Schnelles Lernen? Die Nachteile von Speed-Reading, Shortcuts & Co.
Ob man für Prüfungen lernt, sich fortbildet oder sich einfach Wissen aneignen will – Angebote und Apps wie Blinklist, Spdr und viele weitere versprechen, dass man auf lange Lesestunden verzichten und sich das Wesentliche in sehr kurzer Zeit draufschaffen kann. Doch ist das wirklich sinnvoll?
Blinklist und vergleichbare Services bieten knappe, aufs Wesentliche reduzierte Zusammenfassungen von vor allem Sachbüchern; andere Anbieter haben sich auf Literaturklassiker spezialisiert. Wofür man eigentlich viele Stunden des Lesens braucht, lässt sich nun in sehr kurzer Zeit bewältigen – so zumindest die Idee.
Hinter dem so genannten Speed Reading wiederum stecken Techniken, mit denen man besonders schnell lesen und dabei trotzdem den Inhalt erfassen kann. Entsprechende Apps wollen durch die Hervorhebung von Schlüsselwörtern in der Mitte des Screens die Lesezeit auch dadurch reduzieren, dass die Augenbewegungen ausbleiben, die beim Lesen sonst nötig sind.
… die in kurzer Zeit viel lernen müssen oder auch für Studenten, die jedes Semester Hunderte Seiten von Text vor sich haben, klingt das vielversprechend. Doch Studien kommen zu einem anderen Ergebnis…
Zum einen haben Studien ergeben, dass man Texte schlechter behält, wenn man sie am Bildschirm liest, als wenn man ein gedrucktes Buch vor sich hat. Am Bildschirm Markierungen und Notizen vorzunehmen hat ebenfalls einen anderen Effekt als auf Papier. Es scheint also tatsächlich auch auf das Medium anzukommen – und nicht nur auf den Text.
…Zusammenfassungen erhält man zwar mehr Wissen in kürzerer Zeit – Studien zufolge ist das aber nicht nachhaltig. Denn wer sich die Zeit für ein Buch von mehreren hundert Seiten nimmt, der kann das erlernte Wissen sacken lassen; wenn man es langsam und Schritt für Schritt aufnimmt, versteht man Abläufe und Zusammenhänge besser und behält sie auch besser im Kopf. Der klassische Lernweg ist also nachhaltiger.
… für das Speed Reading, das tatsächlich bestenfalls einen kurzfristigen Lerneffekt hat. Auch hierzu gibt es Studien, die das Leseverhalten untersuchen. Sie zeigen: Wer ein Buch liest, liest aufmerksamer, wiederholt auch mal Sätze, die nicht auf Anhieb klar sind, und eignet sich so nachhaltig Wissen an. Das funktioniert beim Speed Reading nicht.
… ist das, wenn es nicht um Sachbücher, sondern um Belletristik geht. Romane oder Gedichte kann man nicht erfassen, indem man durch sie hindurch sprintet oder bloß Zusammenfassungen liest. Man braucht die Zeit für Stil, Entwicklung der Charaktere, Sprachbilder und den Verlauf der Handlung. Und nicht zuletzt soll das Lesen ein Genuss sein. Nur so ist es möglich, belletristische Werke und Literaturklassiker wirklich zu verinnerlichen und auch im Gedächtnis zu behalten.
Wer mal kurzfristig etwas Faktenwissen braucht, kann gerne mal zur Speed Reading App oder zu Zusammenfassungen greifen. Wer wirklich nachhaltig lernen und sich langfristig Wissen aneignen will, der nimmt sich Zeit und greift zum Buch. Denn hierfür sind all die Trendigen Apps und Angebote eher kontraproduktiv.