Laut Schufa werden jährlich rund 7,5 Millionen Ratenkredite in Deutschland aufgenommen. Die gute Nachricht: Fast 98 Prozent davon werden korrekt bedient. Zugleich geht die Zahl der Privatinsolvenzen zurück. Lohnt sich also die Kreditaufnahme?
In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Gesamtsumme der von Privathaushalten aufgenommenen Kredite fast verdoppelt. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Allein 17 Millionen Ratenkredite liefen laut Schufa im Jahr 2015. Von 19 Millionen in dem Jahr neu beantragten Krediten wurden 7,4 Millionen auch bewilligt. Und der allergrößte Teil (97,6 Prozent) wird ordnungsgemäß und pünktlich zurückgezahlt.
Das sind Zahlen, die ein positives Bild zeichnen. Die deutschen Bürger sind konsumfreudig und können es sich offenbar leisten. Zugleich ist die Anzahl der Privatinsolvenzen seit mehreren Jahren rückläufig – wenn auch nur leicht. Wie aus dem jährlichen Schuldenbarometer der Wirtschaftsauskunftei Bürgel ersichtlich ist, meldeten 2016 zwar noch immer knapp 100.000 Menschen Privatinsolvenz an. 2010 waren es aber 140.000, also 40 Prozent mehr als heute.
Konsumkredite spielen geringe Rolle bei Überschuldung
Der deutliche Rückgang lässt sich unter anderem mit der stabilen Lage am Arbeitsmarkt erklären. Die Beschäftigung ist auf einem Höchststand. Zudem meldete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unlängst einen Rekord: Derzeit gibt es über eine Million offene Stellen. Entgegen anderweitiger Befürchtungen handelt es sich dabei keineswegs um Dumpinglohn-Angebote. Gerade mal 15 Prozent entfallen auf den Zeit- und Leiharbeitssektor. 77 Prozent der Neueinstellungen entfallen auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse.
Allerdings, so heißt es bei Bürgel, wachsen die Insolvenzen bei Älteren. „Auch wenn die Gründe für eine Verschuldung unterschiedlich und individuell sind, ist Arbeitslosigkeit der häufigste Grund für eine Verbraucherinsolvenz. Die Formel ist daher einfach. Wenn die Beschäftigtenzahlen steigen, sinken die Zahlen der Privatinsolvenzen“, kommentiert Bürgel-Geschäftsführer Klaus-Jürgen Baum. Arbeitslosigkeit und Altersarmut sind also häufige Gründe für Überschuldung. Konsumkredite scheinen eine geringere Rolle zu spielen als angenommen.
Kreditsummen steigen, viele Anfragen werden nicht bewilligt
Laut Kredit-Kompass der Schufa erhöht sich allerdings die durchschnittliche Summe aufgenommener Konsumkredite beständig. „Im Durchschnitt erreichte“ die Kredithöhe „einen Wert von 9552 Euro, gegenüber 2014 entspricht das einem Zuwachs von 8,6 Prozent“, heißt es dort. Vor allem bei jungen Konsumenten zwischen 20 und 29 Jahren mache sich das bemerkbar. Das verlängere auch die Laufzeiten. Trotzdem sieht auch die Schufa die Überschuldungsgefahr als rückläufig an und folgert: „Insgesamt belegt der SCHUFA Kredit-Kompass, dass die Bundesbürger ihre finanziellen Möglichkeiten im Blick haben und verantwortungsvoll mit Geld und Krediten umgehen.“
Aber auch etwas anderes zeigen die Daten: Dass aktuell mehr als doppelt so viele Kredite beantragt wie bewilligt werden. Die Mehrheit jener Personen mit Kreditwunsch werden von potentiellen Kreditgebern also als nicht oder unzureichend kreditwürdig eingestuft. Für Verbraucher ist es daher wichtig, schon im Vorfeld einschätzen zu können, ob sie einen Kredit überhaupt brauchen und wie ihre Chancen stehen, ihn auch zu bekommen. Denn die Angebotsvielfalt und die unterschiedlichen Arten von Krediten können verwirrend sein.
Nicht zu viele Kreditanfragen stellen
Generell sollte man vermeiden, zu viele Kreditanfragen an unterschiedliche Kreditinstitute zu stellen. Denn in der Regel löst bereits jeden noch so unverbindliche Anfrage eine Schufa-Kontrolle aus. Und je mehr Anfragen anfallen, desto negativer wirkt sich das auf den Score aus. Im schlimmsten Fall wird man dann allein deshalb als wenig kreditwürdig angesehen, weil man zu oft gefragt hat.
Auch wenn es auf den ersten Blick unlogisch klingt: Einen Kredit sollte man nur dann ins Auge fassen, wenn man den Betrag ohne größere Probleme auch allein aufbringen könnte. Konsumkredite sind oft dazu da, um größere Ausgaben über einen längeren Zeitraum zu strecken. Für Menschen mit geregeltem Einkommen ist das normalerweise kein Problem. Schwierig ist es aber, wenn man mehrere Konsumkredite oder Ratenverträge hat und den Überblick verliert – oder wenn sich die finanzielle Situation ändert.
Eigene Bonität realistisch einschätzen
Auf der sicheren Seite ist jeder, der einen realistischen Überblick über seine Finanzen hat. Dann kann man dieselbe Rechnung anstellen, die auch jeder Kreditgeber vornimmt. Dafür zieht man vom monatlichen Einkommen die Fixkosten und großzügig geschätzte laufende Ausgaben für den Lebensunterhalt ab. Der Betrag, der übrig bleibt, kann für eine Kredit-Tilgung zur Verfügung stehen. Ist dieser eher niedrig, kann man sich dazu verleiten lassen, die monatlichen Raten zu senken. Das verlängert aber die Laufzeit und verteuert den Kredit. Man zahlt also unterm Strich auch bei guten Konditionen mehr als man müsste. In dem Fall ist es ratsam, auf einen Kredit zu verzichten und den Konsumwunsch nach hinten zu stellen. Vielleicht hat man stattdessen die Möglichkeit, das Geld selbst anzusparen.
Eine andere Option ist es, bei einer teuren Anschaffung nur einen Teilbetrag via Kredit zu finanzieren und einen anderen Teil direkt zu bezahlen. Fehlt hierfür das Geld, ist von einem Kredit eher abzuraten. Aber auch wer gesicherte Finanzen und eine stabile berufliche Situation hat, sollte es sich nicht nehmen lassen, vorab in Ruhe Angebote und Konditionen zu vergleichen. Zwar werden Kredite inzwischen langsam wieder teurer – es gibt aber nach wie vor sehr günstige Finanzierungsoptionen zu niedrigen Zinssätzen.
Ein Tipp zum Schluss: Wer unsicher ist, wie es um die eigene Bonität steht, kann bei Schufa und Co mit einer Selbstauskunft mehr erfahren. Diese ist auch deshalb sinnvoll, weil man mögliche falsche Daten, die den Score verfälschen, entdecken und gegebenenfalls korrigieren kann.