Die Kauflaune der Deutschen ist aktuell nicht die Beste - doch woran liegt und gibt es schon Aussicht auf Besserung?

Kaufzurückhaltung nach der Pandemie: Warum kaufen die Menschen weniger?

Leere Geschäfte, zurückgehende Online-Umsätze – der Einzelhandel kennt aktuell nur eine Richtung: nach unten. Und das, obwohl die Händler eigentlich auf einen Nach-Corona-Boom gehofft hatten. Die aktuelle Situation scheint die Konsumlaune der Verbraucher in Deutschland jedoch eher weiter eingetrübt zu haben. Doch woran liegt das eigentlich? Was macht den Verbrauchern zu schaffen und wo sparen sie?

Möbel, Elektronik und Co.: Hohe Umsatzzahlen während Corona und jetzt Flaute

Ein gutes Beispiel für die aktuelle Situation zeigt die Möbel- und Einrichtungsbranche. „Während der Coronakrise hatten die Menschen viel Zeit. Nicht wenige entschieden sich deshalb dafür, ihre Möbelkäufe vorzuziehen. Aus diesem Grund erleben wir aktuell eher ein ruhiges Geschäft“, erklärt etwa Kai Meinecke vom Portal wohnen.de. Vorgezogene Käufe sind somit vor allem in den Bereichen ein Thema, in denen die Menschen auch während der Isolation im Zuge der Pandemie tätig werden konnten. Neben Möbeln trifft dies auch auf Heimwerkerbedarf oder Unterhaltungselektronik zu.

Inflation als Konsumkiller: Die Menschen haben weniger Geld in der Tasche

„Ohne Moss nix los“ – dieses angestaubte Sprichwort beschreibt die momentane Lage vieler Haushalte leider sehr gut. Hauptverantwortlich dafür ist die Inflation, die Ende 2022 immer noch bei 8,6% lag. Da die Löhne und Gehälter hier zuletzt nicht mitkamen, bedeutete das vor allem einen massiven Kaufkraftverlust. Vereinfacht gesagt: Die Verbraucher können sich von ihrem Gehalt deutlich weniger leisten.

Eine Umfrage des Instituts für Handelsforschung in Köln (IFH KÖLN) zeigt es ganz deutlich: Viele schieben ihre Käufe auf:

So gaben im Sommer 2022 bereits 49% der Befragten an, geplante Anschaffungen im Bereich Möbel erst einmal aufzuschieben. Ähnliche Ergebnisse waren auch im Markt für Computer und Unterhaltungselektronik zu beobachten. Noch schlechter hat es die Fashion-Händler getroffen: Hier sah es schon während der Pandemie sehr schlecht aus. Das Ergebnis: Ein Umsatzrückgang von 18% im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit.

Weitere Ergebnisse der IFH-Umfrage:

  • Fast 50% der Befragten kaufen eher beim Discounter als beim Marken-Händler (Frühling 2022: 36%)
  • Fast zwei Drittel aller Befragten vergleicht wieder vermehrt Preise

Warum schlägt die Inflation so stark durch?

Die Teuerungsrate ist für viele Menschen ein Problem. Gerade die hohen Energiekosten haben die Menschen abgeschreckt und auch viele kleine und mittelständische Unternehmen vor unkalkulierbare Risiken gestellt. In Medien kursierten mehr als nur einmal Berichte über Bäcker oder Fleischer, die plötzlich ein Vielfaches für Gas und Strom bezahlen sollten. Doch ist dies die einzige Ursache oder verbergen sich hinter der Inflation noch weitere Probleme?

Hier einige Erklärungsansätze:

1. Inflation war wie ein Schock

Deutschland lebte mit Blick auf Preissteigerungen in den letzten 20 Jahren wie auf einer Insel der Seligen. Mittlerweile ist hierzulande eine ganze Generation aufgewachsen, die hohe Inflation höchstens aus dem Geschichtsunterricht kennt. Dies könnte zu einer Art Schock geführt haben, so dass viele Menschen aus Angst ihr Konsumverhalten zurückfahren.

2. Die Krise der Lebensmittelpreise

Die Inflationsrate ist ein Wert für einen festgelegten Warenkorb, der unseren durchschnittlichen Konsum abbilden soll. Wie alle Durchschnittswerte gibt es hierbei das Problem, dass Ausreißer nicht immer ihre volle Wirkung im Zahlenwerk entfalten. Ein Blick auf die Inflationsrate für Lebensmittel zeigt dies sehr deutlich:

So wurden Nahrungsmittel 2022 im Schnitt um 13,1% teurer. Gerade Produkte wie Speisefette und Speiseöle verteuerten sich sogar um 36,2%. Da Lebensmittel Produkte des täglichen Bedarfs sind, können die Menschen in diesem Bereich durch Konsumzurückhaltung nur begrenzt sparen. Gerade für Haushalte mit niedrigerem Einkommen bedeutet das: Deutlich höhere Ausgaben für Nahrungsmittel werden durch Einsparungen in anderen Bereichen kompensiert.

Insgesamt sorgt die Inflation also dafür, dass die Menschen weniger kaufen können. Das eigene Budget wird eher auf die notwendigsten Produkte beschränkt und allgemein achten Verbraucher mehr auf die Preise. Darüber hinaus sorgt das Ganze für Verunsicherung und bringt Menschen dazu, eigentlich schon geplante Käufe eher aufzuschieben.

Schlechte Nachrichten aus der Weltpolitik erhöhen die Unsicherheit der Menschen

Neben der Inflation sorgen auch die allgemein schlechten Nachrichten aus der Weltpolitik dafür, dass die Menschen bei Ausgaben vorsichtiger agieren. Der Ukrainekrieg und die damit verbundenen Sanktionen sorgen für wirtschaftliche Unsicherheit und erhöhen somit die Sparneigung der Menschen. Es werden eher die sprichwörtlichen Notgroschen für schlechtere Zeiten gebildet.

Schlechtere Verfügbarkeit von Waren als weiterer Hemmschuh?

Durch die Pandemie hat sie angefangen und sich bis heute nicht wieder vollständig beruhigt: Die Störung der globalen Lieferketten. Unvergessen sind die Containerstaus vor chinesischen Häfen, in denen durch die Null-Covid-Politik der Regierung nichts mehr ging. Auch nach Abkehr von der Politik im November/Dezember 2022 haben sich die Lieferketten noch nicht wieder normalisiert.

Heute sind einer DZ-Bank-Umfrage zufolge nach wie vor noch ein Drittel aller deutschen mittelständischen Unternehmen von chinesischen Zulieferern abhängig. Auf bestimmte Rohstoffe und Produkte müssen Unternehmen somit sehr lange warten. Dies zieht auch Bestellungen und Aufträge von Kunden in die Länge.

Wie ist der Ausblick für das Jahr 2023?

Die wichtigste Frage lautet: Wie könnte sich der Konsum im Jahr 2023 entwickeln? Hierfür ist ein Blick auf die jeweiligen Einflussfaktoren wichtig:

1. Inflation: Experten gehen von einem moderaten Absinken aus

Die Inflation ist im Dezember 2022 zum zweiten Mal in Folge abgesunken. Für das Jahr 2023 gehen Experten zudem von einer Inflationsrate im Bereich zwischen 6 und 7% aus. Je nach tatsächlichem Verlauf könnte der Konsum dadurch zumindest nicht noch weiter gebremst werden. Es gibt erste vorsichtige Anzeichen für eine Erholung der Konsumlaune, auch wenn diese nach wie vor unter dem Vorjahresniveau liegt.

In Bezug auf die Energiepreise ist jedoch eventuell eine Besserung in Sicht: Zuletzt

Die EZB wird voraussichtlich weiter die Leitzinsen anheben, um die Inflation entschieden zu bekämpfen. Dies geht aus einem Statement von EZB-Chefin Lagarde hervor. EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir ergänzte, dass die EZB noch mindestens zweimal die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte anheben müsse.

2. Wirtschaftliche Entwicklung: Aktuell kaum Wachstum in Sicht

Auch wenn die EZB-Zinspolitik die Inflation weiter senken könnte, dürfte sie damit auch die wirtschaftliche Eintrübung eintrüben. Höhere Leitzinsen erhöhen die Kosten für Kredite, was wiederum den Konsum bremst. Aus heutiger Sicht dürfte das Jahr 2023 rein ökonomisch also eher schwierig werden.

3. Lieferketten-Chaos: Entspannung in Sicht

In Bezug auf die Lieferketten ist durchaus Optimismus angesagt. Die Frachtpreise für Schiffscontainer nähern sich immer mehr dem langjährigen Durchschnitt an und auch die Abkehr von der Null-Covid-Politik in China dürfte alles weiter vereinfachen.

Kaufzurückhaltung dürfte 2023 zunächst weitergehen

Das Jahr 2022 war für den Einzelhandel eher ein verlorenes Jahr. Die Umsatzzahlen zeigten nach unten, was angesichts des Ukrainekriegs, der hohen Inflation sowie der Energiekrise nicht verwundert. Für 2023 ist der Ausblick verhalten positiv, weil die Inflation voraussichtlich etwas weniger stark steigt. Trotzdem dürfte auch 2023 im Einzelhandel nicht für Jubelstimmung sorgen.