Manipulierte Reichweiten in Social Media

Manipulierte Reichweiten in Social Media

Soziale Netzwerke sind nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken und vernetzen die Menschen weltweit. Mehr als die Hälfte der unter 24-Jährigen nutzt soziale Medien als Informationsquelle. Was die Nutzer oben auf der Startseite sehen, bestimmen die Algorithmen der etablierten sozialen Netzwerke. Doch welche Inhalte präferieren die Algorithmen? Und wie lässt sich Manipulation in den sozialen Medien erkennen?

Wichtige Faktoren für Algorithmen

Welche Beiträge von welchen Accounts im oberen Bereich der Startseite erscheinen, hängt von vielen Faktoren ab. Sie werden nicht chronologisch dargestellt. Stattdessen ordnet ein Algorithmus die Beiträge nach Relevanz. Nicht jedes Netzwerk verwendet denselben Algorithmus. Doch einige Aspekte steigern die Sichtbarkeit auf jeder Social Media Plattform. So haben etwa jene Beiträge eine hohe Reichweite, die sich mit den Interessen vieler Nutzer decken und für die Nutzer selbst interessant erscheinen. Zudem stellen Social-Media-Portale die neuesten Beiträge bevorzugt da. Auch viele Interaktionen pushen einen Beitrag. Je mehr Likes und Kommentare es gibt, desto präsenter ist der Eintrag für die Nutzer. Ausschlaggebend ist auch die Anzahl der Follower. Je mehr Follower ein Account hat, desto mehr werden die Beiträge dieses Accounts bevorzugt. Somit ist ein Account mit vielen Followern auch gleichzeitig „mehr wert“, als ein Account mit weniger Followern. Im Internet gibt es deswegen zahlreiche Anbieter, die angeben Follower übers Internet zu verkaufen. Wie seriös dieser Prozesse wirklich ist, ist fraglich. Im Regelfall handelt es sich bei solchen Angeboten um Betrug, da die Accounts programmierte Bots sind und kein echtes Interesse an den Beiträgen der jeweiligen Person haben. Trotz alledem ist die Neugier groß und viele Instagram-User nutzen Angebote, um Instagram Followers kaufen zu können, da sie mit einer großen Followerzahl einen höheren Wert in den sozialen Medien suggerieren können.

Wer Social Media im digitalen Alltag verstehen möchte, der muss wissen, dass soziale Medien in den Algorithmus miteinbezogen werden. Heute zählt welche Art von Beiträgen ein Nutzer bevorzugt konsumiert. Wer bei Bildern verweilt, wird vermehrt Bilder im Newsfeed sehen. Wer größtenteils Videos schaut, wird mehr Videos vorgeschlagen bekommen. Content Creator können ihre Reichweite steigern, wenn sie mit dem Wissen um den Algorithmus handeln. Qualitativer Content mit interessanten Bildunterschriften und einem Call-to-Action sorgen dafür, dass Nutzer länger beim Beitrag verweilen. Erfolgreiche Influencer posten zu den Zeiten, an denen die meisten Follower online sind.

Wie sich Mediennutzung verändert

Doch wieso ist es so wichtig zu wissen, wie die Algorithmen funktionieren? Wer soziale Medien geschäftlich nutzt, will seine Zielgruppe erreichen. Die potenziellen Kunden tummeln sich vermehrt in den sozialen Medien. Nur wenige junge Menschen nutzen traditionelle Medien oder kaufen vor Ort ein. Auch Stars ohne Social Media Account sind selten. Bereits über 50 Prozent der Menschen zwischen 18 und 24 Jahren nutzen soziale Medien regelmäßig und informieren sich dabei sowohl über ihre persönlichen Interessen als auch über das Weltgeschehen.

Werbung erreicht die junge Zielgruppe daher hauptsächlich über Influencer. Vor allem Jugendliche lassen sich in ihrer Entscheidungsfindung von ihren Vorbildern in den sozialen Medien beeinflussen. In Freizeit- und Beauty-Themen sind soziale Netzwerke schon lange ein fixer Bestandteil der Informationsweitergabe. Doch auch die Newsvermittlung über soziale Medien gewinnt immer größere Bedeutung. Bislang nutzen vor allem Boulevardzeitungen soziale Kanäle zur Informationsverbreitung. Für alle, die Social Media Nutzer erreichen wollen, ist eine große Reichweite entscheidend.

 

Fake News, Chat Bots und Manipulation erkennen

Da soziale Medien nicht nur zur Unterhaltung sondern auch zur Informationsbeschaffung genutzt werden, stehen traditionelle Medien vor neuen Herausforderungen und nutzen soziale Plattformen. In Deutschland ist Facebook der Spitzenreiter mit den meisten Marktanteilen. Um weiterhin ihre Nutzer zu erreichen, betreiben auch etablierte Medien ihre Social Media Accounts immer aktiver. Doch wo es News gibt, tauchen auch Fake News auf. Nicht jeder Account, der die Reichweite bewusst erweitert, bietet seinen Nutzern qualitative Inhalte. Oft geteilte Beiträge können auch Fake News sein und von Chat Bots stammen.

Twitter-Nutzer erkennen Chat Bots an bestimmten Profil-Merkmalen. Anhand der Zusammensetzung der Follower und den Accounts, denen der Bot folgt, wird schnell deutlich, dass es sich um manipulierte Inhalte handelt. Nutzer, die an der Plausibilität von Informationen zweifeln, suchen nach genaueren Informationen zum Accountbetreiber. Auch das Abgleichen von Informationen in sozialen Medien und Suchmaschinen bringt Klarheit.

 

Fazit

Die Reichweite in sozialen Medien lässt sich also durchaus beeinflussen. Die Anzahl der Follower ist jedoch nur ein Kriterium von vielen. Denn Nutzer verweilen nur dann bei einem Beitrag, wenn sie der Inhalt überzeugt. Je relevanter der Post für persönliche Interessen ist, desto weiter oben erscheint er im Newsfeed des Nutzers. Auch ein Account, der zwar viele Follower hat, aber nicht zur richtigen Zeit oder zu selten postet, wird nur wenige Menschen erreichen. Da sich vor allem junge Menschen hauptsächlich über soziale Medien informieren, ist es für Medienunternehmen wichtig, auch über diese Kanäle zu kommunizieren. Fake News und Chat Bots mischen sich zwar unter relevante Informationen. Doch mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich schnell erkennen.