krediten erhielten Privatpersonen in Deutschland im Jahr 2019. Kredite und Ratenzahlungen sind bei den Verbrauchern beliebt. Manchen führen sie jedoch in die Schuldenfalle. Wann sind Kredite sinnvoll, wann lässt man besser die Finger davon?

1288 Milliarden Euro. Das ist eine stolze Summe. In dieser Höhe nahmen Privatpersonen in Deutschland im Jahr 2019 Kredite auf. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Enthalten sind in dieser Statistik sämtliche Arten von Krediten, die nur an Privathaushalte, nicht aber an Unternehmen vergeben wurden.

Kredite für Konsum: Sinnvoll?

Kredite sind beliebt. Wer ein Haus bauen oder eine Wohnung finanzieren möchte, kommt um einen Kredit kaum herum. Manche großen Anschaffungen sind für die meisten Menschen einfach zu teuer, um sie auf einen Schlag zu bezahlen. Aber solange man Vermögen oder ein stabiles Einkommen und einen guten Überblick über seine Finanzen hat, ist das auch kein Problem. Allerdings werden Kredite, oft in Form von Ratenkrediten, auch für eine riesige Menge an kleineren Ausgaben aufgenommen. Sei es eine Renovierung oder ein Auto, sei es der neue Kühlschrank oder Computer, der heiß ersehnte Urlaub oder das neueste Smartphone, seien es die Geburtstagsgeschenke für die Kinder: Kredite sind praktisch. Anstatt eine hohe Summe auf einmal zu bezahlen, kann man Konsumausgaben in kleinen monatlichen Raten bezahlen.

Allerdings birgt das auch Risiken. Zuletzt waren, ebenfalls laut Statistischem Bundesamt, fast sieben Millionen deutsche Haushalte überschuldet. Das entspricht einer Schuldnerquote von landesweit mehr als neun Prozent. Überschuldet, das bedeutet: Man ist nicht mehr in der Lage, seine Schulden zu bezahlen. Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen, und das über einen längeren Zeitraum. Als Ausweg aus dieser Misere bleibt in der Regel nur die Privatinsolvenz. In dem Zusammenhang gibt es allerdings auch eine gute Nachricht: Die Anzahl überschuldeter Personen im Land sinkt seit Jahren beständig.

Risiko Privatinsolvenz und Überschuldung

Eine Privatinsolvenz ist keineswegs angenehm. Bis zu sechs Jahre lang muss man jeden Cent, den man über den Pfändungsfreibetrag von aktuell 1179,99 Euro im Monat hinaus verdient, abgeben, und zwar entweder bis alle Schulden abgezahlt sind oder bis nach sechs Jahren die Restschuldbefreiung kommt. Das heißt: Wer sich sechs Jahre lang nachweislich bemüht hat, seine Gläubiger zufriedenzustellen, dem werden die noch offenen restlichen Schulden erlassen. Für die Gläubiger ist das wenig zufriedenstellend. Denn sie verlieren unter Umständen auf diesem Weg eine Menge Geld.

Der Gesetzgeber hat das Mittel der Privatinsolvenz geschaffen, um die Vernichtung privater Existenzen zu verhindern. Tatsächlich ist es so, dass nur eine Minderheit selbstverschuldet, etwa durch Konsumkredite, in der Insolvenz landet. Häufig sind Arbeitslosigkeit oder auch Scheidungen der Auslöser, aber auch schwere Krankheiten, die den Kontrollverlust begründen. Der überschuldete Arbeitslose, der auf Pump lebt, existiert zwar, ist aber allenfalls ein Randphänomen, das in der Gesamtbetrachtung kaum eine Rolle spielt.

Dennoch lohnt es sich, sich mit dem Thema Konsum und Kredit intensiv auseinanderzusetzen, bevor man Kredite in Anspruch nimmt. Denn in der Regel lohnen sich diese kaum. Wer auf Raten oder per Kredit bezahlt, bezahlt am Ende deutlich mehr.

Kredit: Immer Konditionen vergleichen

Zwar locken unzählige Anbieter und auch Händler in der Werbung mit supergünstigen Konditionen und den berühmten Null-Prozent-Finanzierungen. Ein Blick ins Kleingedruckte zeigt aber, dass das in der Regel gar nicht oder nur unter ganz bestimmten, sehr eng gefassten Bedingungen stimmt. Denn es will ja nicht nur der Händler bzw. Anbieter, sondern auch der Kreditgeber Geld verdienen. Und das funktioniert nur, wenn der Kredit- bzw. Ratenkauf teurer ist, als der Sofortkauf, bei dem man alles auf einmal bezahlt.

Der Haken: Raten- und Kreditzinsen sind oft horrend, und für Endverbraucher ist es sehr schwer, sich einen Überblick zu verschaffen und das beste Angebot zu finden. Daher sollte man eine Regel beachten: Kreditverträge niemals spontan und vorschnell unterzeichnen bzw. abschließen, sondern sich stets Zeit nehmen, in Ruhe zu Hause den Vertrag lesen und durchrechnen – und dann erst entscheiden. Macht ein Händler oder Anbieter Druck, ist er wahrscheinlich unseriös. Das ist ein guter Grund, auf ein Geschäft besser zu verzichten.

Einen guten Überblick bieten Kreditvermittler, von denen es online mehrere gibt. Bei ihnen kann man nach individuellen Kriterien passende Kreditangebote ermitteln lassen, miteinander vergleichen und dann das Angebot mit den besten Konditionen wählen.

Mit diesen Regeln ist ein Kredit kein Risiko

Wer ein paar Faustegeln beachtet, wird mit seinen Krediten keine schlechten Erfahrungen machen.

Regel 1: Nur dann einen Kredit aufnehmen, wenn es nötig ist. Bei Konsumausgaben ist es in der Regel nicht nötig. Falls man einen Betrag gerade nicht zur Hand hat, ist es sinnvoller, noch eine Weile zu warten und zu sparen oder sich etwas Geld bei Freunden zu leihen. Auf diesem Weg spart man die Kreditzinsen, die hier eine unnötige Ausgabe wären.

Regel 2: Niemals eine Kreditausfallversicherung abschließen! Zahlreiche Anbieter drängen einem diese Versicherung geradezu auf und versprechen, dass sie die Risiken absichern. Doch das stimmt nicht. Diese Versicherungen sind in der Regel völlig überteuert, helfen nur in seltenen Fällen und lassen unterm Strich nur einen profitieren: den Versicherungsanbieter.

Regel 3: Nicht den Überblick verlieren! Wer stets seine Einnahmen und Ausgaben im Blick hat weiß, was er sich leisten kann und was nicht. So verhindert man Spontankäufe und sich häufende Kreditraten, die irgendwann das Budget sprengen.

Regel 4: Raten immer pünktlich bezahlen! Denn wenn man das tut, wirkt sich das positiv auf den Schufa-Score aus, weil man als zuverlässig gilt. Platzt hingegen ein Kredit oder zahlt man Raten mehrmals zu spät oder gar erst nach Mahnungen, dann passiert das Gegenteil und man riskiert seine Kreditwürdigkeit.

Wer diese Regeln beachtet und sich vor Vertragsabschluss stets genau informiert, der kann bedenkenlos auch mal einen Kredit aufnehmen oder etwas auf Pump kaufen, ohne ein Risiko einzugehen. Ob es sich allerdings lohnt – das ist eine andere Frage und kommt immer darauf an, was einem persönlich wichtiger ist: Etwas, zum Beispiel ein Produkt, sofort haben zu müssen, oder ob man Geduld hat und lieber ein paar Euro spart.