Umsatzzahlen im E-Commerce im Überblick
Der Online-Handel bildet im Zeitalter der Digitalisierung einen globalen Wirtschaftsmotor, dessen Aufwärtstrend keine Grenzen zu kennen scheint. Die positive Entwicklung hat über die letzten Jahre immer größere Dimensionen angenommen und die Beschaffenheit des übergreifenden Handelssektors grundlegend verändert. So wurde das gesellschaftliche Einkaufsverhalten durch die neuartigen Shopping-Möglichkeiten maßgeblich beeinflusst.
Die Auswirkungen und Effekte des E-Commerce lassen sich mit besonderer Aussagekraft an den statistischen Erhebungen des EHI Retail Institutes ablesen, die den Umsatz mit Waren im Online- und klassischen Versandhandel im vergangenen Jahr auf insgesamt 74,4 Milliarden Euro beziffern.
Rund 72,6 Milliarden Euro wurden dabei im E-Commerce erwirtschaftet, so dass circa 98 Prozent am Gesamtumsatz der Branche des Interaktiven Handels auf den Online-Handel entfallen. Die Zahlen belegen zudem einen Wachstumsanstieg von 11,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Boom der Online-Apotheken
Die Erfolgsstory des Online-Versandhandels hat vielen Branchen eine neue Grundlage für ihr Geschäftsmodell geschaffen. Speziell der pharmazeutische Sektor in Gestalt von Apotheken konnte sich die neuen Verkaufswege und die Käufereigenschaften zunutze machen, indem über das Internet Medikamente vertrieben werden. Das Modell erhielt direkt zu Beginn eine positive Resonanz und konnte das Geschäftsmodell einen rasanten Entwicklungsschub geben.
Die derzeitige Pandemie sorgt sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf wirtschaftlicher Ebene für tiefgreifende Einschnitte. Viele Unternehmen aus den unterschiedlichsten Sektoren fürchten um ihre Existenz und sehen sich gezwungen, Entlassungen oder Kurzarbeit auszusprechen. Diese Entwicklung schlägt sich auch auf den Online-Handel nieder.
„Obwohl die überwältigende Mehrheit der Branchenvertreter um wirtschaftliche Stabilität kämpft, sind die Bestellungen bei den Online-Apotheken um 400 Prozent gestiegen“, sagt Christoph Bertram von Sanicare.
Der Leiter der Versandapotheke erlebt die ungebremste Nachfrage an diversen Medikamenten und Waren am eigenen Leib. Allein der Andrang auf Desinfektionsmittel würde derzeit für eine Auftragsexplosion sorgen. Speziell Familien mit Kindern seien in Zeiten der Krise darauf bedacht, gut im Haushalt aufgestellt zu sein.
Dabei erklärt der Apotheker, dass es erheblich von Vorteil sei, wenn ein bestimmter Mix an Produkten und Medikamenten im Haushalt mit Kindern vorrätig ist. Mehr zum Thema „Hausapotheke“ gibt es auf Moms.de nachzulesen.
Lebensmittelbranche profitiert
Obwohl der Online-Handel so gut wie jede Branche revolutioniert hat, wehrten sich die Menschen in Deutschland bis zuletzt gegen den digitalen Handelstrend, Lebensmittel über das Internet zu bestellen. Zu festverankert war die traditionelle Gewohnheit von Verbrauchern, den Wocheneinkauf beim Supermarkt oder beim Discounter an der Ecke zu tätigen. Allerdings bricht dieses Verhaltensmuster aufgrund des Coronavirus sukzessive auf.
Die umtriebige Angst vor dem Virus beschert den diversen Lebensmittellieferdiensten ungeahnte Wachstumsraten, deren Auftragsvolumen jedoch die Kapazitäten einzelner Unternehmen sprengt. Dadurch verschieben sich die Lieferzeiten teils so stark nach hinten, dass manche Kunden bis zu 14 Tage auf ihre Bestellung warten müssen.
Vor allem die ausufernde Nachfrage bei Toilettenpapier, Nudeln und Konserven in den stationären Filialen sorgt dafür, dass der Bestand dieser Waren im Online-Segment temporär auf null gesunken ist. Die Unternehmen können entsprechend nur einen kleinen Teil der Bestellungen abarbeiten.
Online-Händler: Mehrheit erwartet Umsatzrückgang
Der Onlineverband BEVH befragte im Zuge der Corona-Krise rund 135 Online-Unternehmen über die aktuelle Wirtschaftssituation. Dabei gab rund die Hälfte der Betriebe an, dass sie damit rechne, einige Teilbereiche des Geschäfts schließen zu müssen.
Insbesondere kleinere Händler fürchten um ihre Existenz, da sie die wirtschaftlichen Einbußen nicht kompensieren können. In einer externen Schnellumfrage gaben von 400 Online-Händler rund 70 Prozent an, von der Krise betroffen zu sein.
Bei großen deutschen Unternehmen sieht die Situation dagegen etwas entspannter aus. Viele Firmen aus unterschiedlichsten Branchen verbuchten in den Monaten Januar und Februar ein großes Wachstum, das mit saftigen Gewinnen einherging. Diese Gewinne bilden in der derzeitigen Krisensituation ein solides Finanzfundament, das aktuelle und zukünftige Einbußen bis zu einem gewissen Grad kompensieren kann.
Corona-Krise: Folgen für deutschen Online-Handel absehbar
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Online-Handel sind bereits jetzt zu spüren, obwohl die gesamten Ausmaße noch nicht kalkulierbar sind. Welchen Konsequenzen im Zuge der Pandemie der hiesige Online-Markt noch zu spüren bekommt, bleibt Prognosen überlassen. Allerdings befürchten viele Experten und Fachleute eine Umpolung der wirtschaftlichen Gegebenheiten, die aus dem Ursprungsland der globalen Krise entspringt: China.
Die Quarantäne der Chinesen hat für ein stark verändertes Kaufverhalten im Reich der Mitte gesorgt. Viele Menschen kamen mit bis dato nebensächlichen Themen wie der eigenen Gesundheit in Kontakt und erschlossen neue Marktsegmente. Mittlerweile fährt das öffentliche Leben in China wieder hoch und auch die Wirtschaft kommt sowohl online als auch offline allmählich wieder auf Betriebstemperatur. Im Umkehrschluss hat die chinesische Volkswirtschaft einen Vorsprung von drei Monaten und kann diesen in Europa ohne großen Widerstand ausspielen.
Da sehr viele EU-Unternehmen Kapital und Budget aus dem Markt ziehen, um für die Krise gerüstet zu sein, entstehen Lücken, die laut Expertenmeinungen sich besonders im Online-Handel manifestieren werden. Die wiedererstarkten Unternehmen aus China könnten die Gunst der Stunde nutzen, um die schwächelnden Märkte im Ausland zu fluten. Inwiefern diese Methode mit Erfolg gekrönt sein wird, bleibt jedoch abzuwarten.