Das Ende des kostenlosen Girokontos?

Das Ende des kostenlosen Girokontos?

Eine Bank nach der anderen erhebt Gebühren fürs Girokonto. Für Kunden ist das ein Ärgernis – aber auch eine Chance. Denn Gebühren und Konditionen unterscheiden sich von Bank zu Bank erheblich. Und der Wechsel ist oft ganz einfach.

Das Girokonto: Fast jeder Deutsche hat eins, und die meisten haben sich daran gewöhnt, dass es nichts oder wenig kostet. Das ändert sich jetzt. Nach und nach führen fast alle Banken Gebühren ein – neben monatlichen Grundgebühren fallen auch Kosten für einzelne Buchungen wie Überweisung oder Lastschrift an. Die bewegen sich zwar im Centbereich, doch wer viele Bankgeschäfte tätigt, spürt das auf der Rechnung.

Wer gut verdient, der ärgert sich vielleicht kurz über die neuen Kosten und zahlt sie dann zähneknirschend. Für Arbeitslose und Geringverdiener hingegen können fünf oder zehn Euro an zusätzlichen monatlichen Ausgaben eine ernstzunehmende Belastung sein.

Gebühren gegen Niedrigzinsen

Aber woher kommt der Gebühren-Trend eigentlich? Die Banken begründen die Notwendigkeit neuer oder höherer Gebühren mit der anhaltenden Niedrigzins-Phase. Diese bringt eigenen Aussagen zufolge viele Geldhäuser in Bedrängnis, so dass sie neue Modelle entwickeln müssen, um Gewinne einzufahren. Zudem sind die Banken verpflichtet, Basiskonten – auch als Jedermann-Konto bekannt – anzubieten. Diese Konten werden auf Guthaben-Basis geführt und sollen zum Beispiel Obdachlosen oder Geflüchteten zur Verfügung stehen.

Für Betroffene ist das eine wichtige und hilfreiche Entwicklung. Für die Banken hingegen sind Basiskonten meist ein Minusgeschäft, das querfinanziert werden muss. Außerdem gibt es immer wieder Streit: So musste die Bankenaufsicht Bafin im Vorjahr mehr als hundert Mal intervenieren, um Basiskonten durchzusetzen. Denn seit 2016 besteht ein Rechtsanspruch auf ein Girokonto für jeden Bürger. Das bedeutet in der Praxis: Die Bank darf keinen Kunden mehr abweisen. Verbraucherschützer kritisieren aber, dass auch hier die Kosten oft zu hoch sind und vermuten, dass auf diesem Wege potentielle Neukunden, die sich nicht rechnen, abgeschreckt werden sollen.

Girokonto-Vergleich und Wechsel lohnen sich

Grundsätzlich gilt, dass die Bank den Kunden informieren muss, wenn die Gebühren steigen. In der Regel geschieht dies in Briefform. Man hat zwar die Option, zu widersprechen. Aber das bringt in der Regel nichts. Die Mühe kann man dich sparen. Wer sein Girokonto als zu teuer empfindet, sollte über einen Wechsel nachdenken. Im ersten Schritt kann man seine Bank fragen, ob sie nicht ein günstigeres Angebot hat. Ist dies nicht der Fall, dann lohnt sich der Vergleich mit der Konkurrenz.

Denn die Vielfalt am Markt ist riesig. Girokonto ist nicht gleich Girokonto. Und es gibt eine gute Nachricht: Auch kostenlose oder fast kostenlose Girokonten gibt es zumindest vorerst noch. Allerdings ist die Gebührenfreiheit an Bedingungen geknüpft. So bieten einige Banken Kostenfreiheit bei einem bestimmten monatlichen Mindest-Geldeingang. Je nach Bank kann dieser zwischen 1000 oder mehr als 3000 Euro liegen. Somit sind solche Modelle durchaus auch für Geringverdiener interessant, sofern sie eine feste Stelle haben.

Verwirrend ist die Vielzahl an unterschiedlichen Gebühren. Banken sind geschickt darin, die tatsächlichen Kosten zu verschleiern. Während die monatliche oder jährliche Grundgebühr noch ein eindeutiger Posten ist, ist es schon etwas schwieriger, zu errechnen, welche Kosten bei Gebühren für einzelne Buchungen oder gar das Abheben von Bargeld am Automaten auf einen zukommen. Denn wer weiß schon im Voraus, wie oft er Bargeld braucht oder wie oft er eine Überweisung tätigt.

Fast kostenloses Girokonto? Gibt es noch!

Hier kann ein Blick auf die Kontoauszüge helfen. Wer die letzten Monate betrachtet, bekommt eine ungefähre Vorstellung der Anzahl an Buchungen, Abhebungen, Lastschriften und kann einen Durchschnittswert über den Daumen peilen. Viele Girokonten beinhalten ein monatliches Freikontingent, so dass zum Beispiel erst ab der zehnten Buchung Gebühren anfallen. Wer mit wenigen Buchungen auskommt, kann dann sogar gebührenfrei bleiben.

Die einzelnen Gebühren zu vergleichen, ist Pflicht. Viele Banken stellen jedoch keine detaillierten Preislisten zur Verfügung. Als Kunde sollte man von solchen „Angeboten“ Abstand nehmen, sonst riskiert man, dass unklare oder versteckte Kosten die Rechnung hochtreiben. Je größer die diesbezügliche Transparenz einer Bank ist, desto seriöser ist sie.

Günstig sind Girokonten meist bei Direktbanken, die keine eigenen Filialen unterhalten. Der Nachteil ist aber, dass man eben nicht persönlich mit einem Kundenberater sprechen kann, sondern auf E-Mail oder Hotline ausweichen muss. Außerdem kostet das Abheben von Bargeld mehr, da man hierfür nur die Geldautomaten anderer Banken zur Verfügung hat.

Wechsel des Girokontos funktioniert problemlos

Aber selbst eine kleine Grundgebühr, Freikontingente und niedrige Buchungsgebühren sind nicht unbedingt ein Zeichen für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wie sieht es beispielsweise mit dem Dispo aus? Zwar nutzt man ihn nur in Notfällen, aber schon kleine Überziehungen können bei Dispozinsen von bis zu 14 Prozent teuer sein – und die Gebührenersparnis zunichte machen.

Hat man nach intensivem Vergleich aber ein Girokonto gefunden, von dem man überzeugt ist, so funktioniert der Wechsel ganz einfach. Er muss bei der neuen Bank beantragt werden. Im besten Fall kümmert sich diese dann automatisch um einen reibungslosen Ablauf, den auch die alte Bank nicht behindern darf. Im Gegenteil: Sie ist sogar dazu verpflichtet, ihrem nun Ex-Kunden beim Wechsel zu helfen, etwa indem sie Daueraufträge an die neue Bank delegiert.