Mit weiterhin rekordverdächtigen Preissteigerungsraten in Deutschland und im Euro-Raum überlegen Anleger, welche Investitionen am besten der Inflation trotzen. Häufig wird Gold als Inflationsschutz empfohlen und soll weniger anfällig für Wertverluste sein. Aber wie gut ist der Schutz von Gold vor Inflation wirklich und wann lohnt sich eine Investition in das Edelmetall?
Inflation in Deutschland und im Euroraum weiter ungebremst
Die Inflationsrate in Deutschland hat mit 7,9 Prozent für Mai 2022 einen neuen Höchststand erreicht und im gesamten Euroraum ist die Preissteigerungsrate sogar auf mehr als 8 Prozent gestiegen. Damit verliert erspartes Geld an Kaufkraft, wenn es nicht gewinnbringend angelegt wird. Schwierig zeigt sich die aktuelle Situation für Zentralbanken, Regierungen und Bürger, weil die genauen Ursachen der Preissteigerungen schwer einzuschätzen sind. So ist ein Teil der Inflation wohl auf die expansive Geldpolitik sowie niedrigen Zinsen der Zentralbanken der USA und der Europäischen Union in den vergangenen Jahren zurückzuführen. Gleichzeitig ist die Nachfrage mit dem Abschwächen der Corona-Krise explodiert und aufgrund von Lockdowns in China bestehen weiterhin Probleme mit den Lieferketten. Hinzu kommen steigende Energiepreise durch den Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine, der zu sinkenden Importen von Öl und Gas geführt hat. Ein explosiver Mix, der ein Handeln der Zentralbanken und höhere Zinsen erfordert, wodurch sich allerdings das Risiko einer Rezession deutlich erhöht.
Aufgrund der hohen Inflation fragen sich viele Anleger, wie sie einen Wertverlust bei Geldanlagen vermeiden können. Lässt man Ersparnisse einfach auf dem Konto liegen, erhält man von den Banken weiterhin keine erwähnenswerten Zinsen. Bei Immobilien steigt die Preisspirale immer weiter und eine Finanzierung ist durch die gestiegenen Kosten für den Immobilienkredit deutlich schwieriger. Der Aktienmarkt hingegen schreckt Anleger vor allem durch große Schwankungen innerhalb von kurzer Zeit ab. Deshalb zieht man vielfach Gold in Betracht, das den Ruf einer „inflationssicheren“ Investition besitzt.
Ist Gold ein Inflationsschutz?
Gold ist als „sicherer Hafen“ bei Anlegern beliebt, die wenig Risiko eingehen möchten. Ein Totalverlust gilt als praktisch ausgeschlossen und dem Edelmetall wird in Zeiten hoher Inflation mehr als Papiergeld vertraut. Grund für den guten Ruf von Gold als Inflationsschutz sind vor allem die Erfahrungen der 70er-Jahre, als Gold mit einem Kursanstieg von 11 Prozent jährlich die Preissteigerung übertraf. Die Preise für das Jahrzehnt stiegen in den USA um 96 Prozent, während der Kurs von Gold um 1760 Prozent anwuchs. In der aktuellen Phase hoffen Anleger auf ähnliche Kursgewinne, damit sich das Investment auszahlt.
Doch um als zuverlässiger Inflationsschutz zu dienen, muss Gold die Preissteigerungsrate und den Kaufkraftverlust des Euros ausgleichen. Durch fehlenden Cashflow, den zum Beispiel Aktien mit Dividenden oder Immobilien mit Mieten bieten, ist dies ausschließlich über den Kurs des Rohstoffs möglich. Schaut man jedoch auf die Kurse für Gold je Feinunze im Jahr 2021 verlor das Edelmetall trotz hoher Inflation sogar an Wert, wodurch die Preissteigerung nicht ausgeglichen wurde. Für 2022 gab es bislang zwar einige Kursgewinne, doch die Goldpreise sind weiterhin volatil. Blickt man hingegen auf längere Zeiträume, sieht die Bilanz von Gold als Inflationsschutz besser aus. So konnte das Gold bei der Hyperinflation in der Weimarer Republik oder während der Stagflation (stagnierende Wirtschaft mit steigenden Preisen) in den 70er-Jahren seine Kaufkraft ungefähr behalten oder übertraf die Preissteigerungen deutlich. Besonders im Vergleich zu Papiergeld schnitt das Edelmetall deutlich besser ab.
Gold ist zwar nicht als 100 Prozent sicherer Inflationsschutz zu betrachten, bietet aber klare Vorteile gegenüber gedrucktem Geld. Investitionen in den Rohstoff sind immer eine Wette auf steigende Kurse für das Edelmetall. Sie spekulieren ähnlich wie an der Börse oder auf dem Immobilienmarkt auf eine Wertsteigerung, um die Preissteigerungsrate auszugleichen. Problematisch ist nicht unbedingt, ob der Kurs des Rohstoffs steigt, sondern welche Volatilität vorherrscht und welche jährliche Rendite sich ergibt. Für Anleger, die möglichst geringe Schwankungen bevorzugen, ist die Investition in Gold in Zeiten hoher Preissteigerungen dennoch eine gute Wahl.
Was sind die Vorteile von Gold während einer Inflation?
Ein großer Vorteil im Vergleich zu Geld ist, dass nicht einfach mehr Gold gedruckt werden kann. Die Menge von Gold auf dem Markt ist durch die aktuellen Reserven und die Förderung von Rohstoffproduzenten begrenzt. Dadurch ist der Goldkurs im Gegensatz zu Papiergeld weitgehend unabhängig von den Instrumenten der Zentralbanken. Als sichere Investition wird Gold vor allem betrachtet, weil man mit Goldbarren einen physikalischen Gegenstand kauft. Im Vergleich zu Bargeld gilt der Rohstoff als erheblich sicherer gegenüber Wertverlusten.
Ein weiterer Vorteil gegenüber Aktien oder Immobilien sind die Steuersparmöglichkeiten, wenn bei einem Verkauf durch gestiegene Kurse Gewinne erzielt werden. So müssen Dividenden und Kursgewinne von Aktien, die 2009 oder später gekauft wurden, mit einer pauschalen Abgeltungssteuer von 25 Prozent beim Finanzamt besteuert werden. Bei Immobilien müssen 3 Jahre zusammenhängende Eigennutzung vorliegen oder die 10-jährige Spekulationsfrist ablaufen. Die Gewinne aus dem Verkauf von Gold sind als privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 Einkommensteuergesetz (EStG) hingegen schon nach einer Spekulationsfrist von 12 Monaten steuerfrei.
Wird Gold je an Wert verlieren?
Fast unmöglich ist, dass Gold einen ähnlich rasanten Wertverlust wie Papiergeld bei der Hyperinflation in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts erleidet. Papiergeld verlor während der Weimarer Republik stark an Kaufkraft und es kam zur Einführung von 100 Billionen Mark Scheinen. Die folgende Währungsreform traf vor allem Besitzer von Bargeld hart, während Goldbarren auch nach der Reform ihre Kaufkraft behielten. Aussichten auf eine Hyperinflation bestehen allerdings aktuell nicht.
Ein großer Faktor von Gold als Inflationsschutz ist die Annahme, dass das Edelmetall dauerhaft nicht an Wert verlieren kann. Während dies wohl auch für die nähere Zukunft gilt, sind dennoch Kursschwankungen für den Rohstoff möglich. So mussten die Kurse für das Edelmetall von 2011 bis 2013 einen Rückgang von 29 Prozent verzeichnen und waren damit einer ähnlichen Volatilität wie der Aktienmarkt ausgesetzt. Auch das Jahr 2021 zeigt, dass nicht in jedem Jahr mit einem Anstieg der Goldkurse zu rechnen ist und der Anlagehorizont mindestens mehrere Jahre betragen sollte. Eine unsichere Perspektive für die Goldkurse zeigt sich außerdem durch Probleme bei der Förderung des Edelmetalls. In vielen Goldminen kommt es zu Schäden an der Umwelt, die durch einen rücksichtslosen Abbau des Rohstoffs in ärmeren Ländern entstehen. So wurde unter anderem die Förderung in der Grasberg-Mine in Indonesien, die zu den ergiebigsten Goldreserven der Welt zählt, aufgrund von mangelhaften Arbeitsbedingungen und unzureichendem Schutz der Umwelt ausgesetzt.
Welche Faktoren sind für die Investition in Gold zu beachten?
Diversifizierung in mehrere Anlagetypen
Ein wichtiger Faktor für die Entscheidung darüber, ob Sie für den Inflationsschutz auf Gold setzen sollten, ist die aktuelle Diversifizierung Ihrer Investments. Während das Anlegen eines Teils der Ersparnisse in Gold sinnvoll für die Aufteilung Ihres Portfolios sein kann, sollte Gold keine zu hohe Quote einnehmen. Falls Sie bisher kein Gold besitzen, kann das Edelmetall helfen, Ihr Vermögen besser zu balancieren. Wenn jedoch ein großer Anteil Ihres Vermögens vom Goldkurs abhängig sind, lohnt es sich womöglich, die aktuell hohen Preise für einen Verkauf zu nutzen. Allerdings besitzt auch die Diversifizierung Ihrer Ersparnisse mit Tagesgeld, Immobilien oder Aktien entsprechende Risiken, die zu beachten sind.
Steigende oder fallende Kurse zu erwarten?
Ein entscheidender Faktor für die Entscheidung über Kauf oder Verkauf ist auch die Entwicklung der Goldpreise. Erwarten Sie mit Ihrem Investment in das Edelmetall deutliche Gewinne gegenüber dem Kaufpreis oder schwächeln die Kurse des Rohstoffs seit einiger Zeit? Bei hohen Goldpreisen kann ein Verkauf sinnvoll sein. Allerdings sollten Sie dann bereits eine neue Investmentmöglichkeit für die Erlöse im Blick haben, um den Kaufkraftverlust durch die Inflation abzufedern.
Kein 100 Prozent sicherer Inflationsschutz durch Gold
Während Gold in der Vergangenheit gut als Inflationsschutz abgeschnitten hat und der Rohstoff seine Kaufkraft in Zeiten hoher Preissteigerungen weitgehend behielt, gibt es keine vollständige Sicherheit gegenüber den aktuellen Inflationsraten. Gold als Teil eines balancierten Investmentportfolios kann vor großen Schwankungen schützen und ist im Vergleich zu Bargeld wohl die bessere Lösung. Eine Anlage des gesamten Vermögens in Gold, um sich vor der Inflation schützen, ist hingegen nicht empfehlenswert. Denn nur durch Goldkurse, die mit der Preissteigerungsrate Schritt halten, lässt sich die Kaufkraft Ihres Vermögens erhalten.