Die fortschreitende Globalisierung brachte viele Veränderungen in allen Branchen mit sich. Diese machen auch vor der Gesundheitsbranche nicht halt. Die Geschäftsfelder Medizin und Tourismus verschmolzen. So entwickelte sich in den letzten Jahren ein Milliardenmarkt.
Patienten wagen auf der Suche nach der besten Behandlung den Blick über den Tellerrand. Doch was ist der Medizintourismus überhaupt? Und für welche Behandlungen lohnt es sich wirklich?
Was versteht man unter Medizintourismus?
Medizintourismus ist der offizielle Begriff für die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen aus einem anderen Land.
Behandlungswillige reisen alleine oder mit der Familie an, um eine ärztliche Behandlung im Ausland durchführen zu lassen. Nicht wenige bleiben ein paar Tage länger und verbringen dort noch einen kurzen Urlaub.
Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Phänomens nimmt stets zu. Experten rechnen damit, dass im Jahr 2025 mindestens 4% der Bevölkerung Medizintourismus betreiben werden.
Beliebte Behandlungen
Besonders beliebt sind minimal invasive und elektive Eingriffe, die unter den Aspekt der Schönheitsoperationen fallen. Dies sind Behandlungen und Operationen, die nicht zwingend notwendig sind und einen recht überschaubaren Aufwand aufweisen.
Klassischerweise sind Haartransplantationen, Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen oder Magenverkleinerungen statt abnehmen und Laserkorrektur der Augen Motive für Medizintourismus.
Grundsätzlich werden auch medizinisch notwendige Eingriffe durchgeführt. Die Nachfrage in Deutschland von ausländischen Patienten ist in den Bereichen Orthopädie, Innere Medizin und Chirurgie besonders hoch.
Die Vorteile
Die Gründe für den Medizintourismus sind je nach Destination vielfältig und komplex. Zum einen kann der Kostenfaktor die entscheidende Rolle spielen. Ein anderer Aspekt sind bessere Qualitätsstandards und Expertise auf dem Fachgebiet. Tatsächlich gilt im Ausland vor allem Deutschland als Hochburg für hochwertige Einsätze rund um Schönheit, Gesundheit und Körperpflege. Viele Touristen reisen in die Bundesrepublik, da die Reputation der Ärzte hierzulande international positive Wellen schlägt.
Geringere Wartezeit
Auf den OP-Termin monatelang warten? Im Ausland nicht zwingend notwendig, Medizintouristen genießen einen Sonderstatus und werden bevorzugt behandelt. Diese zeitnahe Behandlung sorgt bei Patienten für einen kürzeren Leidenszeitraum und ist wohl der plausibelste Grund für Medizintourismus.
Kosten sparen
Patienten sparen zwischen 40%-80%, wenn sie sich im Ausland behandeln lassen. Diese Kosten begründen sich unter anderem mit niedrigerer Bezahlung des Personals, geringen Materialkosten und einer anderen Infrastruktur der medizinischen Einrichtungen.
Flexibilität
Über digitale Kanäle lassen sich schnell per Video Call Preisindikationen und weitere Informationen von den Ärzten einholen. Darüber hinaus sind die regulatorischen Faktoren oft geringer, sodass der gesamte Prozess von Erstkontakt bis Behandlung deutlich schneller vonstattengeht.
Die Nachteile
Wie jede Bewegung bringt auch der Medizintourismus ein paar Nachteile mit sich. Diesen Faktoren sollten sich Patienten stets bewusst sein.
Der Aufwand
Je nach Behandlung ist es notwendig bereits einige Tage bis hin zu 2 Wochen vor der Behandlung anzureisen.
Durchquert man mehrere Zeitzonen ist dies eine zusätzliche Belastung für den Körper. In jedem Fall müssen Flüge, Bahnreisen und Hotels gebucht werden, um den Ort der Behandlung zu erreichen. Dokumente müssen übersetzt, beglaubigt und unterzeichnet werden.
Neben diesem finanziellen Mehraufwand benötigt man einen großen Teil des Urlaubs.
Vermittler und versteckte Kosten
Da der Prozess an sich komplex erscheint, verlassen sich viele Patienten aus dem Ausland auf Agenturen und Vermittler. Diese haben sich auf Medizintourismus spezialisiert, sollen beratend zur Seite stehen und die wichtigsten Aufgaben sowie Buchungen übernehmen. Hier sollte man vorab alle Unterlagen sorgfältig prüfen, um versteckte Kosten zu vermeiden.
Eine andere Kultur und eine andere Sprache
Die Kommunikation mit Arzt, Schwestern und Pflegepersonal erfolgt zumeist nicht in der Muttersprache. Jedoch ist die optimale Verständigung zwischen Patienten und Arzt die Basis für ein vertrauensvolles Verhältnis. Es kann demnach sowohl vor, als auch während und nach der Behandlung zu Herausforderungen aufgrund von Sprachschwierigkeiten kommen.
Dies betrifft auch die nonverbale Kommunikation wie Gestik und Mimik. Ungewohnte Speisen, Getränke sowie klimatische Bedingungen können den Heilungsprozess verschlimmern und allgemein zu einem Chaos führen, sofern man sich mit den Gewohnheiten vor Ort nicht im Vorfeld bereits intensiv auseinandergesetzt hat.
Andere Qualitätsstandards
Das medizinische Personal in Deutschland wird sehr sorgfältig geschult und die Auswahl der verwendeten Materialien streng kontrolliert. Ob dies in anderen Ländern ebenfalls so ist, sei zur Diskussion gestellt. Vor der Behandlung sollte man klären, ob eine Garantie für Materialien vorhanden ist. Die Erkundigung nach dem Umgang mit Nachkorrekturen, Komplikationen, Spätfolgen und Unzufriedenheit ist bereits im Erstgespräch essentiell. In anderen Nationen wird meist viel versprochen, was sich dann in Kundenbewertungen auf versteckten Webseiten gegenteilig präsentiert. Viele, die ihr Vertrauen in ausländische Eingriffe legen sind im Nachhinein schockiert über die Ergebnisse, werden aber juristisch belangt oder durch professionelle Abwicklung digital im Keim erstickt.
Abschließend steht die Frage nach einer optimalen Nachsorge im Raum. Ärzte im Heimatland weisen eine weitere medizinische Behandlung internationaler Patienten oftmals ab. Zu dieser Nachsorge gehören auch notwendige Rehas oder Weiterbehandlungen.