Deutsche Lehrende und Studierende in Österreich

Deutsche Lehrende und Studierende in Österreich

Unser Nachbarland Österreich bietet 22 staatliche und 16 private Universitäten, die eine höhere akademische Ausbildung bieten. Geradezu magnetisch scheinen sie auf Lehrende und Studierende aus Deutschland zu wirken.

Der Deutschen-Anteil an Österreichs Hochschulen

Immer mehr Lehrkräfte und Studierende aus dem Land der Piefke zieht es nach Österreich. Die Alpenrepublik lockt mit einer malerischen Landschaft, einer hohen Lebensqualität und natürlich dem fehlenden Numerus clausus. Im Jahr 2019 studierten beispielsweise mehr als 30.000 Deutsche an österreichischen Universitäten. Damit machen sie rund ein Drittel aller ausländischen Studierenden aus. Das ist eine beachtliche Zahl, die wahrscheinlich vor allem mit der hohen Einwohnerzahl Deutschlands und der fehlenden Sprachbarriere zu begründen ist.

Doch nicht nur Studierende versuchen ihr Glück in Österreich. Auch die Lehrstühle werden immer häufiger von Deutschen besetzt. Bereits im Jahr 2017 waren 28 % der Professoren an den österreichischen Universitäten Deutsche. Das wird im Land selbst nicht nur positiv aufgenommen. Manche befürchten gar eine Germanisierung der österreichischen Lehre.

NC-Flüchtlinge sorgen für Deutschenschwemme

Der gefürchtete Numerus clausus ist mehr als ein reines Schreckgespenst. Er kann dazu führen, dass das Traumstudium in Deutschland nicht angetreten werden kann oder dass junge Menschen jahrelang auf einen Platz warten müssen. Wer das nicht hinnehmen möchte, weicht gerne nach Österreich aus. Dort gibt es nämlich keinen Numerus clausus. Das Abitur, ähnlich zum österreichischen Matura, genügt meist als Qualifikation für den gewünschten Studiengang.

Hochschulen und Privatuniversitäten setzen hingegen häufig eigene Aufnahmeverfahren ein, die mitunter sehr streng sein können. Wer sich gut vorbereitet und sich wirklich für das Fach interessiert, hat also gute Chancen, den Studienplatz auch zu bekommen, muss sich dafür aber gegen jede Menge Mitbewerber durchsetzen. In Deutschland bliebe vielen Bewerbern diese Chance einfach aufgrund ihres Abitur-Schnitts komplett verwehrt.

Die Zahl der deutschen Studierenden in Österreich ist in den vergangenen Jahren so groß geworden, dass schon von einer „Deutschenschwemme“ die Rede ist. Früher wurde dieser Begriff benutzt, um deutsche Urlauber in Österreich zu beschreiben. Die Bedeutungsänderung ist bezeichnend für die Situation an den österreichischen Unis, die nicht immer wohlwollend betrachtet wird.

Wer in Deutschland keinen Studienplatz bekommt, muss übrigens nicht direkt ins Ausland ausweichen. Tatsächlich gibt es Alternativen. Eine Möglichkeit ist beispielsweise eine Studienplatzklage. Denn tatsächlich gibt es viele Universitäten und Hochschulen, die durchaus in der Lage wären, mehr Studierende aufzunehmen, es aber aus verschiedenen Gründen nicht tun und sich auf den Numerus clausus beziehen. Dieser ist aber nur dann verfassungskonform, wenn die Universitäten aufgrund voll ausgeschöpfter Kapazitäten einfach keine andere Wahl mehr haben, als die Teilnehmerzahl für den Studiengang zu beschränken. Es kann sich also durchaus lohnen, rechtliche Schritte einzuleiten.

Lehrende mit deutschem Migrationshintergrund

Professoren, Dozenten und wissenschaftliche Mitarbeiter aus Deutschland machen einen erstaunlich großen Teil der Lehrenden in Österreich aus. In manchen Städten sind die Quoten besonders hoch. Dort machen die Deutschen bis zu 45 % des Lehrkörpers aus. Die Anzahl der Lehrenden aus allen anderen EU-Ländern gemeinsam ist deutlich geringer.

Das hat Spuren hinterlassen und führt bei vielen österreichischen Professoren zur Frustration. Denn durch diese geballte Zahl an zugewanderten Lehrkräften verändert sich auch die Lehre selbst. Deutsche sind eben keine Österreicher und haben meist wenig Erfahrung mit regionalen und lokalen Gebräuchen und Gepflogenheiten, die auch Teil der akademischen Lehre sein können. Das trifft vor allem auf die geisteswissenschaftlichen Fächer zu.

Hinzu kommt, dass sich viele deutsche Lehrende nicht ausreichend integrieren und so dazu beitragen, dass der deutsche Einfluss zu einer vorherrschenden Strömung an österreichischen Universitäten wird. Es wird sogar schon von einer Germanisierung der Hochschulen im Alpenland gesprochen. Diese scheint auch Kunst und Kultur immer mehr zu ergreifen. Denn Opern, Museen und andere kulturelle Einrichtungen werden ebenfalls häufig in deutsche Hände gegeben.