„In der Inflation gewinnen nur die Spekulanten und die Nullen.“ – dieses Zitat von Marketing-Manager Fritz P. Rinnhofer zeigt die Problematik der Geldentwertung gut auf. Trotzdem hält sich hartnäckig, dass in einer Inflation Schulden oft die bessere Wahl darstellen als der Aufbau von Vermögen. Doch was steckt eigentlich hinter diesem Gedankengang und was sollten potenzielle Schuldner aktuell tun?
Inflation = Geldentwertung = Schuldenentwertung?
In Deutschland herrscht aktuell eine hohe Inflation. Die Inflationsrate betrug zwischen April und Juni ca. 7,6%. Praktisch bedeutet das: Verbraucher können heute für 100 Euro durchschnittlich nur noch Waren und Dienstleistungen im Wert von 92,40 Euro kaufen. Unser Geld wird also real weniger wert. Da die Bruttomonatsverdienste im gleichen Zeitraum nur um 2,9% gestiegen sind, haben die Menschen in Deutschland real weniger Kaufkraft.
Daraus lässt sich auch ableiten, dass aufgenommene Schulden an Wert verlieren. Wer also im März 2022 einen Kredit über 1.000 Euro aufnahm, hat jetzt ohne eigenes Zutun praktisch bereits 76 Euro abgezahlt. Diese Form der Schuldenentwertung könnte nun Verbraucher dazu verlocken, sich gerade in dieser Zeit höher zu verschulden, da sich Kredite ja praktisch „von allein“ zurückzahlen. Doch es gibt diesbezüglich einige Hürden:
1. Banken preisen die Inflation mit ein
Um die Entwertung der Schulden einzudämmen, preisen viele Banken die Inflation zumindest teilweise mit in diese Zinsen ein. Wer also einen Kredit aufnehmen möchte, sollte vorher die Angebote genau vergleichen und ein Angebot mit möglichst niedrigen Zinsen auswählen. Nur dann können Kreditnehmer auch tatsächlich etwas von der Schuldenentwertung profitieren
2. Kreditaufnahme um jeden Preis sorgt immer für Probleme
Ein Kredit sollte niemals Selbstzweck sein. Wird die ausgezahlte Summe am Ende gar nicht benötigt, sorgt dies nur für unnötige Zinszahlungen. Das schränkt wiederum den eigenen finanziellen Spielraum deutlich ein. Aus diesem Grund sind Kredite nur dann sinnvoll, wenn die Kreditsumme auch entsprechend zum eigenen Vorteil eingesetzt werden kann. So könnte es sich lohnen, eine günstige Baufinanzierung zu nutzen und die langfristige Zinsbindung zu nutzen, um durch die Inflation unter dem Strich Geld sparen zu können. Werden also Werte mit dem Kredit geschaffen, können Kreditnehmer am Ende tatsächlich von der Inflation profitieren.
3. Niemals die eigenen finanziellen Möglichkeiten überschätzen
Darüber hinaus ist es sehr wichtig, niemals zu viele Darlehen aufzunehmen. Die Inflation kann bei einer Kreditaufnahme nur wirken, wenn das Darlehen auch planmäßig zurückgezahlt wird. Andernfalls kündigt die Bank den Kredit und stellt diesen sofort fällig.
4. Ersparnis gilt nur für Darlehen mit gebundenem Zinssatz
Eine eventuelle Einsparung durch die Inflation können Kreditnehmer nur bei Darlehen nutzen, die einen gebundenen Sollzins aufweisen. In diesem Fall wird der Zinssatz bei Vertragsabschluss einmalig festgelegt und gilt über die gesamte Laufzeit hinweg. Bei variabel verzinsten Darlehen findet hingegen oft alle 3 Monate eine Angleichung an das allgemeine Zinsniveau statt. In diesem Fall würde der Zinssatz schnell an die inflationäre Entwicklung angepasst und es ergäbe sich keine Einsparung mehr.
5. Bei zu starker Inflation könnten sogar fixe Zinsen geändert werden
Es besteht bei galoppierender Inflation nach §313 BGB sogar die Möglichkeit, dass Banken wegen der Störung ihrer eigenen Geschäftsgrundlage höhere Zinsen für einen Kredit mit gebundenem Sollzins verlangen dürfen. Dies gilt jedoch erst bei deutlich höheren Werten.
6. Inflation lässt den realen finanziellen Spielraum sinken
Bei hoher Inflation sinkt der monatliche Reallohn. Dies liegt an der Tatsache, dass die Lohnerhöhungen im Normalfall nicht der Inflationsrate Schritt halten können. Durch die geringere Kaufkraft wird es also schwieriger, alle wichtigen Ausgaben zu tätigen und dann auch noch Geld zurückzulegen. Ein zusätzlicher Kredit sorgt für weitere Kosten, die den eigenen Spielraum noch einmal senken.
Darüber hinaus steigen auch die Anschaffungskosten für Wertgegenstände wie Immobilie oder andere Anlagegüter. Zum einen schießen die direkten Kaufpreise in die Höhe und zum anderen werden bei einem Hausbau auch die Materialien sowie die Handwerker teurer. Die Folge: Viele Projekte lohnen sich nicht mehr.
Wenn ein Kredit benötigt wird: Was ist zu beachten?
Sollte unabhängig von der Situation ein Kredit notwendig werden, kann die Inflation ein zusätzlicher Sparfaktor sein. Trotzdem ist es deutlich wichtiger, für die Kreditwahl die zentralen Merkmale der einzelnen Angebote genauer unter die Lupe zu nehmen.
Dazu gehören:
1. Zinsen vergleichen
Ein Blick auf den Zinssatz ist für eine fundierte Kreditwahl essenziell. Hierbei sollten Kreditnehmer jedoch nicht die Mindestzinssätze betrachten, die oft in Vergleichstabellen zu finden. Viel interessanter ist häufig der verwendete Zinssatz im repräsentativen Beispiel. Dieses muss laut §17 Preisangabenverordnung (PangV) so gewählt werden, dass es von der Bonität her für zwei Drittel aller potenziellen Kunden passend erscheint. Dieser Zinssatz ist also deutlich näher an den Durchschnittskonditionen bei einer Bank. Letztlich entscheidet aber immer noch die persönliche Bonität des Kreditnehmers.
2. Flexibilität der Rückzahlung
Ob nun kostenfreie Sondertilgung, eine kostenfreie Ratenpause oder eine kostenfreie und unbürokratische Anpassung der Rate – solche Flexibilisierungselemente für die Rückzahlung werden immer interessanter. Auf diesem Weg können Kreditnehmer das eigene Darlehen stets an Veränderungen der eigenen finanziellen Situation anpassen.
3. Geschwindigkeit der Auszahlung
Sollte eilig ein Kredit benötigt werden, spielt auch die Dauer bis zur Auszahlung eine wichtige Rolle. Wird ein Darlehen mit einem volldigitalen Antrag ausgewählt, verkürzt sich die Bearbeitungsdauer häufig auf 1-3 Tage. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass der zeitaufwendige Postweg umgangen wird. Durch eine digitale Signatur und dem Onlineversand wichtiger Unterlagen ist dies nämlich nicht mehr notwendig.
Die Inflation sollte nicht der einzige Grund für einen Kredit sein
Dass die Geldentwertung Schuldnern unter dem Strich hilft, ist durchaus richtig. So wie Sparguthaben an Wert verlieren, funktioniert das Ganze auch im Bereich der Schulden. Trotzdem stellt die Inflation keinen ausreichenden Grund dar, einfach ziellos einen Kredit aufzunehmen. Existiert jedoch ein valider Finanzierungsgrund, wird die Rückzahlung des Kredits unter dem Strich tatsächlich etwas günstiger. Trotzdem ist es noch wichtiger, bei der Kreditwahl auf einige Aspekte zu achten. Dazu gehört der Zinsvergleich genau wie der Check der Leistungsmerkmale einzelner Angebote. Wer vorher eine sorgfältige Auswahl getroffen hat, kann am Ende einen günstigen Kredit finden und im Laufe der Jahre noch den einen oder anderen zusätzlichen Euro einsparen.