Die Kranken- und Altenpflege ist mindestens seit Corona häufig im Gespräch und sicher ist: Klatschen allein ist nicht ausreichend. Innerhalb des Pflegestandes gibt es erhebliche Probleme, die aus Überlastungen, Personalnot, Zeitknappheit und weiteren Schwierigkeiten bestehen. Aber was muss sich ändern, damit auch die häusliche Pflege, die oft von kirchlichen oder auch privaten Trägern bereitgestellt wird, eine Änderung erfährt?
Was umfasst die häusliche Pflege?
Die häusliche Pflege ist in der Praxis ein sehr breit gefächerter Bereich, der die unterschiedlichsten Leistungen und Formen beinhalten kann:
- Unterstützung – dieser Bereich gehört nicht in die medizinische Pflege, ist aber ein fester Bestandteil der häuslichen Pflege. Oft von Sozial- und Kirchverbänden organisiert, helfen Kräfte älteren Menschen bei Einkäufen, im Haushalt oder begleiten sie zu Arztbesuchen.
- Medizinische Pflege – sie ist fest an die jeweilige Pflegestufe gebunden. Die Pflegekräfte kommen zu festen Zeiten am Tag zum Pflegebenötigten und helfen bei der Medikamenteneinnahme, der Versorgung, Verbandswechsel oder auch bei der künstlichen Nahrungsaufnahme. Welche Arbeiten in diesen Bereich fallen, hängt von dem gesundheitlichen Zustand des Betroffenen, dessen Pflegestufe und etwaigen Angehörigen ab.
- Rundum-Pflege – bei diesem Modell ist eine feste Pflegekraft fest und dauerhaft angestellt. Sie lebt meist in den Räumlichkeiten des Pflegebedürftigen und kümmert sich rund um die Uhr, sieben Tage die Woche um dessen Belange. Die Pflege umfasst den medizinischen, häuslichen und den unterstützenden Bereich.
Die häusliche Unterstützung kann mit der medizinischen Pflege kombiniert werden, wobei dies immer zeitlich begrenzt ist. Es kommt letztlich immer auf den Einzelfall an.
Wo liegen die Probleme?
Die Hauptprobleme der häuslichen wie der stationären Pflege lassen sich auf die zwei folgenden Bereiche verdichten:
1. Zu wenig Pflegepersonal
Die Personalausstattung von Pflegeheimen mit Personal ist nach wie vor zu gering. Auch wenn die Bundesregierung mit ihrer Pflegereform 2021 erste Schritte eingeleitet hat, sind 20.000 Pflegeassistenzkraftstellen zusätzlich nach wie vor zu wenig. Es bleibt zu hoffen, dass darauf künftig weitere Schritte zur personellen Entlastung folgen. Um den Beruf attraktiv zu machen, werden ab September 2022 zudem nur noch Pflegeeinrichtungen zugelassen (die Leistungen mit der gesetzlichen Pflegeversicherung abrechnen dürfen), die ihre Pflege- und Betreuungskräfte nach Tarif bezahlen.
2. Pflege wird für Pflegebedürftige Menschen immer teurer
Gerade für Bewohner in Pflegeeinrichtungen wird die Pflege zunehmend teurer. Durchschnittliche Kosten von 2.100 Euro pro Jahr sind keine Seltenheit. Zum Glück sollen diese durch das GVWG künftig entlastet werden und ab Pflegegrad II Zuschüsse erhalten, die Teile der Pflegekosten decken. Auch hier ist ein erster Schritt getan, der jedoch schnell Korrekturen bedürfen könnte, wenn die tarifgebundene Bezahlung sich voll auf die Heimkosten niederschlägt. Allgemein gehen Experten davon aus, dass die Zuschüsse schnell wieder aufgezehrt und die Eigenanteile sich wieder dem jetzigen Niveau annähern könnten.
Pfleger sollten ohne Frage angemessen bezahlt werden. Doch ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts könnte zudem die Rundum-Pflege im eigenen Haus beenden. Es wird nur wenigen möglich sein, eine Rundum-Kraft 24/7 zu beschäftigen, zu bezahlen und eine zweite Kraft für Ruhe- und Urlaubszeiten zu beschäftigen. Hier sollte die Politik weitere Lösungen finden, um ein funktionierendes Modell nicht komplett abzuschaffen.
Bessere Pflegemodelle könnten Pflegende zudem so aufstellen, dass sie Unterstützungsaufgaben und medizinische Aufgaben übernehmen könnten, dabei einen kleineren Patientenstamm hätten und trotzdem besser verdienen.
Fazit – Sparkurs muss beendet werden
Die nächste Regierung muss den Sparkurs im gesamten Pflegesektor stoppen und die Abrechnungsmodelle auf allen Seiten verbessern. Bislang blieben die häuslichen Pflegedienste oft außen vor, obgleich die Pflegekräfte dort auf sich allein gestellt einen Großteil der Arbeit übernehmen und noch mehr leisten würden, wäre dies möglich. Mit einer immer älter werdenden Gesellschaft müssen natürlich neue Modelle erschaffen werden, die es Senioren ermöglichen, bis ins hohe Alter selbstständig, doch im gesicherten und unterstützen Umfeld zu leben.