Einstieg in den Aktienhandel: So funktioniert es

Traditionell sind die Deutschen eher risikoscheu. Sie mögen Bargeld und investieren nur selten in Aktien. Beides hat sich im Zuge der Corona-Pandemie geändert – allerdings nur leicht. So ergaben Umfragen im Einzelhandel, dass zuletzt mehr Menschen ihre Einkäufe mit Karte oder kontaktlos per Smartphone bezahlt haben. Eine Mehrheit setzt dennoch weiterhin vorwiegend auf Bargeld. Für die neue Entwicklung dürften vor allem Hygienebedenken der Grund sein.

Mehr Investitionen in Wertpapiere

Dass mehr Menschen (insgesamt aber nach wie vor eine Minderheit) in Wertpapiere investiert, dürfte hingegen zahlreiche, im Einzelfall unterschiedliche Gründe haben. Zum einen sorgt die seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase dafür, dass Sparvermögen an Wert verlieren, wenn man sie bloß auf dem Sparbuch oder Konto liegen lässt. Zum anderen gibt es viele Menschen, die trotz Pandemie gut verdienen, deren Ausgaben aber durch die Lockdowns spürbar gesunken sind, und die nun erstmals auch die Zeit haben, sich mit Fragen der Wertanlage und des Vermögensaufbaus zu befassen. Hinzu kommt, dass in den letzten Monaten gleich mehrere Anbieter von Trading-Apps aggressiv um neue Kunden werben – und das offenbar mit Erfolg.

Doch das kann zu Falle werden. Denn so einfach, wie es die App-Werbung suggeriert, ist das Trading mit Wertpapieren keineswegs. Wer nicht aufpasst, sich nicht auskennt und zu viel investiert, kann nicht nur alles verlieren, sondern hinterher auf einem riesigen Schuldenberg sitzen. Die Gamification des Börsenhandels ist mit großer Vorsicht zu genießen.

Aktienhandel erfordert Fachwissen und Geduld

Was nicht heißen soll, dass es keine gute Idee ist, Aktien zu kaufen. Aber es braucht Vorwissen und Fingerspitzengefühl. Der Handel funktioniert eben nicht nebenbei in der Straßenbahn oder am Strand, sondern will wohlüberlegt sein. Wer also wenig Zeit und keine Lust hat, sich tief in das Thema einzuarbeiten, sollte lieber die Finger davon lassen. Wer hingegen Freude an Zahlen und daran hat, die Entwicklung von Unternehmen auch langfristig zu beobachten, sowie jeden Tag einen Teil seiner Zeit zu opfern, kann durchaus gute Gewinne machen. Allerdings dauert das. Es braucht Geduld. Den kurzfristigen Gewinn binnen weniger Tage und Trades gibt es zwar, aber das ist sehr selten.

Wer erfolgreich mit Wertpapieren handeln und sein Verlustrisiko klein halten möchte, muss allerdings einige Grundregeln beachten. Es gibt unterschiedliche Arten von Wertpapieren und neben einzelnen Anteilen an bestimmten Unternehmen, kann man in ETFs investieren, in denen Anteile von vielen Unternehmen gebündelt sind. Wer auf einzelne aussichtsreiche Unternehmen setzt, kann zwar viel Geld machen, kann aber auch ein böses Erwachen erleben, wenn die Kurse sich nicht entwickeln wie erwartet. Regel 1 lautet daher: Die Investitionen so breit streuen wie möglich. Denn wenn dann einzelne Investments absaufen hat man immer noch andere, die stabil sind oder Gewinn abwerfen, was im besten Fall Verluste ausgleicht.

Schutz vor Verlust: Nicht zu viel investieren

Trotzdem gilt als Regel Nummer 2 die Sicherheitsmaßnahme: Immer nur so viel Geld investieren, wie man sich im Zweifel zu verlieren leisten kann. Auf gar keinen Fall sollte man den Großteil oder gar sein gesamtes Sparvermögen in Aktien stecken. Das wäre fahrlässig. Gut sind hingegen kleinere Beträge, also vielleicht zehn oder zwanzig Prozent des flüssigen Vermögens. Und wenn man auf diesem Weg Gewinne erwirtschaftet, kann man diese ebenfalls investieren. So ist es möglich, über einen langen Zeitraum sein Vermögen stetig zu vergrößern, ohne im Verlustfall vor dem Nichts zu stehen. Ein Totalverlust (der bei breiter Streuung unwahrscheinlich ist) wäre dann zwar ärgerlich, aber verkraftbar.

Die dritte Regel lautet: Was zu gut klingt, ist schlecht. Das heißt: Noch immer werben manche Anbieter mit horrenden Renditeerwartungen. Bei so etwas sollte man lieber vorsichtig sein, denn Versprechen, die weit über der Konkurrenz liegen, sind in der Regel unseriös. Was uns zu Regel Nummer 4 bringt: Niemals vorschnell kaufen oder verkaufen! Jeder Trade will wohlüberlegt und langfristig gedacht sein, damit er nachhaltig ist. Es ist also durchaus sinnvoll, sich in Entwicklung potentieller Investments über mehrere Monate hinweg anzusehen, bevor man einsteigt.

Anbieter wollen zu vielen Trades verleiten

Das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn viele der neuen Online-Broker versuchen ihre Kunden zu möglichst vielen Trades in kurzer Zeit zu animieren. Das hat einen simplen Grund: Die Anbieter kassieren für jeden einzelnen Trade eine Gebühr. Je aktiver der Kunde desto mehr Profit machen sie. Darauf sollte man sich auf keinen Fall einlassen, denn es animiert zu unüberlegten Trades, die das Verlustrisiko erhöhen.

Bevor man anfangen kann gilt es also, sich intensiv mit der Materie zu befassen. Und sobald man eingestiegen ist, muss man nicht nur die Kurse der eigenen Wertpapiere, sondern auch die der Konkurrenz im Auge behalten. Außerdem gilt der tägliche Blick den Nachrichten, und zwar nicht nur den Wirtschaftsnachrichten. Es gibt viele politische und ökonomische Ereignisse, die die Börsen und auch einzelne Unternehmen beeinflussen. Je besser man die Zusammenhänge und Marktdynamiken versteht, desto erfolgreicher kann man handeln.

Das passende Depotkonto finden

Voraussetzung für den Handel sind ein Broker, den man mit Käufen und Verkäufen beauftragt, und ein Depotkonto, in dem man seine Wertpapiere hält. Auch hier gilt: Nicht das erstbeste Angebot nehmen, sondern zuerst Broker und Anbieter von Depotkonten vergleichen. Sowohl die Kosten als auch die Leistungen sind sehr unterschiedlich, und das günstigste Angebot ist selten das beste. Aber auch ein teures Depotkonto kann Nachteile haben. Je genauer man weiß, wie und in was man investieren möchte und in welcher Höhe, desto einfacher ist es, ein passgenaues Depotkonto zu finden.

Fazit: Wertpapierhandel kann sich auch bei kleinen Investitionssummen lohnen. Wer einige Regeln beachtet, minimiert sein Verlustrisiko. Und man sollte gut vorbereitet sein und stets mit Bedacht handeln. Dann ist es durchaus möglich, sein Vermögen an der Börse zu mehren.