Starkes Immunsystem

Starkes Immunsystem – aber was ist das eigentlich?

Es ist die wichtigste Abwehr des Körpers gegen Schäden jeder Art. Doch nur wenige Laien wissen wirklich, was sich hinter unserem Immunsystem verbirgt, was es kann und was nicht. Dabei ist dieses Wissen unglaublich wichtig, denn nur wer es besitzt, kann sein Immunsystem wirklich so gut machen, wie es möglich ist.

Egal ob während der jetzigen Pandemie oder spätestens zu jeder Erkältungssaison: Überall ist immer wieder die Rede von „starkes Immunsystem“ oder wird aufgefordert „stärken Sie Ihr Immunsystem!“. Dabei wissen viele jedoch nur, dass es dabei etwas mit der körpereigenen Abwehr von Krankheiten zu tun hat. Tatsächlich greift unser Immunsystem jedoch viel weiter, kann deutlich mehr – aber hat auch seine Grenzen und kann sich sogar gegen uns wenden.

1. Was unser Immunsystem ist – und was nicht

Kleine Zellen, die per Knüppel auf Angreifer losgehen; ein System, das vornehmlich gegen Viren vorgeht und das mitunter bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt ist: Rund um das Immunsystem gibt es viel Unwissen und Halbwahrheiten. Deshalb zunächst ein Überblick.

Leben bedeutet Attacken darauf – zu jeder Zeit und überall

An das Immunsystem denken viele erst dann, wenn Krankheiten drohen (etwa eine Grippewelle) oder schon eingetreten sind. Just das ist jedoch völlig falsch. Tatsächlich ist unser Immunsystem 24/7 im Einsatz. Denn unser Organismus ist ebenso ständigen Risiken und Attacken ausgesetzt.

  • Archaeen und Bakterien,
  • Natürliche und künstliche Schadstoffe,
  • Parasiten und Protozoen,
  • Pilze und
  • Viren

sind ständig um uns herum. Zwar ist es nicht zwingend ihre Daseinsberechtigung, unseren Organismus zu beschädigen, jedoch ist dies fast immer entweder evolutionärer Bestandteil ihres Daseins oder eine direkte Folge ihrer Wirkung im Körper.

Zudem gibt es keinen Ort, an dem wir sicher sind. Schon im Mutterleib kommen Ungeborene mit Erregern in Kontakt und selbst auf der nach allen Maßstäben „klinisch reinen“ ISS finden sich mikrobiologische Schädlinge.

Hinzu kommt noch die Tatsache, dass andauernd Zellen in unserem Körper aus zahlreichen Gründen entarten, sowohl durch äußere wie innere Faktoren, beispielsweise eine beschädigte DNS. Nimmt dies Überhand, wenn die Zellen nicht rechtzeitig zerstört werden, kann Krebs entstehen.

Es war einmal das Leben: Die körpereigene Polizei?

Die Art, wie viele sich ihr Immunsystem vorstellen, wurde im europäischen Raum maßgeblich durch die erfolgreiche Zeichentrickserie Es war einmal… Das Leben geprägt. Darin wurde das Immunsystem als anthropomorphe Polizisten dargestellt. Das ist zwar in der Darstellung völlig falsch, trifft es aber zumindest im Kern – auch wenn es stark übervereinfacht ist.

Denn das Immunsystem besteht nicht nur aus einer Gruppe von Lebewesen, sondern ist buchstabengetreu ein vollumfängliches System aus mehreren, aufeinander aufbauenden Schutzstufen und -mechanismen. Dazu gehören Organe wie beispielsweise die Milz, die Mandeln, die Lymphknoten und das Knochenmark. Ebenso aber auch eine Reihe von Zellen (etwa die weißen Blutkörperchen) sowie Moleküle, Enzyme und nicht zuletzt unsere Psyche.

Auch ist die Darstellung als Polizei nicht richtig, um bei solchen Realwelt-Analogien zu bleiben. Besser wäre es, sich unser Immunsystem als Armee mit verschiedensten Aufgabenbereichen und Spezialisten vorzustellen, die letztlich nur ein Ziel hat: Jeden potenziell für unseren Organismus schädlichen Gegner zu erkennen und zu zerstören.

Angeboren oder antrainiert?

Dabei unterteilt sich das Immunsystem grundsätzlich in zwei unterschiedliche Bereiche:

  • Die Unspezifische Immunabwehr ist angeboren. Sie enthält eine generelle oder eben unspezifische Antwort auf eine vom Organismus erkannte Bedrohung. Beispielsweise die Erhöhung der Körpertemperatur durch Fieber, um Erregern sprichwörtlich „einzuheizen“ und so als Wirt unattraktiver zu sein.
  • Die Spezifische Immunabwehr ist adaptiv bzw. anpassungsfähig. Sie beginnt praktisch ab der Geburt, sammelt ständig neue Informationen über Bedrohungen und entwickelt so gezielte Antworten darauf. Diese Immunabwehr wird auch durch Impfungen angesprochen. Wer beispielsweise eine Masernimpfung erhält, bekommt die kompletten Baupläne des Masernvirus für sein Immunsystem geliefert, wodurch es eine punktgenaue Reaktion entwickelt. Es verbleiben deshalb immer Antikörper bzw. Gedächtniszellen, die dafür sorgen, dass das Immunsystem zeitlebens nicht mehr vergisst.

Übrigens verfügt zwar praktisch jede Lebensform auf der Erde über eine unspezifische Immunabwehr. Ein spezifischer, lernfähiger Schutz hingegen findet sich vornehmlich bei Wirbeltieren – da diese viele Evolutionsschritte absolviert haben. Allerdings wurde vor einigen Jahren festgestellt, dass auch Bakterien und Archaeen eine solche Antwort entwickeln können.

Effektiv, aber lückenhaft: Die Immunantwort

Ein Erreger dringt in den Körper ein. Was jetzt passiert, hängt im höchsten Maß mit den Fähigkeiten des Immunsystems ab. Denn der Grund, warum wir überhaupt durch externe Erreger erkranken, ist, dass unser Immunsystem diese entweder nicht erkennt oder aus verschiedenen Gründen weder eine unspezifische noch spezifische Antwort einleiten kann – woher dieses Unvermögen kommt, ist ein wichtiges Betätigungsfeld der Immunologie.

Das vielleicht beste, weil enorm weit verbreitete Beispiel hierfür ist Lippenherpes. Das Virus Herpes simplex steckt schätzungsweise in 90 Prozent aller Deutschen. Nach einer Infektion lagert es sich im Rückenmark ein – in normalen Zellen des Organismus. Normalerweise würden die Zellen eine solche „feindliche Übernahme“ durch Botenstoffe signalisieren. Das wiederum würde eine Immunabwehr auslösen. Bloß ist Herpes simplex sehr gut darin, diese Aussendung zu unterdrücken.

In der Folge sieht das Immunsystem den Eindringling nicht, weil er sehr gut getarnt ist. Jedes Mal, wenn das Virus wieder ausbricht, verteilt es sich in andere Zellen, wodurch es ein Leben lang im Menschen überdauert, obwohl Zellen nur eine sehr viel kürzere Lebensspanne aufweisen.

Ein anderer Vertreter ist das Grippevirus. Denn wo bei zahllosen anderen Erregern spätestens nach einer Impfung nie wieder eine Ansteckung zu befürchten ist, mutiert die Grippe mit hohem Tempo. Jede Grippesaison zeigt sie sich in einem neuen Gewand, wodurch sie das Immunsystem ebenfalls überlistet – aus genau diesem Grund muss immer wieder neu geimpft werden, um das Immunsystem für jede neue Grippevariante zu schulen.

Überreaktionen: Wenn das Immunsystem verrücktspielt

Dass selbst eine völlig normale Immunabwehr oftmals einen regelrechten „Krieg“ bedeutet, der den Körper leiden lässt, dürfte schon jeder festgestellt haben, der bei einer Grippe hohes Fieber entwickelte oder dessen Zeh durch einen Splitter zu einem hochrot entzündeten Schmerzzentrum wurde. Oft genug denken Betroffene, dass die Nebenwirkungen der Immunabwehr schlimmer seien als die Krankheit selbst.

Tatsächlich kann es aber wirklich zu solchen Zuständen kommen: Das Immunsystem reagiert völlig falsch, die Immunantwort wird von der Abwehr- zur Offensivwaffe gegen den eigenen Körper. Der Fachbegriff dafür ist die Autoimmunerkrankung, von der es leider eine sehr lange Liste gibt. Immer passiert das Gleiche: Das Immunsystem kann aufgrund der Erkrankung nicht mehr zwischen eigenen und fremden Organismen unterscheiden und attackiert deshalb unterschiedslos. Auch eine COVID-19-Erkrankung funktioniert nach einem ähnlichen Muster, weil es eine typische Immunreaktion als Methode zum Eindringen in Zellen nutzt.

Doch es geht auch umgekehrt. Das bekannteste Beispiel hierfür ist AIDS. Schon der Begriff steht übersetzt für „Erworbenes Immunschwäche-Syndrom“. Sobald die Krankheit ausbricht, sorgt sie dafür, dass ausgerechnet die T-Helferzellen und damit wichtige „Kommandeure“ des Immunsystems nicht mehr ihrer Aufgabe nachkommen, sondern neue HI-Viren produzieren. In der Folge werden immer mehr T-Helferzellen infiziert, das Immunsystem wird immer schwächer, es stellen sich dadurch Folgeerkrankungen ein. Die meisten (unbehandelten) AIDS-Patienten versterben deshalb an Krankheiten, die für ein gesundes Immunsystem spielend zu bewältigen sind.

2. Das menschliche Immunsystem: So funktioniert es wirklich

Es gibt viele Bedrohungen für den menschlichen Organismus und dank der spezifischen Immunabwehr ist die Reaktion, wie erwähnt, maßgeschneidert. Doch stellen wir uns einmal das (fiktive) Bakterium Coreoposum vor, einen klassischen Krankheitserreger, der zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Muskelzucken führt. Anhand dieses Beispiels führen wir nun durch das menschliche Immunsystem und seine Reaktion.

An dieser Stelle wurde mit voller Absicht ein nicht existierendes Bakterium gewählt. Denn wie sich reale Erreger verhalten, welche Wege sie in den Körper nehmen, was sie dort anrichten und wie die Immunreaktion ausfällt, unterscheidet sich stark von Erreger zu Erreger. Ein fiktives Bakterium hingegen erlaubt es, eine ganz typische Vorgehensweise zu zeigen und somit das Immunsystem pauschal zu erläutern, anstatt Reaktionen zu erklären, die normalerweise völlig unterschiedlich ausfallen können.

Mit Haut und Haaren: Die äußerste Verteidigungslinie

Coreoposum verbreitet sich durch die Luft, findet sich auf verschiedenen Oberflächen. Eine typische Bakterie. Ob sie jedoch in den Menschen eindringt, ist sehr fragwürdig. Denn die erste, wichtigste und am wenigsten beachtete Verteidigungslinie unseres Immunsystems umfasst die Oberfläche unseres Körpers und seine Eingänge. Hier finden sich zahlreiche biochemische und mechanische Hürden:

  • Die Haut als geschlossene Schicht. Sie hat (außerhalb des Intimbereichs, dieser ist alkalisch) eine leicht saure Oberfläche, welche Coreoposum angreift. Ähnliches machen auch die Mikroorganismen einer gesunden Hautflora sowie Talg, Schweiß und Ohrschmalz.
  • Die Haare unserer Wimpern, in den Ohren und in der Nase, zudem auch die Schamhaare. Sie sorgen dafür, dass Coreoposum davon abgehalten wird, in die Körperöffnungen einzudringen. Dies geschieht durch eine Belüftung der Haut, was Aufweichen durch Schweiß verhindert und förderliche Bakterien am Leben erhält. Zudem fungieren die Haare wie ein Fangnetz.
  • Die Produkte unserer Schleimhäute, sowie der Tränen-, Speichel- und Schweißdrüsen. Ihre Aufgabe ist es, Coreoposum in Flüssigkeit bzw. Schleim gefangen zu halten und so entweder an der Bewegung zu hindern, auszuschwemmen oder sogar durch antimikrobielle Wirkstoffe unschädlich zu machen.

Auch unser Verdauungstrakt ist ein wichtiger Bestandteil dieser Barriere. Vom Enzym Lysozym im Speichel über die sehr aggressive Magensäure und die Darmflora bis hin zur ständigen Ausscheidung durch Stuhl und Urin sorgt er jederzeit dafür, dass unerwünschte Eindringlinge unschädlich gemacht und/oder abtransportiert werden.

Abwehrzellen: Kämpfer und Steuerer

Die erste Verteidigungslinie unseres Körpers ist sehr gut. So gut, dass Coreoposum eigentlich keine Chance hätte. Bloß macht der Mensch Fehler. Vielleicht hat er einen Schnitt im Finger, einen Kratzer im Mund oder Coreoposum befindet sich auf einem Lebensmittel. Warum auch immer, das Bakterium schafft es, in den Körper einzudringen.

Viel nützen wird ihm das nichts. Denn unser Körper ist von den zellulären Bestandteilen des Immunsystems durchzogen. Sie finden sich in jedem Tropfen Blut, im Gewebe, in unserem Lymphsystem. Und sie sind jederzeit sehr empfindlich. Denn sehr viele mögliche Angreifer haben sogenannte Antigene. Das sind Moleküle auf ihrer äußeren Hülle, die unserem Immunsystem nicht nur verraten, dass es sich um einen Fremdkörper handelt, sondern die durch ihre Einzigartigkeit (wie ein Fingerabdruck) auch schon eine spezifische Immunreaktion hervorrufen können.

  • Dendritische Zellen. Sie sind eine von mehreren Wächterzellen des Immunsystems. Sie erkennen die Antigene und schütten Botenstoffe aus, die andere Zellen an den Ort des Geschehens leiten oder auch eine weiter entfernte, unspezifische Immunabwehr anregen.
  • Granulozyten (spezielle weiße Blutkörperchen, die auch von der Blutbahn in das umliegende Gewebe eindringen können). Sie können Coreoposum unspezifisch aufnehmen und zerstören, werden deshalb auch Fresszellen
  • Makrophagen. Sie sind zwar ebenfalls weiße Blutkörperchen, finden sich jedoch nur im Gewebe, machen dort aber ähnliches wie die Granulozyten und werden wegen ihrer Größe Riesenfresszellen
  • T-Zellen. Sie fungieren je nach Art ebenfalls als Wächter, können aber beispielsweise auch bereits infizierte Zellen abtöten. Sie sind auch ein wichtiger Bestandteil, der unseren Körper vor Krebs schützt, weil sie auch krankhaft veränderte Zellen abtöten.
  • B-Zellen. Weitere weiße Blutkörperchen, die ebenfalls als Wächter fungieren. Sie zirkulieren im Blut. Erkennen sie ein fremdes Antigen und bekommen gleichzeitig Signale von T-Zellen, wandern sie in die Milz oder die Lymphknoten. Dort werden sie zu Plasmazellen umgewandelt, vervielfältigt und streuen dann Antikörper (Immunglobuline) aus. Dies wirkt wiederum als weiteres Alarmsignal für das restliche Immunsystem, speziell für die humorale Abwehr (siehe nächstes Kapitel).

All diese Zellen sorgen dafür, dass das Immunsystem in einen „Gefechtsmodus“ schaltet. Es bekommt gesagt, dass ein Eindringling vorhanden ist, welcher Eindringling es ist und weiß zudem auch sofort, welche speziellen Bekämpfungsstrategien nötig sind – beispielsweise, ob eine Entzündung genügt, welche die Zone erhitzt und die Blutgefäße erweitert, oder ob der Körper generell die Temperatur erhöhen muss.

Ein weiterer wichtiger Part sind die NK-Zellen; das Kürzel steht für Natürliche Killer(zellen). Sie sind deshalb so bedeutsam, weil Sie nicht auf Antigene angewiesen sind. Sie reagieren nicht auf die Anwesenheit von Antigenen, sondern die Abwesenheit von bestimmten Proteinen auf dem Erreger. Wichtig, weil die Antigen-Methode nicht bei jedem Erreger funktioniert.

Coreoposum verrät sich den NK-Zellen also dadurch, dass es nicht die richtige „Parole“ aufsagen kann. Gleiches passiert auch bei entarteten Zellen, wodurch die natürlichen Killer ein weiterer Schlüssel im Kampf gegen Krebs sind.

Flüssige Bestandteile: Antikörper sind ziemlich unbeweglich

Das Coreoposum-Bakterium hat an diesem Punkt nicht nur das gesamte Immunsystem in Alarm versetzt, sondern steht inmitten einer schweren Schlacht gegen die diversen körpereigenen Zellen. Unser Immunsystem kennt jedoch keinen fairen Kampf, sondern strebt einen überwältigenden Sieg an. Hier kommen nun die humoralen Bestandteile der Immunabwehr ins Spiel. Proteine, die ständig im Blut und sämtlichen anderen Körperflüssigkeiten zirkulieren (deshalb auch der Name: Humor = Flüssigkeit).

Im Gegensatz zu den Abwehrzellen können sich diese Bestandteile jedoch nicht selbst bewegen. Dafür aber können die Antikörper, die Interleukine und die Proteine des Komplementsystems jedoch anderes:

  • Sie heften sich an Coreoposum und aneinander und hemmen es in seiner Bewegung, indem sie praktisch ein Netz aufbauen.
  • Sie bilden eigene Mikroorganismen, welche die Zellwände von Coreoposum durchdringen und es von innen heraus zerstören.
  • Sie regen auf ihrem Weg die Bildung neuer Abwehrzellen an, versorgen diese ebenfalls mit detaillierten Informationen.

Der ewige Krieg in unserem Körper

Im Körper ergibt sich deshalb ein hochpräzises dirigiertes Gefecht. Jeder Bestandteil der Immunabwehr hat eine spezifische Aufgabe, kann aber meist auch noch andere Dinge übernehmen.

Typischerweise bekommen wir jedoch nur etwas davon mit, wenn sich eine solches Gefecht zu einem großen „Krieg“ auswächst. Das ist dann der Fall, wenn beispielsweise die Immunabwehr entweder zu schwach war oder erst einen Angreifer kennenlernen muss.

Praktisch jedoch stehen die Chancen sehr gut, dass das Coreoposum-Bakterium an dieser Stelle durch die Immunabwehr vernichtet wird – so, wie es täglich tausendfach in unserem Körper passiert. Und nach jedem Kampf hält das System umfassende „Manöverkritik“, um sein immunologisches Gedächtnis aufzufrischen. Das bedeutet, wenn der Körper nochmals einen Kontakt mit Coreoposum macht, wird die Antwort noch schneller, stärker und zielgerichteter erfolgen.

3. Immunsystem stärken: Viel Aberglaube, wenig Wirksames

Wie das Immunsystem funktioniert, ist nun klar. Aber was können wir tun bzw. vermeiden, damit unsere „Soldaten“ in Anzahl und Fähigkeiten immer die Oberhand gegenüber jedem möglichen Angreifer behalten?

Was das Immunsystem schwächt

Schlachten sorgen für Verluste. Dementsprechend ist das Immunsystem nach Krankheiten grundsätzlich schlechter aufgestellt. Allerdings gibt es auch vieles, was wir uns in dieser Hinsicht selbst antun:

  • Zu häufiges Duschen und Baden; insbesondere mit zu scharfen Reinigungsmitteln. In der Regel genügt lauwarmes Wasser und pH-neutrale Seife. Auch wäre es eigentlich am besten, zumindest auf Intimrasuren zu verzichten. Diese sorgen häufig für Mikroverletzungen und somit Einfallstore für Erreger. Außerdem sind die Haare, wie erwähnt, ein Bestandteil der äußeren Verteidigung.
  • Qualitativ und quantitativ schlechter Schlaf. In der Nacht kann unser Körper nicht nur wesentlich besser bekämpfen, sondern das Immunsystem auch regenerieren.
  • Zu viel Stress, weil dieser über eine Reihe von Wirkmechanismen dafür sorgt, dass die zelluläre Immunantwort weniger reaktionsfreudig ist.
  • Je älter wir werden, desto häufiger entarten körpereigene Zellen und desto weniger werden all die Boten und Bekämpfer. Häufig haben ältere Menschen deshalb Entzündungen, weil der Körper durch diese unspezifische Antwort eine Art Kompensationsstrategie fährt.

Auch gehören dazu verschiedene Lebens- und Genussmittel. Wahlweise, weil sie dafür sorgen, dass mehr Zellen als normalerweise entarten (etwa Rauchen), weil sie die Abwehrzellen verwirren (Alkohol und andere Drogen) oder weil sie eine Mangelversorgung hervorrufen – diverse Vitamine und Mineralstoffe sind die wichtigsten Nährstoffe für sämtliche Bestandteile des Immunsystems.

Was das Immunsystem überfordert

Wenn es mehr Angreifer als Verteidiger gibt, wird das Immunsystem überfordert. In diesem Sinne sorgt automatisch alles, was das Immunsystem schwächt, auch dafür, dass es schneller überfordert wird. Was es jedoch auch jenseits davon an seine Grenzen bringt, sind Allergien.

Sie zeichnen sich dadurch aus, dass der Körper normale Fremdkörperproteine irrtümlich als Antigene erkennt und Bekämpfungsstrategien einleitet, obwohl diese eigentlich nicht nötig sind. Allergiker leiden deshalb nur unter den Nebeneffekten einer heftigen Immunabwehr – beispielsweise stark tränende Augen.

Was das Immunsystem wirklich stärkt

Was macht das Immunsystem stark? Neben der Vermeidung sämtlicher Punkte aus dem vorletzten Kapitel gehört dazu eine nach jeder Definition ausgewogene Ernährung. Auch sollte möglichst jeder Kontakt mit Belastungen vermieden werden, die dafür sorgen, dass mehr Zellen entarten. Rauchen stellt dabei nur einen Faktor dar; es gibt sehr viele krebsauslösende oder -fördernde Stoffe, die anderweitig in den Körper gelangen.

Auch sollte, insbesondere bei Kindern, Sauberkeit keinesfalls übertrieben werden. Je weniger das Immunsystem die Chance hat, durch den niedrigschwelligen Kontakt mit Bakterien und Viren zu lernen, desto größer ist das Risiko, dass sich Allergien ausbilden oder Erkrankungen zu schwach oder gar nicht bekämpft werden.

Es gilt deshalb, dass man auf sich und in seinem Lebensumfeld keinesfalls für „porentiefe“ oder „klinische“ Sauberkeit sorgen sollte.

Zusammenfassung und Fazit

Bei vielen Körperfunktionen bestimmt notwendigerweise Übersimplifizierung die Erklärungsweise. Es gibt jedoch nur wenige andere Dinge, bei denen hinter einem Wort oder Halbsatz ein so faszinierendes System steckt wie bei unseren Immunsystem. Es mag, wie alles auf dieser Welt, nicht perfekt sein. Aber angesichts der Tatsache, wie gigantisch die Bedrohungen jederzeit sind, ist unser Immunsystem vielleicht die erfolgreichste Armee dieser Welt – und es sollte wirklich jedem daran gelegen sein, für ständigen Nachschub zu sorgen.