Eigentlich ist die Idee eines einheitlichen Kabelstandards gar nicht so neu. Schließlich gibt es den allseits bekannten USB-Standard bereits seit einem guten Vierteljahrhundert. Auch die Bezeichnung USB ist kein Zufall. Schon der allererste USB-Anschluss war als universelle Datenverbindung konzipiert, die alles einfacher machen sollte.
Im Rückblick ein guter erster Schritt, denn es gibt heute kaum noch ein Gerät ohne einen oder mehrere USB-Anschlüsse. Inzwischen will sogar die Politik der EU nachhelfen und per Gesetz dafür sorgen, dass auch die letzten Querulanten der Tech-Branche ihren Kunden die Nutzung des neuen USB vom TYP-C ermöglichen.
Doch die Geister der Gelehrten scheiden sich daran, ob USB-C wirklich die beste Lösung sein kann. Es gibt Befürchtungen, dass dadurch noch mehr neue Probleme entstehen werden. Außerdem steht es in Konkurrenz zur Lightning-Schnittstelle des Tech-Riesen Apple.
Tatsächlich ist das neue EU-Gesetz nicht die erste regulatorische Breitseite der EU-Kommission, die seitens mancher großer Hersteller als übergriffiger Markteingriff verstanden werden kann. Bereits der Anfang des Jahres 2022 beschlossene EU Chips Act zielt laut diesem Bericht von gaminggadgets.de darauf ab, den Umgang mit kostbaren Ressourcen besser zu kontrollieren.
Ob das gemeinsame Vorhaben beider Gesetze am Ende wirklich zu einer Steigerung der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit und einer Stärkung der Marktposition der EU führen wird, bleibt abzuwarten.
Ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen: USB-C und der Apple Lightning-Connector
Tatsächlich verfügen die meisten neueren Android-Smartphones ohnehin bereits über eine USB-C-Schnittstelle. Dasselbe gilt sogar für diverse iPads und MacBooks der Marke Apple. Die Geräte lassen sich problemlos über ein entsprechendes herkömmliches USB-C-Kabel aufladen und zwecks Datenübertragung mit dem Computer verbinden.
Bei einem Großteil seiner Mobilgeräte ist Apple allerdings seit jeher einen Sonderweg gegangen. Für die Verbindung der iPhones, iPods und iPads der ersten Generation war beispielsweise noch ein 30-Pin-Connector erforderlich. Ab 2012 wurde das firmeneigene Lightning-Kabel zum neuen Standard vieler Apple-Mobilgeräte erhoben.
Es verfügte über nur 8 Pins und war wesentlich schmaler, kleiner, leichter und somit viel praktischer. Ein weiterer Vorteil war der symmetrische Aufbau, der das Kabel verdrehungssicher machte. Dies war seinerzeit ein in vielerlei Hinsicht fortschrittliches Alleinstellungsmerkmal, das den Einschub wesentlich erleichterte und gleichzeitig den Verschleiß von Einschubbuchsen reduzierte.
Ironischerweise wandte man das Prinzip der symmetrischen Bauform dann endlich auch bei der späteren Entwicklung der USB-C-Schnittstelle an, die 2014 eingeführt wurde. Zwei Jahre später erklärte die IEC-Organisation, die weltweit agierende Elektronische Normungskommission, USB-C zum international verwendbaren Standard. So konnte sich dieser leichter global durchsetzen.
Ein lang gehegter Plan wird Realität: Einheitliche Ladebuchse ist beschlossene Sache
Anfang 2021 wurden erstmalig konkrete Absichten der Europäischen Kommission öffentlich verlautbar, dass man seitens der Politik an einem Gesetzesentwurf für die Vereinheitlichung von Ladesteckern auf EU-Ebene arbeitet. Ziel war die Einführung einer Standardschnittstelle für Mobilgeräte, Laptops, Kameras, Kopfhörer und Geräte mit einem vergleichbaren Strombedarf.
Im September selben Jahres stellte die EU-Kommission ihren Entwurf vor, aus dem hervorging, dass USB-C für die EU-Standardisierung vorgesehen war. Am 7. Juni 2022 wurde dann endgültig beschlossen, dass ab Mitte 2024 alle in der EU vertriebenen Smartphones sowie eine Reihe weiterer elektronischer Kleingeräte mit dem Standardladeanschluss ausgestattet sein müssen.
Außerdem betroffen sind zum Beispiel Tablets, E-Reader, tragbare Lautsprecher, Headsets, Kopfhörer sowie tragbare Spielkonsolen, Navigationsgeräte, Tastaturen und Mäuse. Ausnahmen bilden lediglich Kleingeräte, bei denen die Integration wegen der zu geringen Dimensionen technisch unpraktikabel wäre. Darüber hinaus wurde die Frist bei Laptops auf 40 Monate ab Inkrafttreten verlängert.
Apple sieht den USB-C-Zwang skeptisch
Der Marktführer Apple ist wenig begeistert und steht den Absichten skeptisch gegenüber. In einer offiziellen Stellungnahme im Zuge der Rückmeldefrist für erste Vorschläge der EU-Kommission ließ Apple erklären, dass die Verpflichtung zum Einbau eines einheitlichen Anschlusstyps Innovationen im Bereich der Ladetechnik blockiere. Zudem sei die angesetzte Übergangsphase zu kurz, die Unternehmen bei derartigen Gesetzeseinführungen üblicherweise für die Umsetzung benötigen. Weiterhin gehe man davon aus, dass Kunden der Kauf älterer und günstigerer Vorgängermodelle verwehrt bliebe.
Laut Apple wären solche Zwangsauflagen im Übrigen sogar schlecht für die Umwelt und unnötig störend für die Kunden. Wenn es wirklich so kommt, wie Apple es verkünden ließ, hätte das EU-Gesetz de facto einen Effekt, der, zumindest was bestimmte Applegeräte betrifft, einer geplanten Obsoleszenz gleichkommt.
Verständlicherweise wäre es eher im Sinne von Apple gewesen, wenn der hauseigenen Lightning-Schnittstelle der Vorzug gewährt worden wäre. Und dies wäre sicher nicht nur dem Erhalt der Entwicklungsflexibilität zuträglich. Bekanntlich betreibt Apple ein lukratives Zusatzgeschäft mit den Lightning-Kabeln. So müssen Dritthersteller von Lightning-Kabeln ihre Waren über Apples MFI-Programm zertifizieren lassen.
Technikexperten sehen zusätzliche Probleme
Es gibt berechtigte Zweifel, dass die allgemein vorherrschenden Qualitätsstandards bei der Herstellung von USB-C-Kabeln nicht mit denen bei den Herstellern von Lightning-Kabeln vergleichbar sind.
Die Wahrscheinlichkeit, seine Geräte in Zukunft mit minderwertigen oder falschen Verbindungen zu beschädigen, könnte steigen. Zudem ist der USB-C-Standard keineswegs absolut verwechslungssicher. Aktuell gibt es mindestens neun verschiedene USB-C-Anschlüsse.
Außerdem könnte es passieren, dass bestimmte Hersteller in absehbarer Zukunft gänzlich auf den Einsatz kabelloser Ladetechnologien setzten, um den Implementierungszwang von USB-C-Buchsen zu entgehen. Bei diesen wird es sich mit ziemlicher Sicherheit erneut um markeneigene geschützte Technologien handeln.
EU-Gesetzt soll viele Vorteile für Verbraucher und Umwelt bringen
Für die Verbraucher fängt das Glück schon an der Ladentheke an. Denn das neue Gesetz sieht vor, dass Verbraucher beim Kauf die Entscheidung haben sollen, ob sie ihr neues Gerät samt einem Ladegerät oder lieber separat erwerben möchten.
Der Gedanke macht Sinn. Denn durch die aktuellen Geschäftsgebaren des aufgezwungenen Verkaufs von Geräten inklusive Kabeln haben Nutzer mehr Kabel sowie Ladegeräte als nötig, was mit Nachhaltigkeit bestimmt nichts zu tun hat. Logischerweise wird auch das Portemonnaie geschont. Nach offiziellen Hochrechnungen von Wirtschaftsexperten der EU-Kommission lassen sich durch die Vermeidung der Kosten für redundante Ladekabel und -geräte etwa 250 Millionen Euro pro Jahr sparen.
Ein weiterer sehr erfreulicher und offensichtlicher Vorteil ist die neugewonnene Unabhängigkeit. In Zukunft wird man in Europa nur noch selten in die Verlegenheit kommen, dass man sein Smartphone oder Mobilgerät nicht laden kann.
Im Durchschnitt sind etwa Zweidrittel aller Kabel und Ladegeräte ungenutzt. Allein angesichts des allgemeinen Rohstoffmangels ist der bisher geduldete Kabelsalat mehr als nur ein lästiger Umstand einzelner Bürger, sondern vielmehr ein ernst zu nehmendes Problem, das alle betrifft.
Experten gehen davon aus, dass man das Aufkommen des Elektroschrotts und der mit der Produktion von Elektronik verbundenen Belastungen durch das neue Gesetz deutlich senkt. Nach fundierten Schätzungen der Behörden lässt sich durch die neuen EU-Regelungen die jährliche Gesamtmenge des Elektroschrotts um einen zweistelligen Tausenderbereich reduzieren.