Aufgrund der Corona-Pandemie blieben Schulen monatelang geschlossen. Der Unterricht zuhause konnte meist nicht mit der Förderung in der Schule mithalten, sodass zwischen Schülern eines Jahrgangs teils große Lücken entstanden sind. Immer mehr Kinder und Jugendliche weichen daher auf Online Nachhilfe aus, mit deren Hilfe sie den Lernstoff in Zusammenarbeit mit einem Nachhilfelehrer und einem individuellen Plan aufarbeiten. Die Bundesregierung möchte nun die weitreichenden Folgen der Schulschließungen abfedern und hat sich dazu entschieden, zwei Milliarden Euro in ein Aufholprogramm zu investieren. Dies erntete allerdings von Schülern, Eltern und Lehrern Kritik.
So äußerte sich Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, pessimistisch: Er halte das durch den Bundestag verabschiedete Paket für unzureichend. Die investierte Summe sei zu gering, um das geplante Ziel zu erreichen. Auch die Bildungsministerin Anja Karliczek ist der Meinung, dass etwa 25 Prozent aller Schüler ein Lerndefizit aufweisen. Sie plädiert dafür, das genaue Ausmaß mit Hilfe von Lernstandserhebungen zu ermitteln.
Das Aufholprogramm soll in zwei Teilen Kindern und Jugendlichen zugutekommen: Förder- und Nachhilfeprogramme werden mit einer Milliarde Euro gesponsert. Die zweite Milliarde fließt in soziale Projekte, mit denen Familien, Kinder und Jugendliche unterstützt werden, um die Folgen der Krise zu mildern. Die Summen sollen im nächsten Jahr zur Verfügung stehen.
Kritik am Aufholprogramm
Wie genau die Programme ausgestaltet werden sollen, ist allerdings noch nicht bekannt. Das bedeutet, dass Schüler und Eltern noch nicht einschätzen können, ob die Fördermöglichkeiten für den individuellen Lernstand ausreichen werden. Auch eine bloße Bereitstellung finanzieller Mittel kann nur der Anfang sein – diese müssen an den richtigen Stellen eingesetzt und etwa in Lehrkräfte und Lernmaterial investiert werden. Eine Umsetzung blieb bisher aus; wann mit ihr zu rechnen ist, ist ebenfalls unklar.
In der Zwischenzeit wächst die Sorge der Eltern und Lehrer über die zunehmenden Bildungslücken und Unterschiede zwischen einzelnen Schülern. Insbesondere bedürftige Familien, denen die elektronische Hardware fehlt, warten oft lange auf Leih-Laptops. In manchen Fällen kommen sie sogar überhaupt nicht an.
Der private Nachhilfesektor eilt zu Hilfe
Während das staatliche Bildungssystem aufgrund der andauernden Unterfinanzierung mit seinen Defiziten kämpft, erfreut sich die private Nachhilfe wachsender Beliebtheit. Obwohl die Angebote vor Corona oft nur als Ergänzung zum regulären Schulunterricht in Anspruch genommen wurden, erfüllen sie nun für viele Schüler eine grundlegende Funktion zur Aneignung des Stoffes.
Das große Angebot für Online Nachhilfe ist nicht nur auf einem technischen Stand, von dem die meisten Schulen nur träumen können. Hinzu kommt außerdem, dass der Schulstoff hier in kleine Einheiten aufgeteilt wird, den sich Schüler nach ihrem eigenen Tempo aneignen können. Dabei fördern sie die anhaltende Konzentration und stellen dicke Schulbücher in den Schatten.
Genutzt werden kann Online Nachhilfe bequem über einen Laptop oder ein Tablet. So ist sichergestellt, dass kein Gesundheitsrisiko aufgrund menschlichen Kontakts besteht. Nebenbei spart dies Fahrtkosten und die Zeit, die andernfalls in Verkehrsmitteln verbracht würde.
Schüler, die von individueller Förderung profitieren, können hier Einzelstunden wählen, die genau an die Bedürfnisse des Lernenden angepasst werden. Auf diese Weise werden Probleme erkannt und gezielt adressiert – ein Vorgehen, das in einer regulären Schulklasse oft nicht möglich ist.
Dank kostenloser Probestunden können Schüler unverbindlich in Angebote hineinschnuppern und sich sowohl von der Struktur des Lernens als auch von dem gewählten Lehrer überzeugen. Zusammen mit ihm wird ein Nachhilfe-Plan erstellt, der auf den Wissensstand des Lernenden zugeschnitten ist.