Immobilien: Wohnen immer teurer

Preisexplosion: Warum wird Wohnen immer teurer?

Seit Jahren kennen die Miet- und Immobilienpreise nur eine Richtung: Steil aufwärts. In kaum einem Land ist zudem die Eigenheimquote so niedrig wie in Deutschland. Aber woran liegt das? Wird Wohnen bald unbezahlbar?

Günstigen Wohnraum gibt es in Deutschland fast nur noch in ländlichen Gebieten fernab größerer Städte und ohne gute Anbindungen an den Öffentlichen Nahverkehr. Und selbst dort ist Vieles nur auf den ersten Blick günstig. Denn wenn Immobilien erst aufwändig renoviert werden müssen, bevor sie bewohnbar sind, nähert man sich auch auf dem Land rasch den Preisen der Ballungsgebiete an – allerdings ohne den entsprechenden Wertzugewinn. Denn dort, wo immer weniger Menschen wohnen möchten, wo die Infrastruktur verfällt, es kaum gute Schulen oder Einkaufsmöglichkeiten gibt, dort kann man selbst gut sanierte Domizile kaum mehr an den Mann oder die Frau bringen.

Teure Wohnungen in der Stadt

In guten Stadtlagen und in den Speckgürteln der Metropolen – dort also, wo das Leben stattfindet und wo es Arbeit gibt – wird das Wohnen zunehmend unbezahlbar. Selbst für Gutverdiener rückt ein Eigenheim im Grünen oder eine großzügige Stadtwohnung in immer weitere Ferne. Noch vor zwei Generationen war das selbst für Arbeiter und Angestellte eher eine Selbstverständlichkeit. Doch der Wohlstand der Eltern ist für die heute junge Generation nicht mehr zu erreichen. Die hohen Wohnkosten spielen dabei eine beträchtliche Rolle.

Die aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase vergleichsweise günstigen Baukredite federn das nur noch zu einem kleinen Teil ab. Hinzu kommt das beständig größer werdende Risiko von Wertverlust: Denn wenn die Preise immer weiter explodieren, kommt irgendwann zwangsläufig der Punkt, an dem die Blase platzt. Einzelne Analysten und Marktbeobachter warnen schon seit geraumer Zeit davor, dass viele Immobilien völlig überhöht bewertet werden. Im schlimmsten Fall droht auch in Deutschland ein Crash wie es ihn in den USA gab – mit verheerenden Folgen. Teure Immobilien würden von einem auf den anderen Tag wertlos.

Immobilien als Spekulationsobjekte

Aber die Preisexplosion hat viele Gründe – das Häuser und Wohnungen zu Spekulationsobjekten geworden sind, dass Bund, Länder und Kommunen riesige Teile ihrer Immobilien verkauft haben, um die klammen Kassen zu füllen, das sind nur ein paar davon. Ein weiteres Problem ist auch, dass es kaum noch einen Ausgleich gibt, einen ausgewogenen Markt. Früher gab es einen Teil Luxusimmobilien, einen Teil Immobilien der Mittelklasse, die für Gut- und Normalverdiener erschwinglich waren, sowie die Sozialbauten, die mit öffentlichen Mitteln subventioniert waren, um Arbeitslosen und Geringverdienern ein Dach über dem Kopf zu sichern. Doch gerade am unteren Ende der Skala klafft inzwischen eine große Lücke.

Aber auch Neubauten sind, obwohl die Baubranche boomt, in Deutschland im Schnitt deutlich teurer als in unseren Nachbarländern. Das liegt zum einen an den mitunter extrem hohen Grundstückspreisen, die die Kommunen zu verantworten haben; an hohen Grundsteuern; und nicht zuletzt an einer Vielzahl an Vorschriften. Seien es Vorgaben zur Energie-Effizienz, zu Materialien, Dämmung, Sicherheit und zahlreichen weiteren auf den ersten Blick sinnvollen Regeln – Bauen ist zum Bürokratiemonster geworden. Und das treibt die Kosten pro Quadratmeter.

Mietpreisbremse funktioniert bislang nicht

Auf der einen Seite beneiden uns andere Länder um das sehr mieterfreundliche Mietrecht. Auf der anderen Seite ist auch das ein Faktor, der die Kosten treibt und mit dafür sorgt, dass es sich für Privatpersonen kaum noch lohnt, ein, zwei Häuser zu bauen oder Wohnungen zu kaufen und diese zu vermieten. Wirklich Geld verdient man da nur über die Masse – was der Grund ist, warum immer mehr Immobilien fest in der Hand weniger großer Konzerne sind. Und wenn wenige eine immer größere Marktmacht haben, ist das natürlich problematisch.

Einen Ausweg aus dem Dilemma scheint es bislang nicht zu geben. Die Mietpreisbremse erweist sich bislang als zahnloser Tiger oder gar als kontraproduktiv. Nachvollziehbare Forderungen von Aktivisten, die großen Wohnungskonzerne zu enteignen, lassen sich nicht realisieren, weil eine solche Enteignung verfassungswidrig wäre. Außerdem würde sie nicht viel bringen. Denn was es braucht, ist mehr Wohnungsbau zu günstigen Konditionen – das lässt sich aktuell ohne massive staatliche Förderung kaum realisieren.

Energie: Auch Nebenkosten steigen weiter

Aber das ist längst nicht das einzige Problem. Auch das Wohnen selbst wird immer teurer. Also: Die Nebenkosten. Und zwar insbesondere die Energie. Obwohl Verbraucher seit Jahrzehnten aus guten Gründen ermahnt werden, Energie zu sparen, obwohl neue Elektrogeräte immer effizienter sind, immer weniger Strom verbrauchen, steigt die Rechnung jedes Jahr. Manchmal hilft der Anbieterwechsel und der Vergleich von Strompreisen Seit der Jahrtausendwende hat sich der Kostenfaktor Energie für private Haushalte verdoppelt, die stärksten Anstiege gab es beim Strom. Das liegt zum Teil an Steuern und Abgaben. Und zum Teil daran, dass die Anbieter Kostenvorteile beim Einkauf, zum Beispiel an den Strombörsen, nur selten an die Verbraucher weitergeben.

Für Mittel- und Gutverdiener ist das ärgerlich. Für Geringverdiener und Arbeitslos bedeutet es ein existenzielles Problem, wenn ein immer größerer Anteil des Einkommens für elementare Posten draufgeht, die sich unmöglich vermeiden lassen. Und eine politische Lösung für diese Probleme ist bislang nicht in Sicht. Ein Sozialtarif beim Strom etwa (den man deckeln könnte, um Energieverschwendung vorzubeugen).
Grundrecht Wohnen?

Das sind Probleme, die eine Menge sozialen Zündstoff bergen, weshalb einige Verbände und Aktivistengruppe nun fordern, Wohnen zum Grundrecht zu erklären. Doch was auf den ersten Blick gut klingt, ist auf den zweiten bloße Symbolpolitik. Denn an hohen Energiepreisen und teuren Wohnungen würde so ein Grundrecht erstmal nichts ändern.