Die Gelben Seiten haben eine bewegte Geschichte hinter sich - doch wie ist das Verzeichnis für die Zukufnt aufgestellt

Was ist eigentlich aus den Gelben Seiten geworden?

„Mein Wasserhahn ist defekt, ich suche eine gute Firma für Gas-Wasserinstallationen!“ – die Antwort auf diese Aussage war in Deutschland jahrzehntelang immer die gleiche: „Wirf einen Blick in die Gelben Seiten!“ Das gedruckte Branchenbuch stellte die Standard-Lösung dar.

Wie sehr die Bezeichnung in den normalen Sprachgebrauch übergegangen ist, zeigt auch eine Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA) aus dem Jahr 2006: In diesem Jahr löschte sie die Wortmarke „Gelbe Seiten“ mit der Begründung, dass es sich dabei um einen beschreibenden Begriff für Branchenverzeichnisse handelt und zudem die Konkurrenz benachteilige. Mittlerweile existiert die Marke zwar wieder, aber das Ganze zeigt eins sehr klar: Gelbe Seiten haben eine allgemeine Bedeutungskraft. Doch was ist im Zuge der Digitalisierung und des Aufkommens vieler anderer Online-Suchmöglichkeiten mit den klassischen Branchenverzeichnissen passiert?

Gelbe Seiten: Klassische Branchenverzeichnisse mit langer Geschichte

Die Gelben Seiten haben auch in Deutschland eine sehr lange Geschichte. Das erste richtige Branchenverzeichnis entstand im Jahr 1925 in Berlin. Mitgebracht hatte die Idee der damalige Vizepräsident des Weltreklameverbandes, Max Riesebrodt, der im Jahr 1924 in New York die dortigen „Yellow Pages“ kennenlernte. Die darauffolgende Entwicklung war rasant:

  • Auflage 1931: 250.000 Exemplare mit 784 Seiten
  • Auflage 1951: 100.000 Exemplare mit 482 Seiten
  • Auflage 1991: 1,2 Millionen Exemplare mit 2.240 Seiten (Erstmals in zwei Bänden)

Das Schrumpfen zwischen 1931 und 1951 ist auf den Zweiten Weltkrieg zurückzuführen. 1942 musste das Branchenverzeichnis wegen Papiermangel vorübergehend eingestellt werden. Erst im März 1951 fand eine Neugründung in West-Berlin statt.

In der Nachkriegszeit beschränkten sich die Gelben Seiten nicht mehr allein auf Berlin, sondern wurden für ganz Deutschland in jeweiligen Regionalausgaben produziert. Heute gibt die DTM Deutsche Tele Medien GmbH in Zusammenarbeit mit 17 Regionalverlagen als Herausgeber GbR die Gelben Seiten heraus.

Digitalisierung: Die Gelben Seiten als Online-Angebot

Mit zunehmender Digitalisierung wurde das Produkt Gelbe Seiten an die neuen Erfordernisse angepasst. Zunächst beschränkte sich dies auf Ausgaben in Form von CD-ROMs, die über den heimischen PC ausgelesen werden konnten. Mittlerweile können Unternehmen ihre Firmeneinträge jedoch auf der Website Gelbeseiten.de aufgeben.

Das Portal beinhaltet heute 3,7 Millionen Einträge aus mehr als 4.853 Branchen. Eine GfK-Studie aus dem Jahr 2021 ergab zudem bei der Nutzungsart überraschende Ergebnisse:

  • Nutzer der Print-Ausgabe: 24,2 %
  • Nutzer der mobilen Version: 8,7 %
  • Nutzer des Online-Branchenverzeichnisses: 11,2 %

Hier zeigt sich nach wie vor, dass die Gelben Seiten vor allem von ihrer jahrelangen Reichweite als Printmedien profitieren. Trotzdem konnte sich das Online-Angebot mit der Zeit etablieren.

Hinweis: Auch heute lässt sich das Branchenverzeichnis noch als Print-Variante nutzen. Die Bücher liegen oft in der entsprechenden Postfiliale und anderen Stellen kostenfrei aus. In einigen Regionen werden sie zudem nach wie vor in die Haushalte geliefert. Diese Praxis wurde in Großstädten jedoch aufgrund der immer größeren Online-Nachfrage eingestellt.

Stetiger Ausbau der Plattform soll das Bestehen im digitalen Wettbewerb sichern

Auf den ersten Blick wirken Branchenverzeichnisse in Zeiten von Suchmaschinen eher wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Nutzer fragen sich: „Warum sollte erst eine Website aufsuchen, um nach passenden Dienstleistungen zu suchen? Die Eingabe in die Suchmaschine ist schneller und führt auch zum Ziel.“

Die Gelben Seiten haben ihren Weg ins Internet jedoch verhältnismäßig früh gefunden. Bereits 1998 ging die Website gelbeseiten.de an den Start. Zu Beginn war dies sicherlich keine leichte Situation: als Printmedium hatte das Branchenverzeichnis eine herausragende Marktstellung. Online mussten sich die Herausgeber hingegen dem Wettbewerb mit weiteren Verzeichnissen und Suchmaschinen stellen. Damit dies gelingt, war ein stetiger Ausbau des Online-Angebots erforderlich:

  • 2007: Im Jahr 2007 wurde das Portal auch für mobile Endgeräte optimiert. Das responsive Design sorgte dafür, dass die Inhalte auf dem Smartphone und Tablet lesbar angezeigt wurden.
  • 2009: Die erste App für die Gelben Seiten steht zur Verfügung, Bis zum Jahr 2021 wurde die App nach internen Auswertungen des Unternehmens insgesamt 3,4 Millionen Mal heruntergeladen.
  • 2012: Das Portal wird um die Möglichkeit erweitert, die eingetragenen Unternehmen bewerten zu können. Dies soll anderen Interessenten eine entsprechende Orientierung bieten.
  • 2015: Das Portal wird um ein Online-Magazin mit Ratgeber-Themen erweitert. Heute stehen über 200 verschiedene Ratgeber zu den Themen „Gesünder leben“, „Haus & Garten“ sowie „Recht & Finanzen“ zur Verfügung. Ende des Jahres wird in der Rubrik „Gesünder leben“ die Möglichkeit geboten, sich den eigenen Arztbrief übersetzen zu lassen. Der Service nennt sich „Was hab‘ ich?“ und ist kostenfrei nutzbar.
  • 2016: Die Gelben Seiten führen die Buchungsmöglichkeit eines seriösen Schlüsseldienstes zum Festpreis in Essen und Hannover ein. Das Projekt wird in den nächsten Jahren immer weiter ausgebaut.
  • 2017: Kooperation mit Facebook – die Gelben Seiten lassen sich über den Facebook Messenger nutzen.
  • 2018: Das Jobportal der Gelben Seiten „Job vor Ort“ wird ins Leben gerufen.

Die stetigen Veränderungen und Weiterentwicklungen haben sich für den Verlag gelohnt. Immerhin geben Nutzer der Gelben Seiten nach einer Suche durchschnittlich 791 Euro bei einem gefundenen Dienstleister oder Händler aus. Nach einer Google-Suche beträgt dieser Wert hingegen nur 309 Euro, wie eine GfK-Studie aus dem Jahr 2021 ergab.

Worin liegt die Zukunft von Verzeichnismedien wie den Gelben Seiten?

Entwicklungen wie ChatGPT zeigen, dass die künstliche Intelligenz in naher Zukunft wahrscheinlich eine sehr wichtige Rolle bei der Suche nach passenden Angeboten und Informationen spielen wird. Hier müssen sich auch Verzeichnisse wie die Gelben Seiten überlegen, wie sie diesem Umstand Rechnung tragen können. Eine enge Verzahnung mit entsprechender Technologie wird mittelfristig unumgänglich sein.

Darüber bleibt es wichtig, dass Verzeichnisse Mehrwert schaffen, der sie von Suchmaschinen abhebt. Es dürfte sehr spannend werden, zu sehen, welche Innovationen die Gelben Seiten in Zukunft einführen, um diesen Standard halten zu können.

Gelbe Seiten: Eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte

Die Gelben Seiten sind keine Erfindung aus Deutschland, aber sie haben auch hierzulande eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte hinter sich. Vor dem Online-Zeitalter gehörte das Branchenverzeichnis zu den wichtigsten Verzeichnissen überhaupt. Mit dem Aufkommen von Internet-Suchmöglichkeiten wurde das Umfeld rauer und die Gelben Seiten mussten sich erst anpassen. Durch jahrelange Innovationen ist es jedoch geglückt, entsprechenden Mehrwert zu bieten und sich zu etablieren. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Gelben Seiten in Zeiten von KI-Technologien schlagen werden.