Die Beiträge für private und gesetzliche Krankenversicherungen steigen im Jahr 2022.

Private vs. gesetzliche Krankenversicherung: So sehen die Beitragsanpassungen 2022 aus

In den letzten Monaten hat man in immer mehr Bereichen zu spüren bekommen, dass alles im Leben ein wenig teurer wird. Nun sind auch die Krankenversicherungen davon betroffen – sowohl private als auch gesetzliche. Wie die Beitragsanpassungen 2022 aussehen, zeigt dieser Artikel.

Beitragsanpassung: Welche Krankenversicherungen sind betroffen?

Im Laufe des Jahres 2022 sollen Krankenversicherungen teurer werden. Davon sind allerdings nicht nur private Krankenversicherungen betroffen, sondern auch gesetzliche. Somit soll die Private Krankenversicherung Kosten verursachen, die um 4,1 % höher sind als bisher. Die gesetzliche Krankenversicherung soll voraussichtlich nur um 2,0 % ansteigen. Das hat den Grund, dass sich private sowie gesetzliche Modelle ähnlich entwickeln. Immerhin gibt es gesetzliche Regelungen, die genaue Vorschriften dazu geben, wann ein Versicherer die Beiträge anpassen darf.

Welche Krankenkassen es genau sind, die von den Beitragsanpassungen betroffen sind, ist noch nicht ganz klar. Noch nicht jede hat dazu ein Statement abgegeben. Andere Krankenkassen hingegen waren schon schneller und haben ihre Versicherten bereits informiert.

So kann man mit Sicherheit sagen, dass zu den betroffenen Krankenkassen die AOK, die BKK sowie die Handelskrankenkasse und viele weitere zählen. Wenn man sich selbst fragt, ob man ebenfalls betroffen ist, hilft es, sich an die entsprechende Krankenkasse zu wenden. Außerdem variieren die Prozentsätze, um die die Beiträge 2022 bei privaten und gesetzlichen Krankenkassen steigen, von Versicherer zu Versicherer. Pauschalaussagen können daher nicht getroffen werden.

Warum werden die Beiträge 2022 angepasst?

Ein Beitragsplus von 4,1 % bzw. 2,0 % ist sehr viel und macht sich auch definitiv bemerkbar. Doch warum kommt es 2022 nun zu einer solchen Anpassung? Vorab sei gesagt, dass eine Beitragsanpassung der privaten Krankenversicherung nur dann stattfinden darf, wenn die Versicherungsleistungen, die ein Tarif bietet, nachweislich um einen bestimmten Prozentsatz höher sind, als es die ursprüngliche Kalkulation ergeben hat, die dem bisherigen Beitrag zugrunde lag. Ein Prozentsatz von maximal 10 % ist hierbei gesetzlich vorgeschrieben.

Nicht in jedem Jahr überschreiten die Kostensteigerungen der Tarife einer privaten Krankenversicherung die Schwellenwerte. In diesen Jahren ist auch keine Beitragsanpassung notwendig. 2022 sieht das jedoch anders aus.

Medizin wird immer teurer

Die Kosten des medizinischen Fortschritts in Deutschland steigen immer weiter an. Daher darf man in die Berechnung nicht nur den aktuellen Stand miteinbeziehen, sondern auch die Veränderungen der Vorjahre, wenn der Schwellenwert dort bereits überschritten wurde. Man spricht daher auch von einer aufholenden Anpassung der Beiträge. Die Verbesserungen der Medizin, die in den letzten Jahren vorgenommen werden, werden Versicherungsnehmern folglich in einem Schwung in Rechnung gestellt. Deshalb gilt: Je länger keine Beitragsanpassungen vorgenommen wurden, desto höher fällt die Anpassung letzten Endes aus.

Was bei der privaten Krankenversicherung einen großen Anteil ausmacht, ist die Vorsorge für die Gesundheitskosten im Alter. Diese sind logischerweise voraussichtlich höher, da im Alter mit mehr Krankheiten und Gebrechen zu rechnen ist. Somit kommt das, was man mit der PKV heute zahlt, den Versicherten selbst später zugute.

Niedrigzinspolitik als Belastung

Ein weiterer Grund, aus dem sowohl die private als auch die gesetzliche Krankenversicherung im Jahr 2022 teurer werden, ist die Entwicklung der Zinsen. Die bereits beschriebenen Beiträge für die Kosten im Alter stellen eine besondere Leistung der PKV dar. Allerdings wird sie bereits lange von der Niedrigzinspolitik belastet. Immerhin sind es die Zinserträge von Kapitalanlagen der privaten Krankenversicherung, die einen großen Teil zur Vorsorge beisteuern.

Somit fehlt aufgrund sinkender Zinsen einfach Geld. Diese fehlenden Erträge müssen durch höhere Beitragszahlungen ausgeglichen werden. Immerhin ist die Krankenversicherung dazu verpflichtet, auch ältere Menschen in vollem Umfang abzusichern, was nicht gerade günstig ist.

Sinkende Zusatzbeiträge – welche Krankenkassen sind betroffen?

Im Jahr 2022 kommt jedoch nicht nur eine Erhöhung der Beiträge auf Versicherte zu. Denn einige Krankenkassen senken auch ihre Preise. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt bei konstanten 1,3 %. Die BKK zum Beispiel senkt den Zusatzbeitrag jedoch: Die BKK Stadt Augsburg strebt eine Senkung um 0,3 % an, während die BMW BKK ganze 0,5 % heruntergeht.

Die Leistungen dürften jedoch gleich bleiben. Gesetzliche Krankenkassen sind dazu verpflichtet, eine Versorgung zu gewährleisten. Etwa 95 % der medizinischen Leistungen, die mit den Zusatzbeiträgen abgedeckt werden, sind daher identisch.

Lohnt es sich, die Krankenkasse zu wechseln?

Wer von einer Erhöhung der Beiträge der Krankenversicherung betroffen ist, spielt womöglich mit dem Gedanken, die Krankenkasse zu wechseln. Doch lohnt sich das überhaupt und worauf muss man achten?

Grundsätzlich kann ein Wechsel der Krankenkasse dazu führen, dass man bares Geld spart. Wie viel die Ersparnis ausmacht, hängt vom jeweiligen Einkommen ab. Allerdings sollte man bei einem Wechsel nicht nur auf das Geld schauen. Auch eventuelle Zusatzversicherungen und Leistungen, die andere Krankenkassen vielleicht nicht anbieten, gilt es zu beachten.

Wenn feststeht, dass man wechseln möchte, sollte man sich daher einen Tarif besorgen, der etwas mehr zu bieten hat. Inzwischen gibt es zahlreiche verschiedene Krankenversicherungen – sowohl private als auch gesetzliche.

Der Wechsel an sich ist, wenn man sich einmal entschieden hat, recht unkompliziert. In der Regel muss ein Antrag ausgefüllt werden, was heutzutage auch ganz bequem online funktioniert. Die Formalien, die dadurch anfallen, übernimmt meist die neue Krankenkasse. So spart man sich selbst Mühe und Zeit.

Wer sich in einem Angestelltenverhältnis befindet, sollte jedoch beachten, dass unbedingt gemeldet werden muss, dass man eine neue Krankenversicherung hat. Sonst kann der Arbeitgeber die Beträge nicht rechtzeitig überweisen. Bei Selbstständigen allerdings fällt dieser Punkt weg.

Gesetzliche oder private Krankenversicherung – was ist besser?

Wer die Krankenkasse wechseln möchte, spielt vielleicht mit dem Gedanken, von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung zu wechseln oder umgekehrt. Allerdings ist das nicht immer ganz problemlos möglich. Grundsätzlich gilt: Die PKV ist denjenigen vorbehalten, die nicht versicherungspflichtig sind. Dazu zählen Beamte, Selbstständige und Arbeitnehmer, die mehr als 64.350 € im Jahr verdienen.

Diese Personen können in der Regel ohne Probleme von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln. Andersherum sieht es jedoch schwierig aus: Wann ein Wechsel von der eigenen PKV in eine gesetzliche Versicherung möglich ist, sollte im individuellen Fall geklärt werden. Eine Rückkehr ist jedoch meist dann erst möglich, wenn Selbstständige in ein Angestelltenverhältnis wechseln oder Angestellte weniger als die Einkommensgrenze verdienen.