Weltweit werden aktuell jährlich rund zwei Milliarden Tonnen Abfall produziert. Laut einer Studie der Weltbank soll diese Menge in den nächsten Jahren noch einmal deutlich zunehmen. Im Bericht „What a Waste 2.0“ wird davon ausgegangen, dass die Müllmenge bis zum Jahr 2050 noch einmal um etwa 70 Prozent zunehmen wird, wenn keine einschneidenden Maßnahmen gegen die Müllproduktion getroffen werden. Die entscheidende Frage dabei lautet: Wie können diese Maßnahmen aussehen? Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig und grundsätzlich für jeden einzelnen auch recht einfach in die Praxis umzusetzen.
Auf Qualität setzen und damit die Lebensdauer von Produkten erhöhen
Der weltweite Müllberg geht uns alle etwas an. Das liegt zum einen daran, dass laut der Studie der Weltbank zum Thema Müll mehr als ein Drittel der Länder aus den sogenannten hochentwickelten Ländern kommt. Diese zeichnen sich also deutlich überproportional für das Problem verantwortlich und sind deshalb auch gefordert, es in den Griff zu bekommen.
Zum anderen sind auch die Auswirkungen auf den gesamten Planeten immens. Das zeigt sich beispielsweise an den riesigen Mengen Müll, die täglich in den Ozeanen landen. Sie stammen größtenteils aus kommunalen Abwässern, der Auswaschung von Mülldeponien sowie illegaler Entsorgung in der Landwirtschaft. Der Müllstrudel „Great Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik ist mittlerweile so groß wie Mitteleuropa.
Als Lösung für dieses Problem wird von zahlreichen Experten und unterschiedlichen Vereinen, die sich mit dem Thema Müllvermeidung beschäftigen wie beispielsweise Zero Waste empfohlen, auf Qualität zu setzen. Doch was bedeutet das in der Praxis? Im Grunde genommen funktioniert das ganz einfach: Bevor eine Neuanschaffung getätigt wird, sollte sich jeder die einfache Frage stellen, ob er das Produkt wirklich benötigt. Das würde schon einmal eine große Menge an unnötigen Impulskäufen verhindern.
Ist der Kauf erforderlich, sollte in weiterer Folge nicht sofort nach dem billigsten Produkt Ausschau gehalten werden, sondern nach jenem, bei dem das Verhältnis von möglicher Nutzungsdauer und Anschaffungspreis am besten ist.
Gerade bei Spielzeug ist es beispielsweise ratsam, auf Materialen wie Holz statt auf Kunststoff zu setzen. Denn die sind nicht nur umweltfreundlicher und gesundheitsschonender für das Kind, sondern halten in der Regel auch viel länger und können bei Bedarf auch repariert werden. Damit sind wir auch schon beim nächsten Punkt angelangt.
Wertvolle Dinge reparieren lassen und nicht gleich wegschmeißen.
Die Digitalisierung hat der Menschheit mit Sicherheit viele Vorteile gebracht. Gefühlt ist der Planet dadurch wesentlich kleiner geworden, weil es durch das World Wide Web sehr einfach ist, sich über Produkte auf der ganzen Welt zu informieren und mit Menschen in Kontakt zu treten.
Der Technologie-Schub hat jedoch auch dazu geführt, dass viele Produkte nur eine sehr begrenzte Lebensdauer haben. Die Hersteller statten beispielsweise ihre Smartphones von einer Produktgeneration zur nächsten mit immer neuen Features aus, auf die so mancher „Early Adopter“ nicht verzichten möchte. Bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, dass vieles davon gar nicht benötigt wird.
Haushaltsgeräte sind in den Elektromärkten so billig geworden, dass sich eine Reparatur kaum lohnt. Doch langsam ist eine Trendumkehr zu bemerken, die jedoch noch nicht bei der großen Masse angekommen ist. Die moderne Technologie kann auch dazu beitragen, dass die Lebensdauer von wertvollen Geräten wieder langlebiger wird. Das zeigt sich beispielsweise beim 3D-Druck, mit dem es auf einfache Art und Weise möglich ist, Ersatzteile für die eigene Waschmaschine oder die Spülmaschine selbst zu drucken. Das erspart lange und unnötige Transportwege über die halbe Welt und entlastet die Umwelt.
Zudem ist es heutzutage wesentlich einfacher, zu erfahren, wie sich Dinge reparieren lassen. Denn auf YouTube und anderen Videoplattformen gibt es zu so gut wie jedem Produkt ein entsprechendes Online-Tutorial, wie sich dieses reparieren lässt.
Für alle, die dennoch nicht selbst Hand anlegen möchten, gibt es mittlerweile in jeder größeren Stadt mehrere Reparaturwerkstätten und ehrenamtlich geführte Repair-Cafés. In weltweit über 2.000 dieser Einrichtungen sorgen fast 36.000 Ehrenamtliche dafür, dass monatlich durchschnittlich mehr als 43.000 Gegenstände wieder repariert werden. Der Verein unterstützt jeden Interessierten, der selbst ein Repair-Café eröffnen möchte, mit einem digitalen Startpaket.
Nachhaltiges Wohnen wird immer mehr zum Trend
Wenn junge Menschen das erste Mal daran denken, dass elterliche Nest zu verlassen und sich selbst eine passende Bleibe zu suchen, führt einer der ersten Wege zumeist direkt zu einem der bekannten Möbel-Diskonter. Kein Wunder, denn der Anschaffungspreis der Diskont-Möbel liegt zumeist weit unter jenem von Qualitätsmöbeln.
Doch die aus billigen Spanplatten hergestellten Kästchen sind nicht nur umwelttechnisch äußerst bedenklich, sie haben darüber hinaus auch eine recht kurze Lebensdauer und belasten so die Umwelt gleich doppelt.
Die deutlich ökologischere Wahl stellen nachhaltige Designermöbel dar, die nicht nur mit hochwertiger Verarbeitung, sondern auch mit einer langen Lebensdauer überzeugen. Gerechnet auf die Nutzungsdauer amortisieren sich die etwas höheren Anschaffungspreise der Qualitätsmöbel recht schnell. Denn während die Diskonter-Möbel bereits nach wenigen Jahren entsorgt werden müssen, überdauern hochwertige Möbel oftmals sogar mehrere Generationen.
In Deutschland landen jährlich über sieben Millionen Tonnen Möbeln auf dem Müll. Die durchschnittliche Gebrauchsdauer von Möbelstücken liegt aktuell bei rund neun Jahren. Einige Hersteller machen sich jedoch schon seit längerer Zeit Gedanken darüber, wie sie dieser Verschwendung entgegenwirken können.
Das Motto lautet: „Cradle to Cradle“ – also „Von der Wiege in die Wiege“. Dabei geht es darum, die komplette Kreislaufwirtschaft der Möbelherstellung in Frage zu stellen. Das beginnt bei der Auswahl entsprechend natürlicher Materialien und endet bei der Frage, wie die Möbel recycelt werden können. Wer dem Trend folgen möchte, sollte dabei vor allem auf internationale Gütesiegel wie das „FSC Siegel“, „Blauer Engel“ oder „Öko-Control“ achten.
Verpackungen beim täglichen Bedarf vermeiden
Allein in Hessen sind im Jahr 2019 mehr als 400.000 Tonnen an Verpackungsmüll angefallen. Das hat einige findige und gleichzeitig umweltbewusste Unternehmer auf den Plan gerufen, einen sogenannten „Unverpackt-Laden“ eröffnen. Dabei handelt es sich um Einzelhandelsgeschäfte, die sich von den anderen Shops vor allem dadurch unterscheiden, dass das gesamte Sortiment frei von Verpackungen und Gebinden ist.
Der Fokus liegt dabei auf dem Angebot von unverpackten Lebensmitteln und Produkten. Die ersten entsprechenden Läden eröffneten bereits im Jahr 2010. Mittlerweile gibt es deutschlandweit schon fast 400 davon und mehr als 250 weitere sind bereits in Planung.
Gebraucht kaufen, ausleihen und gemeinsam nutzen
Viele Dinge werden gekauft, obwohl von Beginn an klar ist, dass sie voraussichtlich nur einmal oder zumindest nur sehr selten Verwendung finden werden. Dazu gehören zahlreiche Maschinen aus dem Baumarkt wie beispielsweise ein Fliesenschneider oder ein Teppichbodenentferner.
Statt diese Geräte zu kaufen, ist es wesentlich umweltfreundlicher und abfallschonender, diese auszuleihen. Zahlreiche Händler bieten mittlerweile einen entsprechenden Leihservice an. In vielen Fällen haben sich Siedlungen und Vereine zusammengeschlossen, um sich solche Maschinen für die gemeinsame Nutzung zu besorgen. Dort können sie dann kostengünstig oder manchmal sogar gratis für ein paar Tage ausgeliehen werden.
Wer dennoch lieber besitzt als leiht, sollte eventuell darüber nachdenken, ob es sich dabei immer gleich um Neuware handeln muss. Gebrauchte Geräte erfüllen oftmals den Zweck mindestens genauso gut und sind darüber hinaus zumeist noch erheblich billiger.
Werden sie nach der Nutzung nicht mehr benötigt, können sie auf zahlreichen Online-Plattformen auch selbst wieder in den Wirtschaftskreislauf gebracht werden.
Die Summe der einzelnen Teile
Zusammengefasst: Es gibt nicht die eine große Maßnahme, die unser Müllproblem von heute auf morgen lösen wird. Es ist die Summe der einzelnen Teile, die mittel- bis langfristig dazu führen muss, dass in den nächsten Jahrzehnten deutlich weniger Müll anfällt als noch heute.
Denn das sind wir nicht nur uns selbst, sondern vor allem den nächsten Generationen von Menschen schuldig, die ebenso ein Anrecht auf einen sauberen Planeten haben, wie wir.
Deshalb ist es wichtig, nicht das globale Problem zu kritisieren, sondern vor der eigenen Haustüre zu kehren und die Lösung bei sich selbst zu suchen. Jeder kleine Schritt ist dabei zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.