Wort Blockchain-Technologie auf futuristischem Hintergrund mit Polygonweltkarte und Blockchain Peer-to-Peer-Netzwerk

Fünf Anwendungsbeispiele für die Blockchain Technologie neben Bitcoin

Obwohl Anwendungen mit Hilfe der Blockchain absolut im Trend liegen und schon fast einen revolutionären Charakter haben, ist fraglich, ob dies die Technologie der Zukunft sein wird. Bei aller Euphorie gibt es auch Schwächen, die es noch auszumerzen gilt. Eine davon ist beispielsweise die Größe der Blockchain. Da jede Transaktion im Bitcoin-Netzwerk gespeichert wird, wächst die Datengröße der Blockchain permanent. Beim Bitcoin sind es mittlerweile 212 Gigabyte. Bei der Konkurrenzwährung Ether sogar schon 667 Gigabyte. Daher ist die Lebensdauer einer Blockchain begrenzt, da das Wachstum der Speicherkapazität definitiv hinterherhinkt.

Anwendungsbeispiel 1: Speicherung sensibler Daten im Gesundheitswesen

Das Konzept der Blockchain Technologie wird in der Regel immer auf die digitalen Währungen reduziert. Dass es sich hier um einen Ansatz handelt, der sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln lässt, haben inzwischen viele Experten der IT-Branche erkannt. Da die Blockchain so eingerichtet werden kann, dass nur bestimmte Personen Zugriff auf die Daten haben, ist die Technologie optimal dafür geeignet, sensible Daten zu speichern. Dabei wird das weltweit verteilte Netz verwendet, um die Daten zu lagern. Im Gesundheitswesen wäre es beispielsweise möglich, Patientenakten, Krankheitsverläufe, Berichte und vieles mehr in der Blockchain zu speichern. Die Daten werden nur dann für jemanden freigeschaltet, wenn dieser diese Informationen auch bekommen darf.

Genauso ist denkbar, spezielle Geräte mit seinem eigenen Patientenprofil zu verbinden und so eine interaktive Krankenakte zu erstellen. Beispielsweise könnten die Werte der Blutzuckermessung und der Insulinpumpe automatisch mit der Akte abgeglichen werden und bei Bedarf durch den Arzt angepasst werden.

Anwendungsbeispiel 2: Zuordnung von Besitztümern mit Blockchain Sicherheit

Die DEZOS GmbH mit Sitz im schweizerischen Zug hat sich der Sicherheit von privaten Besitztümern verschrieben. Das Ziel der Plattform ist es, die Sicherheit gekaufter Artikel dadurch zu erhöhen, dass diese schon beim Kauf in der Blockchain eindeutig mit ihrem Eigentümer verknüpft werden.

In der Praxis verfügt der Kunde durch die DEZOS App über einen QR-Code, der vom Verkäufer gescannt und der digitale Kaufbeleg anschließend an das persönliche Inventar beziehungsweise den Speicher im DEZOS Kundenprofil gesendet wird. Diese Daten werden in der Blockchain gespeichert. Das heißt, dass der gekaufte Artikel jetzt in der weltweiten dezentralen Blockchain Datenbank mit einem einzigen individuellen Eigentümer verknüpft ist. Dabei bleibt der Eigentümer selbst mittels Hash-ID in der Blockchain anonym.

So können vor allem wertvolle Artikel wie Schmuck, Uhren oder elektronische Geräte mit der eigenen Person verknüpft werden, wodurch Nutzer von einigen Vorteilen profitieren:

  • Der Besitzer steht hundertprozentig fest und die Herkunft des Artikels kann im Fall von Diebstahl oder Verlust eindeutig nachgewiesen werden
  • Es existiert ein digitaler Kaufbeleg als Nachweis für Versicherungen oder dem Finanzamt
  • Zweifel über die Herkunft des Artikels können beim Wiederverkauf für potenzielle Käufer problemlos ausgeräumt werden
  • Die Anonymität des Besitzers bleibt bei der Speicherung der Daten in der Blockchain gewahrt

Der Launch der DEZOS-Webseite fand erst im zweiten Quartal 2018 statt. Ab Ende 2020 sollen alle Komponenten wie die drahtlose Kommunikationstechnik NFC und die Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen (RFID) implementiert sein und das System soll voll funktionsfähig sein. Mit Hilfe eines Initial Coin Offerings (kurz ICO) soll die Entwicklung finanziert werden. Der Verkauf der DEZOS Token DOS soll Ende 2018 beginnen.

Anwendungsbeispiel 3: Vermietung ohne Zwischeninstanz

Plattformen wie drivy.de für Car-Sharing oder AirBnB.com für die Vermietung von Ferienhäusern und -wohnungen wären mit der Blockchain Technologie im Grunde genommen überflüssig, wenn anstatt eines Client-Server-Modells ein Peer-to-Peer-Modell genutzt wird. Während beim Client-Server-Modell ein Server einen Dienst anbietet, der von einem Client genutzt wird, ist diese Rollenverteilung in Peer-to-Peer-Netzen aufgehoben. Jeder Teilnehmer ist ein Peer, denn er kann einen Dienst gleichermaßen nutzen und selbst anbieten. Somit kann alles Peer-to-Peer über einen Vertrag, der sich selbst ausführt, vermietet oder verkauft werden. Wer identifiziert ist und eine gültige Zahlmethode hinterlegt hat, kann das Auto oder die Wohnung mieten oder eine Mitfahrgelegenheit in Anspruch nehmen.

Das Ganze funktioniert dann mit sogenannten Smart Contracts. Das sind Computerprotokolle, die in eine Blockchain implementiert werden und die Verträge abbilden, überprüfen und ausführen. Eine Infrastruktur für Smart Contracts kann durch ein repliziertes Asset-Register und die Vertragsausführung über kryptographische Hash-Ketten und fehlertolerante Replikation implementiert werden.

Somit agiert jeder Knoten in dem Peer-To-Peer-Netzwerk gleichermaßen als Register und Treuhänder, der Eigentümerwechsel durchführt und automatisch überprüfbare Regeln über diese Transaktionen abbildet. Alle Transaktionen werden stets von allen anderen Knoten auditiert.

Anwendungsbeispiel 4: Das Grundbuch als Blockchain

Durch die aufeinander aufbauende Speicherung von Daten in einer Blockchain können diese nicht nachträglich geändert werden, ohne die Integrität des Gesamtsystems zu beschädigen. Hierdurch wird die Manipulation von Daten erheblich erschwert. Der dezentrale Konsensmechanismus ersetzt die Notwendigkeit einer vertrauenswürdigen dritten Instanz zur Integritätsbestätigung von Transaktionen.

Würden Grundbucheinträge mit Hilfe von Blockchain-Technologie gespeichert werden, könnten auch diese im Nachhinein nicht mehr verändert werden, denn alles wird protokolliert. Damit wären Besitzer von Immobilien sicher vor Betrug und Landraub geschützt, da sie die Rechtmäßigkeit des Besitzes immer nachweisen könnten.

Anwendungsbeispiel 5: Musik-Tantiemen sammeln und verteilen ohne GEMA

Mit der Smart-Contract-Methode lassen sich auf Basis einer Blockchain auch komplexere Verträge selbst ausführen. So können die unterschiedlich hohen Anteile von Songwritern, Textern, Musikverlegern und Arrangeuren an einem Song in einer Blockchain gespeichert werden. Wird das Werk irgendwo aufgeführt oder anderweitig genutzt, können die Anteilseigner sofort, direkt und entsprechend ihres Anteils bezahlt werden.

Eine Zwischeninstanz wie die GEMA wäre dann ebenfalls überflüssig. Dadurch würde sich die Höhe der Tantiemen für die Künstler noch erhöhen, da die GEMA hunderte von Millionen Euro durch den Verwaltungsaufwand verschlingt.