Peter Thiel – Investor auf Streifzug in Deutschlands Start-up Szene

Frisches Kapital für das kalifornische Start-up Zenreach. Das Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit einer CRM (Customer Relationship Management)- und Marketing-Lösung auf Basis von kostenlosem Wifi-Zugang für die Kunden lokaler Einzelhändler und Gastronomen eine Schnittstelle zu bieten, durch die auch „Offliner“ – genauso einfach wie ihre Konkurrenz im WWW – jede Menge auswert- und für die Entwicklung des eigenen Businesses vielseitig nutzbare Kundendaten sammeln können.

Mit an Bord ist wie bereits im vergangenen Jahr der Founders Fond, die Wagniskapitalgesellschaft um den legendären Paypal-Mitbegründer und ersten Geldgeber des Social-Media Giganten Facebooks, Peter Tiehl. Der gebürtige Deutsche setzt damit erneut auf eine Idee „made in Silicon Valley“.

Doch auch fernab der kalifornischen Sonne rattern die Ideen in den Start-up Schmieden unermüdlich. Unlängst schwärmte Thiel über die kreative Szene in seiner alten Heimat Deutschland. Wenn auch mit einem Augenzwinkern ließ er in einem Interview mit dem Focus Magazin über Start-ups der Zukunft verlauten „Berlin ist der beste Tech-Standort Europas – aber Silicon Valley ist besser.“ Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass eben auch immer mehr deutsche Unternehmen in Thiels Portfolio zu finden sind.

Wir haben einmal einen Blick auf die letzten Investitionen geworfen und die neuen Ideen ein wenig unter die Lupe genommen.

N26

Seinem Steckenpferd Finanzen blieb Peter Thiel auch bei seiner Investition in das Berliner FinTech Start-up N26 (ehemals Number26) treu. Bereits in der Frühphase investierte der 49-Jährige über seinen Fonds Valar Ventures zusammen mit weiteren Investoren rund 10 Millionen Euro in die App, die Kunden eine Echtzeitverwaltung ihres kostenlosen N26 Girokontos inkl. Mastercard sowie Moneybeam unter den Kunden ermöglicht. Und auch in der Serie-B-Finanzierungsrunde nach dem Erwerb der Banklizenz konnten die Berliner rund um Gründer und CEO Maximilian Tayenthal sich dank Thiel und dem Investorenteam auch 2016 noch einmal über weitere 40 Millionen Euro freuen.

nextmarkets

Ebenfalls im FinTech-Sektor anzusiedeln ist die Business Idee der Nextmarkets GmbH. Gemeinsam mit FinLab, dem Fintech-Inkubator von Christian Angermayer, und dem österreichischem Family Office der Familie Strascheg sorgte der Investor mit Hauptsitz in Kalifornien für rund 3,5 Millionen Euro frisches Kapital für das Start-up. Die beiden Kölner Manuel und Domenic Heyden arbeiten seit 2014 an einer Online-Plattform, die es Privatanlegern ermöglichen soll, das Handeln an der Börse besser zu verstehen, sich von einzelnen Coaches oder einem geballten Experten-Pool beraten und schulen zu lassen, sowie in Zukunft auch direkt auf nextmarktes.com zu traden. In den kommenden Monaten soll an diesem Service sowie weiteren Produkt-Innovationen gearbeitet werden. Außerdem streben die Heyden-Brüder das sukzessives europa- und anschließend weltweite Ausrollen der Plattform an.

Zinspilot

Ebenfalls im Finanzsektor tätig und somit genau nach Thiels Geschmack ist das Hamburger Start-up Zinspilot, eine Marke der FinTech Firma Deposit Solutions – wiederum eine Beteiligung der Frankfurter FinLab AG. Das 2012 von Tim Sievers gegründete Unternehmen ermöglicht Privatkunden ihr Geld in Tages- oder Festgeldanlagen verschiedener Banken anzulegen – und das Ganze ohne dafür jeweils ein neues Konto eröffnen zu müssen. Damit können Kunden einfach und bequem von den bestmöglichen Zinssätzen der verschiedenen Anbieter profitieren. Bereits 2015 und anschließend auch in der weiteren Finanzierungsrunde 2016 stieg Peter Thiel mit privatem Kapital in das Projekt ein.

KrediTech

Ebenfalls aus Hamburg stammt KrediTech. Die Plattform berechnet anhand verschiedener Faktoren (z.B. den gesammelten Daten aus Social-Media Netzwerken, der Online-Shopping-History usw.) kombiniert mit Machine Learning die Kreditwürdigkeit seiner Kunden. Dieses System soll schneller ein aussagekräftiges Ergebnisse liefern, ob ein Kunde kreditwürdig ist, als es bei konventionellen Methoden möglich ist. Außerdem soll Kunden, denen mit anhand traditioneller Datenquellen kein Kredit vermittelt werden kann, durch diese alternative Berechnung geholfen werden. In der Serie-C-Finanzierungsrunde im Herbst 2015 investierte Peter Thiel und trug so zu einer Gesamtfinanzierungssumme von 82,5 Millionen Euro bei.

Researchgate

Anderes Themengebiet aber trotzdem eine Idee, die Thiel begeisterte. Der Investor beteiligte sich bereits 2012 über Founders Fund an der Wissenschaftsplattform Researchgate. Diese ermöglicht Nutzern das Hochladen und Kommentieren wissenschaftlicher Texte.

Ursprünglich war das 2008 in Hannover gegründete Portal auf das Erklären und Kommentieren von Songtexten ausgelegt. Mit aktuellem Sitz in Berlin und Boston verfügt das Netzwerk über 100 Millionen Publikationen und über 12 Millionen Researchers.

MagForce

Neben dem FinTech-Sektor scheint es in der Tat besonders auch der Wissenschafts- und Life Science Sektor Thiel angetan zu haben. Kein Wunder, hat er doch mehrmals öffentlich Kund getan, dass Altern und schlussendlich auch Sterben kein unentrinnbares Schicksal darstellen sollte, sondern maximal ein massives Problem, das man aber mit moderner Technologie irgendwann lösen und besiegen wird. Die Berliner MagForce AG hat eine innovativen Therapie gegen Krebs entwickelt, die auf dem Einsatz kleinster Nanopartikel beruht. Das besondere an MagForce: Die Firma ist bereits börsennotiert (Wertpapier-ISIN: DE000A0HGQF5). So können sich auch Privatanleger parallel zu Peter Thiel beteiligen. Das Upside ist gigantisch: Aktuell notiert die Aktie bei ca. 6 Euro, Analysten sehen kurzfristige Kursziele bis knapp 14 Euro und langfristig noch deutlich mehr. In Europa ist die Therapie bereits zugelassen, USA steht kurz davor. Aushängeschild ist CEO Ben Lipps, den eine Investmentbank einst als „Steve Jobs der Medizintechnik“ tituliert hat. Er war in den 60iger Jahren an der Erfindung der Dialyse beteiligt und hatte dann den Healthcare-Giganten Fresenius quasi von Null aufgebaut und bis 2012 als Vorstand geleitet. Fresenius ist heute im DAX gelistet und mehr als 40 Milliarden Euro wert. Nach einigen Monaten im Ruhestand wurde Lipps dann 2012 überraschend Chef von Magforce. Übrigens auch hier wieder groß engagiert: die Apeiron Investment Group, das Family Office von Christian Angermayer.  Neben der gemeinsamen Passion für FinTech und Life Science Unternehmen haben Thiel und Angermayer noch eine andere interessante Gemeinsamkeit: Beide haben sehr gute Kontakte zu Präsident Donald Trump und seiner Familie, wie das Magazin BILANZ berichtet.

EyeEm

2015 war die große Stunde für das deutsche Fotografie Technologieunternehmen EyeEm. Das System des Berliner Start-ups ermöglicht es, Abbildungen auf hochgeladenen Fotos zu erkennen und ihnen anschließend einen Score zu verpassen. Außerdem können Nutzer ihre Bilder lizenzieren und verkaufen. So werden u.a. hunderttausende Bilder bereits auf Portalen wie GettyImages angeboten. Thiels Valar Ventures führte im April 2015 die Investitionsrunde für EyeEm an und spülte rund 18 Millionen Euro in die Kassen der Berliner.

Fazit: Deutschland bzw. Berlin ist nicht das Silicon Valley, aber auch hierzulande gibt es einige innovative Firmen, die sogar einen Investor wie Peter Thiel begeistern.

Strompreise steigen erneut für 4 Millionen Haushalte

Das Jahr 2017 hat gerade erst begonnen – und schon wieder wird Strom für viele Haushalte teurer. Auch die Einführung von Smart Metern beginnt holprig: Laut einer Studie berechnen die Geräte den Verbrauch ungenau.

Für rund vier Millionen Haushalte in Deutschland wird der Strom erneut teurer. Das berichtet das Vergleichsportal Verivox. Demnach erhöhen 33 Versorger, darunter auch große Grundversorger, ihre Preise. Bereits zum Jahresbeginn hätten außerdem bereits mehr als 400 Versorger die Preise erhöht. Im Schnitt seien die Kosten für Endverbraucher um 3,5 Prozent angestiegen.

33 Versorger erhöhten Preise zum April

„Die jüngsten Preissteigerungen bedeuten für eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden Mehrkosten von durchschnittlich 35 Euro pro Jahr“, schreibt Verivox anhand eigener Auswertungen. Man rechnet außerdem damit, dass der Aufwärtstrend in den kommenden Jahren anhalten wird, da sich der Strom an den Strombörsen im Einkauf verteuert und diese Effekt zu den Verbrauchern durchgereicht werde.

Vorsicht beim Anbieterwechsel

Verivox empfiehlt, den Anbieter zu wechseln, wenn Teuerungen angekündigt werden. Das ist allerdings nicht immer notwendig. Möglich ist auch, beim eigenen Versorger in einen günstigeren Tarif zu wechseln. Viele Tarife bieten eine Preisgarantie über zwei Jahre. Wenn Steuern und Abgaben auf den Kilowattstundenpreis steigen, müssen diese Erhöhungen aber in jedem Fall vom Verbraucher getragen werden.

Der Anbieterwechsel kann sich finanziell zwar lohnen, es ist aber auch Vorsicht geboten bei Offerten, die allzu gut klingen. Die meisten Anbieter versprechen Neukundenboni und niedrige Einstiegstarife, erhöhen die Preise im zweiten Jahr dann aber oft deutlich, so dass unterm Strich kaum eine Ersparnis zustande kommt. Vorsicht ist auch bei Paketpreisen geboten: Man sollte auf keinen Fall komplette Jahresabschläge vorab bezahlen. Denn wenn ein Anbieter insolvent wird, hat man meist kaum mehr eine Möglichkeit, sein Geld zurückzubekommen.

Smart Meter berechnen zu hohen Verbrauch

Und es kommen weitere Probleme auf die Verbraucher zu: Ab diesem Jahr beginnt schrittweise die verpflichtende Einführung von so genannten Smart Metern, also „intelligenten“ digitalen Stromzählern. Die Begründung: Mit den Geräten lasse sich Strom sparen und der Verbrauch genauer berechnen. Genau das scheint aber nicht zuzutreffen. Laut einer unlängst veröffentlichten Studie der Technischen Universität Amsterdam fallen die Geräte vor allem durch Falschmessungen auf. Es gab Fälle, bei denen die „intelligenten“ Zähler bis zu 582 Prozent mehr an Verbrauch berechneten, als tatsächlich angefallen war. In einigen Fällen berechneten die Smart Meter den Verbrauch zu niedrig. Mehr als die Hälfte aller untersuchten Geräte soll demnach fehleranfällig sein.

Für Verbraucher ist das besonders ärgerlich, denn es bedeutet, dass sie individuell überprüfen müssen, ob der abgerechnete Verbrauch korrekt ist oder nicht. Wehren kann man sich gegen die vernetzten Zähler auch nicht – ihre Einführung wurde per Gesetz beschlossen. Bis Privathaushalte verpflichtend mit Smart Metern ausgestattet werden, werden allerdings noch einige Jahre vergehen. Im besten Fall ist das genug Zeit, um bestehende Probleme auszuräumen.