Silvester-Feuerwerk und Umweltschutz: So sinnvoll wäre ein Böller-Verbot
… gaben die Deutschen im Jahr 2018 für Silvester-Feuerwerk aus. Im Jahr 2000 waren es noch 102 Millionen Euro. Das Geböller zum Jahreswechsel ist offensichtlich beliebt. Doch in Zeiten von Fridays for Future gerät es auch zunehmend in die Kritik. Immer lauter werden die Rufe nach einem Verbot.
Ein Verbot der Böllerei fordern zahlreichen Umwelt-Aktivisten, darunter auch die Deutsche Umwelthilfe, die anregt, das Feuerwerk in mindestens 67 Städten zu untersagen, in denen ohnehin schon regelmäßig die Feinstaub-Grenzwerte überschritten werden. Dagegen wehren sich freilich nicht nur Feuerwerk-Fans, sondern auch die Hersteller von Pyrotechnik sowie der Einzelhandel, der pünktlich zum Jahresende ein gutes Geschäft mit Raketen und Knallern macht.
Als Vorreiter könnte das bayrische Landshut gelten – dort ist das Silvester-Feuerwerk bereits verboten. Andere Kommunen erwägen, zumindest private Feuerwerke zu untersagen und stattdessen ein zentrales, von der Kommune organisiertes Feuerwerk zuzulassen. Umweltschützern geht das nicht weit genug. Und sie haben gute Argumente.
Durchschnittlich beträgt der CO2-Ausstoß pro Kubikmeter Luft etwa 30 Mikrogramm, der Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm. Während eines Silvesterfeuerwerks steigt die Belastung stellenweise um mehr als das Hundertfache auf bis zu 4000 Mikrogramm.
Laut Umweltbundesamt werden zu jedem Jahreswechsel über 5000 Tonnen Feinstaub in die Luft geblasen – allein in Deutschland. Das sind zwei Prozent des Jahresgesamtausstoßes. Jeder kennt die dicke Luft und den beißenden Rauch, der noch Stunden nach Mitternacht in der Luft liegt. Für Umwelt und Gesundheit hat das katastrophale Auswirkungen.
Wer Haustiere hat, der weiß, wie sehr Tiere sich vor dem Feuerwerk, vor Licht und Krach, fürchten. Und das gilt umso mehr für Tiere wie Vögel oder Nagetiere und andere Lebewesen, die dem Feuerwerk in freier Natur ungeschützt ausgesetzt sind. Für sie bedeuten die Feiern einen mehrstündigen Ausnahmezustand – dass darauf selbst Tierbesitzer kaum Rücksicht nehmen, ist erstaunlich.
Geplatzte Trommelfelle, abgetrennte Finger, Verbrennungen – zählt man alle leichten und alle sehr schweren Verletzungen mit, kann man für jede Silvesterfeier von vielen Tausend Unfällen pro Jahr sprechen. Die meisten gehen auf die Kombination von zuviel Alkohol und unsachgemäßem Gebrauch von Böllern zurück. Fast jedes Jahr gibt es in diesem Zusammenhang auch Todesfälle.
Ein Verbot von Silvester-Feuerwerk würde also nicht nur die Sicherheit der Bevölkerung erhöhen, sondern auch Kosten und Belastung für Feuerwehr, Notärzte, Krankenhäuser und Polizei signifikant senken. Nimmt man all diese Argumente zusammen, so kann man zu dem Schluss kommen, dass es kein wirklich gutes Argument gegen ein Böller-Verbot gibt…
Bis auf zwei Ausnahmen: Die Umsätze von Händlern und Herstellern zum einen. Doch sollten diese nicht relevanter sein als Sicherheit und Umweltschutz. Und zum anderen die Klage jener, die sich den Böller-Spaß nicht nehmen lassen wollen. Doch käme ein Verbot, würden auch die Feuerwerksfetischisten bald merken, dass man auch ohne Böller wunderbar das neue Jahr begrüßen kann.